100-mal Weltklasse aus MV

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10. März 2008, 11:20 Uhr

Hätten Sie’s gewusst? Der als Jahrtausendbauwerk gerühmte, 190 Kilometer lange Götakanal in Schweden entstand von 1810 bis 1832 nach Plänen und unter Leitung des Rüganers Baltzar von Platen. Die bahnbrechende Erfindung des Echolotes zum Verhindern von Schiffskollisionen gelang 1912 dem gebürtigen Sternberger Alexander Behm unter dem Eindruck der Titanic-Tragödie. Die Grundlage der heutigen Programmiersprachen schuf der als einflussreichster Denker um die Wende zum 20. Jahrhundert geltende Wismarer Gottlob Frege (1848–1925).

Rostocker legt Grundstein für Australiens „Garden State“

Der australische „Garden State“ Victoria und die Metropole Melbourne verdanken den blumigen Beinamen samt prachtvoller Grünanlagen maßgeblich dem Sohn eines Rostocker Strandvogts. Der Pharmazeut Ferdinand von Müller bescherte Melbourne Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur den riesigen Royal Botanic Garden. Zugleich spürte er in den „gefährlichsten und gottverlassensten Gegenden“ des Kontinents 2000 Pflanzenarten auf, darunter allein 800 bis dato unentdeckte.

Keine Frage, das ist Weltklasse – aus MV. Und nur ein kleiner Vorgeschmack auf die Anekdoten, die auf 208 Seiten hinter dem pfiffigen Buchdeckel mit den zur nordostdeutschen Mount-Rushmore-Variante umfunktionierten Rügener Kreidefelsen auf die Leserschaft warten. Überraschungen sind garantiert, da ist sich auch Autorin Jana Sperber sicher, die das Gros der Geschichten recherchiert und geschrieben hat. „Ich habe wahnsinnig viel dabei gelernt“, bekennt die Öffentlichkeitsarbeiterin beim Tourismusverband MV (TMV). Ein Satz, den auch die im Rahmen der Serie „Wir und Welt“ beteiligten Journalisten unserer Zeitung voller Überzeugung unterschreiben.

Wer zum Beispiel wäre darauf gekommen, dass in einem fast 11000 Kilometer entfernten brasilianischen Tal ein pittoreskes Städtchen mit gepflegten norddeutschen Backsteinhäusern und etlichen platt snackenden Einwohnern existiert. Der personifizierte Beweis lief Jana Sperber fast von allein in die Arme. Bei der ersten Anfrage nach Greifswalder Verbindungen zu den vor 150 Jahren gen Südamerika gezogenen Pommern stand der brasilianische Kontaktvermittler Albert Ramlow gerade vor der Reise in die Heimat seiner Vorväter. So bekam die Rostockerin Geschichte und Geschichten von „Pomerode“, der „deutschesten Stadt Brasiliens“, aus erster Hand. Und erlebte die fast kindliche Begeisterung, mit der der Mittdreißiger in ostpreußischer Mundart nur aus Erzählungen der Alten bekannte Erscheinungen wie kahle Bäume und Schnee aufnahm.

Ein unerwartetes Echo erlebte der in „Wir und die Welt“ vorgestellte Bioakustiker Benedikt von Laar. Nach der Geschichte über seine weltweit einmaligen Hightech-Detektoren zum Aufspüren des gefürchteten „Roten Palmen-Rüsselkäfers“ klingelten überregionale Medien vom Deutschlandradio über SüdwestRundfunk und Berliner Zeitung bis zur Financial Times im winzigen Warnowtal-Dörfchen Klein Görnow. Inzwischen hat der Tüftler ein spezielles Schutznetz patentieren lassen, mit dem sich der Vormarsch des zerstörerischen Insekts stoppen lässt. Im April stellt der „Palmenretter aus Görnow“ sein Konzept auf der käfergeplagten Insel Mallorca vor. Mit dabei ist neben arabischen Regierungsexperten auch ein Kamerateam des Kultursenders arte.

Jede Menge weiterer Aha-Effekte liefert ein Blick ins Buch. Die als Informationsfundus für ausländische Journalisten über das kaum bekannte Gastgeberland des Heiligendammer G8-Gipfels gestartete Geschichtensammlung im Internetportal „linking-stories.com entwickelte eine rasante Eigendynamik. „Menschen aus 103 Ländern der Erde haben darauf zugegriffen“, bilanziert TMV-Geschäftsführer Bernd Fischer stolz. Immer mehr Anregungen ließen die Zahl der Geschichten schnell über die 100er-Marke steigen.

Da lag der Gedanke an ein Buch nahe. In unserer Redaktion lief der TMV offene Türen ein. „Wir zeigen, was die Menschen zwischen Elbe und Oderhaff ausmacht“, sagt Chefredakteur Thomas Schunck, „was gibt es also Naheliegenderes, als unsere tägliche Arbeit auch in der Begleitung eines solchen Buches Landes fortzusetzen?“

Obwohl das Gemeinschaftsprodukt erst am 13. März in die Läden kommt, ist das Interesse bereits groß. „Wir haben schon Anfragen aus dem Wirtschaftsministerium, das das Buch gern als Geschenk für ausländische Gäste oder bei Reisen des Ministers nutzen will“, sagt Fischer. Womöglich eine Idee mit Doppeleffekt, denn eine gemeinsame Geschichte befördert vielleicht auch Ansiedlungspläne oder Vertragsabschlüsse – und das eigene Wissen ohnehin.
Apropos, hatten Sie‘s gewusst? Aber selbst wer die Eingangsbeispiele kannte, erlebt mit Weltklasse Lerneffekte. Für potenzielle Wer-wird-Millionär-Kandidaten und solche, die es werden wollen, gibt es Hinweise auf weiterführende Literatur oder Internetseiten. Das Ganze komplettieren eine Zeitskala von der letzten Eiszeit bis zum G8-Gipfel in Heiligendamm sowie ein Stammbaum der Mecklenburgischen Fürsten. Last not least gibt`s 100 gute Gründe für ein gestärktes Heimatbewusstsein gratis. Und das klingt doch ziemlich Klasse. Mindestens

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