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Serie „Dallas“ veränderte das deutsche Fernsehen : 30 Jahre Epos mit Fiesling

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Fernsehserien gehören zu unserem Leben. Und "Dallas" - die Familiensaga aus der Ölmetropole in Texas - gilt in der TV-Geschichte als "Mutter aller Seifenopern".

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erstellt am 30.Jun.2011 | 11:55 Uhr

Fernsehserien gehören zu unserem Leben. Und "Dallas" - die Familiensaga aus der gleichnamigen Ölmetropole in Texas - gilt in der TV-Geschichte als "Mutter aller Seifenopern im Abendprogramm". Vor 30 Jahren, am 30. Juni 1981, kam die Serie, in der es um Big Business und Bettgeschichten in der High-Society ging, nach Deutschland. Als die ARD die erste Folge der Affären und Intrigen zeigte, hatte die Serie in Amerika bereits ihren Zenit überschritten. Zurzeit wird in den USA an einer Art Wiederauflage gearbeitet, die dort vielleicht 2013 ins Fernsehen kommt.

"Dallas" war Vorreiter, was Wendungen im Drehbuch angeht, und auch sonst ziemlich gewagt: Mit dem schmierigen Helden J.R. Ewing (Larry Hagman) - ein skrupelloser Mann, den zu hassen ein Vergnügen war - wurden Opas Vorstellungen vom Fernsehen als moralischer Instanz begraben. Hier wurde ein erfolgreiches Ekel zur Hauptfigur und die brave Welt anderer Serien auf den Kopf gestellt.

Die Storys rund um die Brüder J.R. und Bobby (Patrick Duffy) sowie J.R.s labile Ehefrau Sue Ellen (Linda Gray) und Dauer-Verlierer Cliff Barnes (Ken Kercheval) waren damals etwas Besonderes, heute sind komplizierte Charaktere längst Standard in TV-Serien.

Die USA verkauften "Dallas" in Dutzende Länder. In Deutschland war praktisch ein Jahrzehnt lang für viele TV-Zuschauer der Dienstag "Dallas"-Tag. Um die 15 Millionen Menschen sahen anfangs regelmäßig zu, später sank die Zahl unter die Zehn-Millionen-Grenze. Die letzte Folge von rund 350 lief am 27. September 1991. Einige Episoden waren der ARD zu gewalttätig, weshalb sie sie nicht ausstrahlte, was zu noch mehr Verwirrung im Verfolgen der Handlung führen konnte.

Raffiniert konstruierte "Cliffhanger" - dramatische Entwicklungen mit offenem Ende - gab es bei "Dallas" bis zum Exzess. Am Schluss jeder Saison trieben sie die Spannung auf die Spitze. So rätselte im Frühjahr 1980 die amerikanische TV-Nation, wer wohl Oberfiesling J.R. niedergeschossen hat.

Als am 21. November die Auflösung kam und Schwägerin Kristin als Täterin entlarvt wurde, verfolgten "Dallas" etwa 83 Millionen Zuschauer in fast 42 Millionen Haushalten, wie die Marktforscher von Nielsen damals angaben. Das war eine der höchsten Einschaltquoten in der Geschichte des US-Fernsehens.

In Deutschland kann man ähnliche Geschichten aus den 80ern erzählen: in Sachen Quoten liegt hier die einheimische ZDF-Serie "Die Schwarzwaldklinik" noch vor amerikanischen Importen. Die Krankenhausserie verfolgten vor allem 1985/1986 bis zu 25 Millionen Menschen allein in der alten Bundesrepublik. Heute ist im vereinten Deutschland jede zweistellige Zuschauerzahl für fiktionales Programm eine Sensation.

"Dallas" erzeugte mit der Serie "Unter der Sonne Kaliforniens" (Knots Landing) einen Ableger und rief außerdem Nachahmer wie "Denver-Clan" (Dynasty) auf den Plan. Die letzte Folge wurde direkt von Frank Capras sentimentaler Komödie "Its a wonderful Life" (Ist das Leben nicht schön?) von 1946 inspiriert: Ein Engel zeigt dem skrupellosen Geschäftsmann und Weiberheld J.R., was aus Dallas geworden wäre, wenn es ihn nie gegeben hätte. Ohne J.R., den Mann mit dem öligen Charme, hätte es natürlich die ganze Serie nicht gegeben.

Am Ende zieht J.R. jedenfalls seinen Revolver. Man hört einen Schuss und sieht nur noch Bobby ins Zimmer stürmen.

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