"Großes Kino" auf dem Berlinale-Empfang : 100 Prozent Mecklenburg

Durften ihren Kopf natürlich behalten: Regisseur Sven Taddicken und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) Silke Winkler
Durften ihren Kopf natürlich behalten: Regisseur Sven Taddicken und Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) Silke Winkler

"Wir haben alles außer der Eiger-Nordwand." Dieses Bonmot gehört zum Standardrepertoire, wann immer Erwin Sellering für MV als Filmland zu werben versucht. So auch Donnerstagabend in der Berliner Landesvertretung.

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18. Februar 2011, 08:30 Uhr

Berlin | "Wir haben alles außer der Eiger-Nordwand." Dieses Bonmot gehört zum Standardrepertoire, wann immer Erwin Sellering für MV als Filmland zu werben versucht. So auch Donnerstagabend in der Berliner Landesvertretung, wo der Ministerpräsident am Rande der 61. Berliner Filmfestspiele zum traditionellen Berlinale-Empfang geladen hatte. Große Namen waren diesmal nicht auszumachen, dafür unterhielten sich junge Filmemacher, angereiste Landespolitiker und Berliner Gäste prächtig.

Mecklenburg-Vorpommern vom Feinsten will auch die neue Werbekampagne "Großes Kino - gedreht in MV" präsentieren (wir berichteten), die im Mittelpunkt des Abends stand. FilmLand GmbH und Landesmarketing werben während der Berlinale erstmals auf 50 riesigen Plakaten für das Film- und Urlaubsland zwischen Sassnitz und Usedom - mit Motiven dreier Filme, die in Dörfern, Hansestädten und an der Ostsee gedreht wurden. Auch wenn, wie im Tom Tykwer-Film "Drei", nur zwei Minuten Ahrenshoop im Film zu sehen sind.

Zwei Film-Minuten Meck-Pomm, immerhin. Aber: "Jede Filmsekunde, die bei uns gedreht wurde, ist Werbung", sagte Peter Kranz von der Projektgruppe Landesmarketing. Auf nahezug 100 Prozent kommt Regisseur Sven Taddicken mit seinem Abenteurfilm "12 Meter ohne Kopf" - auch ein Motiv der neuen Kampagne. Der Störtebeker-Film war der erste, der auch mit Mitteln der wirtschaftlichen Filmförderung MV finanziert und in Stralsund und an der Ostsee gedreht wurde. Taddicken, seit seinem Film "Mein Bruder der Vampir" immer wieder Gast auf dem Schweriner Filmkunstfest, erzählte am Rande des Empfang zwar immer noch begeistert von den Dreharbeiten in Stralsund und von den begeisterungsfähigen Komparsen, die Zuschauerzahlen allerdings waren trotz guter Kritiken mehr als enttäuschend. Der Start des Films, so der Regisseur, war zwischen "Zweiohrküken" und "Avatar" mehr als unglücklich platziert. Immerhin verkaufe sich die DVD sehr gut, in Internetforen gebe es sorgar eine Fangemeinde. Noch in diesem Jahr wird der Störtebeker-Film auch im Fernsehen laufen.

Das Filmland MV und eine sich langsam etablierende Filmindustrie verkörperte an diesem Abend Anja Clausen aus Bützow. Die junge Frau betreibt seit drei Jahren erfolgreich eine Castingagentur für Komparsen. 500 Laiendarsteller stehen in ihrer Kartei. "Soko Wismar", "Mord in bester Gesellschaft", der NDR-Film "Frösche petzen nicht" und auch Roman Polanskis "Ghostwriter" entstanden mit Hilfe der Bützowerin. Im Moment steht eine Fernsehproduktion mit Christine Neubauer in Warnemünde im Auftragskalender: Reederstochter (Neubauer) tritt ihr schweres Erbe an der Küste an…

Der Regisseur Karsten Laske, früher Schauspieler am Mecklenburgischen Staatstheater, steckt, wie er verriet, mitten in den Vorbereitungen zu einem Kinofilm, der vor einem Jahr auf der Berlinale mit dem renommierten Drehbuchpreis ausgezeichnet worden war. Erzählt wird die Geschichte eines Jungen im Dritten Reich, der damit klarkommen muss, dass sein großer Bruder im Krieg umkommt und zum Helden stilisiert wird. Gedreht wird wahrscheinlich, so Laske, ab Anfang 2012 - auch in MV.

Einer der fröhlichsten Gäste des Abends war zweifellos Leopold Grün, dessen erster

Dokumentarfilm "Der Rote Elvis" erfolgreich in den Kinos lief. Nun steht die Finanzierung für seinen zweiten abendfüllenden Film mit dem Arbeitstitel "Randland". Gemeinsam mit seinem Kameramann, dem Grimmepreis-Träger Börres Weiffenbach, begleitet Grün Bewohner eines kleinen Dorfes bei Neubrandenburg durch die Jahreszeiten und ihren harten Alltag. Ein Dorf wie viele. Der Unterschied: Die Menschen dort haben sich nicht aufgegeben, sind nicht depressiv und hoffnungslos, sondern helfen sich gegenseitig, lassen die oft trostlosen Verhältnisse keine Macht über sich gewinnen. "Widerstand gegen das Nichts" nennt Regisseur Leopold Grün diese Strategie jener Dörfler, deren Lebens- und Liebesgeschichten er dokumentiert und auf die große Leinwand bringt - vielleicht schon zur nächsten Berlinale. Und, nicht nur nebenbei zum Motto des Abends passend: "Randland" entsteht auch mit Mitteln der kulturellen Filmförderung MV und wird in Meck-Pomm gedreht - zu 100 Prozent.

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