1,5 Mio Euro Schaden bei Discounterbrand in Zarrentin - war es Brandstiftung?

Der Markt ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. Verschont blieben nur die Einkaufswagen.  Foto: Katharina Hennes
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Der Markt ist bis auf die Grundmauern abgebrannt. Verschont blieben nur die Einkaufswagen. Foto: Katharina Hennes

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06. April 2008, 06:24 Uhr

Zarrentin - Noch rätseln die Kriminaltechniker, noch bleibt die Brandstiftung ein Verdacht. Fest steht: Das Feuer im Discounter in der Bahnhofsstraße hatte sich Freitagnacht extrem und ungewöhnlich schnell ausgebreitet. Zu schnell, um noch irgendetwas von dem Markt zu retten.

Ein kurzer Blick aus seinem Fenster reichte, und Amtswehrführer Uwe Pulss wusste, dass er mehr, viel mehr, Wehren zur Verstärkung rufen musste. „Der Himmel über Zarrentin schien taghell“, erzählt er. „Ich bin schnell in meine Sachen und habe noch auf dem Weg zum Einsatz bei der Leitstelle mehr Männer angefordert.“ Gegen 23 Uhr hatte ein Anwohner das Feuer im Discounter bemerkt und die Feuerwehr alarmiert. „Wir waren alle sofort vor Ort“, sagt Uwe Pulss, „aber das Feuer loderte schon aus dem Inneren durch die Dachkonstruktion.“

Einhundert Feuerwehrmänner aus Zarrentin, Testorf, Lüttow, Valluhn, Gallin, Bantin, Wittenburg und Boizenburg versuchten das Feuer in den Griff zu bekommen. Die Flammen kamen den angrenzenden Wohnhäusern bedrohlich nahe. „Wir hatten ungünstigen Südwestwind, es wurde richtig heiß an den Häuserwänden“, so Pulss. „Anwohner, die versuchten, ihre Autos wegzufahren, liefen durch Funkenregen und versengten sich die Jacken.“

Spraydosen explodieren, Stahlträger schmelzen
Für Pulss, der die Arbeit der acht Wehren vor Ort koordinieren musste, war schnell klar: „Das Hauptaugenmerk musste auf den Wohnhäusern liegen. Wir haben eine Wasserwand aufgebaut und die Wände mit Wasser gekühlt“, erzählt er. Die Anwohner reagierten besonnen. „Zwei Damen waren sogar so nett und brachten uns die ganze Nacht über Kaffee in Thermoskannen.“ Auch der Betreiber eines anderen Supermarktes in Zarrentin reagierte prompt. Er öffnete um 1.30 Uhr sein Geschäft, backte Brötchen für die Feuerwehrmänner und brachte volle Getränkekisten vorbei. „Das lief alles Hand in Hand“, sagt Pulss. Auch die weit mehr als Schaulustigen, die sich inzwischen auf der Bahnhofsstraße hinter der Absperrung versammelt hatten, verhielten sich ruhig. „Wir konnten ungestört arbeiten.“

Dennoch bleibt am Ende nur eine völlig ausgebrannte Ruine stehen. Vor den Augen des Filialleiters und der herbeigeeilten Mitarbeiter brennt das Haus bis auf die Grundmauern nieder. Die Balken krachen, die Ziegel fliegen in den Innenraum, drinnen hört man Spraydosen zischen und explodieren. „Das war ein wirklich gewaltiges Feuer“, sagt Pulss. „Selbst die Stahlträger sind völlig zusammengeschmolzen.“ Erst gegen 3.30 Uhr war das Feuer gelöscht. Pulss bleibt noch bis zum Vormittag vor Ort, löscht immer wieder kleine Glutnester und sichert den Zutritt der Geschäftsleitung zum Büroraum, um das Geld aus dem Tresor zu holen.

Zarrentiner benötigen dringend Drehleiter
Erst am Abend kommt Pulss zur Ruhe und realisiert, wie reibungslos das Zusammenspiel der vielen Wehren vor Ort funktionierte. „Wir üben das hunderte Male. Im Training geht immer mal was schief. Dafür ist ja ein Training da. Aber dass es dann im Ernstfall so super geklappt hat, ist einfach nur gut.“ Die Männer, sagt er, hätten sich blind verstanden. „Man musste gar nicht viel reden.“

Dennoch ist Pulss nicht ganz zufrieden. „Wir konnten erst sehr spät von oben mit Netzwasser löschen, weil wir auf die Drehleiter aus Boizenburg warten mussten. Mit der Drehleiter hätten wir viel schneller eingreifen können.“ Er hofft, jetzt die Diskussion neu anzuschieben. „Wir brauchen diese Leiter. Wenn es irgendwo im Gewerbegebiet in einer Halle brennt, können wir effektiv nur etwas mit einer Drehleiter ausrichten.“

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