122 Bausteine für Bildung

Bestmögliche Bildung für alle von der Krippe bis zur Rente: Unter diesem Leitmotiv hat die vom Landtag eingesetzte „Expertenkommission zur Zukunft der Bildung“ gestern 122 Empfehlungen vorgelegt. Sie reichen von Kompetenztests und Förderung in Kitas über das Angebot aller Schulabschlüsse unter einem Dach bis zu Studienkonten und Präsenzpflicht für Professoren.

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28. Juni 2008, 10:11 Uhr

Schwerin - Eine klare Ansage in Richtung Landespolitik schickte Kommissionschef Rainer Domisch gleich vorweg. „Mit diesen Empfehlungen ist es wie mit einem Kuchen – es lohnt nicht, die Rosinen herauszupicken, man muss den ganzen Teig essen“, sagte der hochkarätige Bildungsexperte und Spitzenbeamte des finnischen Zentralamts für Unterricht bei der Berichtsübergabe an Ministerpräsident Harald Ringstorff (SPD). Als Grundanspruch nannte er: „Es geht darum, kein Kind zurückzulassen.“
Ein Satz, der nicht nur durch Schülerschwund, Abwanderung und Überalterung zur existenziellen Aufgabe gerät. Gleichzeitig stehe MV mit überproportional vielen Sitzenbleibern, Förderschülern und Schulabgängern ohne Abschluss da, während die Zahl von Abiturienten, Hochschulberechtigten und Studierenden weit unter Bundesniveau läge, zählte Kommissions-Vizechefin Rosemarie Raab auf. „Um diese Kette zu durchbrechen, müssen wir eine höhere Bildungsbeteiligung auf allen Ebenen erreichen“ mahnte die frühere Hamburger Senatorin. Wichtige Bausteine dafür sind:

Frühkindliche Bildung: „Wir brauchen Bildung von 0 bis zum Lebensende“, betonte der Neubrandenburger Soziologie-Professor Hans-Werner Klusemann. Deshalb müssten in der Krippe Neigungen gefördert und Defizite ausgeglichen werden. Als Mittel sehen die Experten u. a. Kompetenztests ab 4 Jahren. Zudem sollte die Erzieherausbildung mittelfristig an Hochschulen laufen.
Schule: Angesichts sinkender Schülerzahlen muss nach Ansicht der Experten vor allem für die Erst- bis Viertklässler auf dem Lande wohnortnahes Lernen gesichert werden. Das ginge jedoch nur, wenn statt bisher üblicher Sonderklassen alle Grundschüler gebündelt unterrichtet und individuell gefördert würden, sagte Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Ulf Preuss-Lausitz von der TU Berlin. Dass Sondergruppen für Hochbegabte, Behinderte oder Entwicklungsverzögerte bessere Förderung garantierten, sei durch die Forschung eindeutig widerlegt, sagte er. Folgerichtig sollen Gymnasien, Regionalschulen – und wo machbar auch Berufsbildung – zusammengefasst werden, um möglichst alle Abschlüsse am Standort zu bündeln.

Hochschule: Vereinfachte Studienzugänge sollen mehr Jugendliche mit Berufsausbildung an die Hochschule bringen. So müssten Meister oder junge Leute mit Berufsabschluss und dreijähriger Joberfahrung automatisch studienberechtigt sein, regte Dr. Dieter Dohmen, Chef des Berliner Forschungsinstituts für Bildungs- und Sozialökonomie an. Dazu wären weit Teilzeitstudiengänge nötig. Von Studiengebühren riet er dringend ab. Dafür regte Dohmen eine Präsenzpflicht für Professoren an – an der Uni und beim Wohnsitz.

Regierungschef Ringstorff war beeindruckt: „Das Fazit ist klar: Bildung entscheidet über die Zukunft unseres Landes“, sagte er , „und da haben wir in einigen Bereichen noch Nachholebedarf“.

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