30 Schulleiter senden SOS - Sparpläne gefährden Lehrbetrieb

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28. August 2008, 10:32 Uhr

Rostock - „Wir haben uns zu diesem Schreiben entschlossen, weil wir in Sorge sind, dass wir mit der fortgesetzten Auszehrung der Ausstattung der öffentlichen Schulen eine qualitativ hochwertige Bildung nicht mehr werden angemessen erfüllen können“, heißt es in dem Brief, der von 30 Direktoren der öffentlichen Gesamtschulen, Gymnasien und Regionalen Schulen unterzeichnet ist.

Dass Eltern „berechtigte Schritte einleiten“, um die Zukunft ihrer Kinder auf dem Arbeitsmarkt zu sichern, dafür zeigen die Schulleiter sogar Verständnis – mit einem zynischen Seitenblick auf die Privatschulen, die sich in Rostock über mangelnden Zulauf nicht beklagen können. Das Fazit der Direktoren: Die Stadt lässt ihre Schulen im Stich.

Jammern auf niedrigem Niveau

Die nackten Zahlen bestätigen die Sorge. In den Eckwerten für 2009 ist der Etat für die Lehr- und Sachmittel – also alles vom Kopierpapier über den Computer bis zur Schulbank – von 814 000 Euro auf rund 685 000 Euro zusammengestrichen. „Von niedrigem Niveau auf eine inakzeptable Höhe“, sagt Stadtelternrat Max Raudszus.

Dabei sei Schule eine Pflichtaufgabe und liege nicht im freien Ermessen. „An dieser Zukunftsaufgabe darf einfach nicht gespart werden.“ Beispiel Borwinschule in der Kröpeliner-Tor-Vorstadt: 720 Schüler mussten mit 6700 Euro für Lehr- und Unterrichtsmittel in diesem Jahr auskommen. Im Frühjahr hat die Schulleitung sogar ein Verbot für Papierkopien ausgesprochen. Lehrer mussten aus eigener Tasche beisteuern.

Ein Einzelfall ist das beileibe nicht.Das weiß auch Bärbel Meyer, die im Rostocker Amt für Schule und Sport die unbequeme Aufgabe hat, den Schulen ihre Finanzen zuzuweisen. In der Tat seien die Mittel in den vergangenen Jahren der Haushaltslage geschuldet drastisch gesunken, schildert die Abteilungsleiterin. Vor allem seit 2006, nachdem die Schulen ihr Budgetrecht verloren hatten. Das Innenministerium hat per Verfügung dafür gesorgt.

Über einen Teil-Erfolg dürfen sich die Schulleiter jetzt schon freuen. Das Amt für Schule und Sport sichert zu, den Etat leicht aufzustocken. Eine Lösung des Problems stellt das allerdings nicht dar. Denn das Geld wird an anderer Stelle eingespart – bei den Putzkräften in den Schulen.

Die Direktor-Initiative will deshalb mehr als Flickschusterei: „Wir erwarten ein Umschwenken in der Finanzpolitik, mit dem Ziel, öffentliche Schulen konkurrenzfähig zu Privatschulen zu machen.“

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