Kirchensanierung in Parchim : 100 000 Euro bleiben weiter im Topf

St. Georgen im 'Winterkleid'. Kürzlich dominierten hier noch Baugerüste das Bild. Im nächsten Jahr gehen die Arbeiten im Bereich des Hauptschiffes weiter. Großmann
St. Georgen im "Winterkleid". Kürzlich dominierten hier noch Baugerüste das Bild. Im nächsten Jahr gehen die Arbeiten im Bereich des Hauptschiffes weiter. Großmann

Kann es sich die Kirche etwa leisten, bei der Sanierung ihrer beiden großen evangelischen Backsteinkirchen in der Kreisstadt auf in Aussicht gestellte Städtebaufördermittel zu verzichten?

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30. Dezember 2010, 06:46 Uhr

Parchim | Kann es sich die Kirche etwa leisten, bei der Sanierung ihrer beiden großen evangelischen Backsteinkirchen in der Kreisstadt auf in Aussicht gestellte Städtebaufördermittel zu verzichten? Diese Assoziation mag sich jedenfalls bei manchem Stadtvertreter auf der jüngsten Sitzung aufgedrängt haben. Im Zusammenhang mit einer Bürgeranfrage ließ Rathauschef Bernd Rolly nüchtern durchblicken, dass die Fördersumme in einer Gesamthöhe von 100 000 Euro - je zur Hälfte für St. Georgen und St. Marien - trotz wiederholter Aufforderung noch nicht abgerufen wurde. An diesem Abend blieb offen, ob das Geld gar verfallen könnte.

Zum Hintergrund: Genau vor zwei Jahren fassten Parchims Stadtvertreter den Grundsatzbeschluss, Baumaßnahmen an St. Georgen und St. Marien mit Städtebaufördermitteln zu bezuschussen. Die gemeinsam von CDU- und SPD-Fraktion auf den Weg gebrachte Absichtserklärung nannte als Unterstützungsmöglichkeit zwar auch die Gewährung von Darlehen aus Städtebaufördermitteln oder von Zuschüssen aus dem städtischen Etat, doch diese Schiene ist seitens der Stadt nicht mehr verfolgt worden. Zu Beginn dieses Jahres signalisierte das Bauministerium der städtischen Verwaltung seine grundsätzliche Zustimmung, dass an den beiden Kirchen Städtebaufördermittel zum Einsatz kommen können. Auf SVZ-Anfrage bestätigte Stadtplaner Norbert Kreft, dass die Kirchenkreisverwaltung als zuständiger Ansprechpartner in Sachen Baufragen sofort informiert und darauf hingewiesen wurde, dass konkrete Unterlagen, wie z. B. Modernisierungsgutachten, benötigt werden. Dieser Hinweis sei später noch einmal erneuert worden, so Kreft. "Ein Antrag auf Zuwendung der Mittel ist bisher noch nicht gestellt worden", bestätigt Kreft, gibt aber im gleichen Atemzug Entwarnung: Das Geld ist damit nicht futsch.

In der Kirchenkreisverwaltung wehrt man sich deshalb auch vehement gegen den Eindruck, die Sache auf die leichte Schulter zu nehmen. Als 2008 der Grundsatzbeschluss in der Stadtvertretung gefasst wurde, habe noch niemand im Traum daran denken können, dass das Rettungsprojekt beider Kirchen wenig später eine ganz neue Dimension annehmen würde. Ist doch inzwischen sogar der Bund für sieben Jahre bis 2016 mit ins Rettungsboot eingestiegen. St. Georgen und St. Marien fanden in ihrer Ensemblewirkung als Denkmale nationaler Bedeutung Aufnahme in ein bundesweit aufgelegtes Förderprogramm, womit jetzt die komplette Außen- und Innensanierung beider Gotteshäuser möglich ist. Ein Glücksfall für Parchim, steigt doch damit die Außenwirkung der Kreisstadt enorm. Die Gesamtinvestitionssumme beträgt ca. 4,5 Millionen Euro und wird zu jeweils einem Drittel vom Bund und vom Land getragen. Aber der Preis für die kirchliche Basis ist hoch. Denn sie muss ebenfalls ein Drittel zur Finanzierung beitragen. Der Kirchenkreis beteiligt sich mit Patronatsmitteln, die Kirchgemeinden und Fördervereine mit Eigenmitteln. Ohne Spenden und Stiftungen würde wohl so manches Loch klaffen.

Als im Frühjahr dieses Jahres die Nachricht in Parchim eintraf, dass Städtebaufördermittel auf Abruf bereit stehen, waren die Baumaßnahmen an beiden Gotteshäusern bereits für 2010 durchfinanziert. "Diese Mittel sind aber nicht mit den Mitteln anderer Förderprogramme in einer Baumaßnahme kombinierbar, sodass die Entwicklungsgesellschaft Schwerin als Sanierungsträger der Stadt einen separaten Bauabschnitt an der Außenhülle der Bauwerke fordert", sagt Karsten Hub von der Bauabteilung der Kirchenkreisverwaltung und führt weiter aus: "Die separaten Bauabschnitte für die Städtebaumittel an St. Georgen und St. Marien müssen also sinnvoll in die Gesamtbaumaßnahme integriert und zudem mit je 50 000 Euro gegenfinanziert werden. Für 2011 ist eine solche Summe nicht aufzubringen, sodass wir diese Förderung im Jahr 2012 oder 2013 in Anspruch nehmen möchten." Formlose Anträge seien in der Vergangenheit bisher mehrfach gestellt. "Unsere Aufgabe hier ist jedoch, noch den Bauabschnitt für die Städtebaufördermittel mit den baubetreuenden Architekten zu konkretisieren und die notwendigen Unterlagen bei der EGS einzureichen", sieht der Mitarbeiter der Kirchenkreisverwaltung zwar Handlungsbedarf, aber auf Grund des Bauablaufes und der Finanzierungssituation bisher "keine absolute Dringlichkeit", zumal die Mittel für fünf Jahre bewilligt seien.

Städtebaufördermittel sind für Maßnahmen an der äußeren Hülle eines Bauwerkes einzusetzen, denn mit ihrer Hilfe soll das Stadtbild sein prägendes Gesicht erhalten. Norbert Kreft bestätigte auf Anfrage, dass in der Verangenheit im Stadtzentrum für die Rettung historisch bedeutsamer Häusersubstanz durchaus Einzelprojekte mit bis zu knapp über 100 000 Euro bezuschusst wurden. Über mehrere Jahre hinweg konnte Parchim mit rund einer Million Euro Städtebaufördermittel pro Jahr wirtschaften. 2010 schmolz die Summe auf ca. 880 000 Euro ab. Norbert Kreft kündigte an, dass der Kuchen in Zukunft noch kleiner wird.

Einen großen Stück des Kuchens bekam bereits vor dem Jahrtausendwechsel das historische Rathaus ab, das später gemeinsam mit St. Marien und St. Georgen in die europäische Route der Backsteingotik aufgenommen wurde. Der gotische Backsteinbau ist Ende der 90er Jahre aufwändig saniert worden. Die Baukosten beliefen sich seinerzeit auf 9,5 Millionen DM, davon flossen 5,9 Millionen DM als Städtebauförderung.

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