1:2 gegen England - Erste Niederlage seit EM-Finale

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19. November 2008, 11:02 Uhr

Berlin - Eine führungslose deutsche Nationalmannschaft hat sich mit einer verdienten Pleite in die Winterpause verabschiedet. Ohne Kapitän Michael Ballack unterlag das Team von Bundestrainer Joachim Löw am Mittwoch in Berlin im Fußball-Klassiker gegen England mit 1:2 (0:1) und kassierte zum Jahresabschluss die dritte Niederlage in 2008. Vor 74 244 Zuschauern im Olympiastadion erzielte Kapitän John Terry in der 84. Minute das Siegtor für die „Three Lions“. Mit seinem ersten Treffer im DFB-Trikot hatte Patrick Helmes (63.) ein Missverständnis zwischen Terry und Torhüter Scott Carson zum Ausgleich genutzt. Nach einem Fehler von Schlussmann Rene Adler waren die Gäste durch Matthew Upson (23.) in Führung gegangen. Nach knapp dreimonatiger Pause startet die DFB-Auswahl am 11. Februar in Düsseldorf mit dem Testspiel gegen Norwegen ins Fußball-Jahr 2009.

Statt der erhofften Gala lieferte die deutsche Mannschaft im 31. Vergleich gegen das Mutterland des Fußballs eine ihrer schwächsten Vorstellungen der jüngsten Vergangenheit. Der Vize-Europameister agierte über weite Strecken ohne Schwung, produzierte kaum Ideen und suchte erst spät den direkten Weg zum Tor. Das vom eingewechselten Helmes reaktionsschnell genutzte Geschenk der englischen Abwehr konnte die erste Niederlage seit dem 0:1 im EM-Finale gegen Spanien aber nicht verhindern.

In der zentralen Rolle wurde ein Antreiber wie Ballack schmerzlich vermisst. Jermaine Jones in seinem ersten Länderspiel von Beginn an und Simon Rolfes waren im Mittelfeld nicht in der Lage, den nach seiner Fußoperation noch nicht hundertprozentig wiederhergestellten Wahl-Londoner zu ersetzen.

Einen ganz schweren Stand hatte Marvin Compper, den Löw als 20. Debütanten in seiner Amtszeit in die Startelf berufen hatte. Der 23- Jährige aus Hoffenheim zeigte auf der linken Abwehrseite große Anpassungsprobleme bei der Umstellung vom Dorfclub auf die internationale Bühne. Aber auch seine Nebenleute waren gegen die beweglichen Engländer längst nicht immer im Bilde. Selbst Adler ließ sich anstecken und verschuldete mit einem groben Schnitzer das 0:1. Nach der Pause machte der Keeper Platz für Tim Wiese, der ebenfalls zum ersten Mal für die DFB-Auswahl zum Einsatz kam.

Das Fehlen zahlreicher Leistungsträger hatte aus dem Klassiker ein Reservistentreffen gemacht, doch von einem Qualitätsverlust war bei den Gästen wenig zu sehen. Die mit zehn Mann Ersatz angetretenen Engländer präsentierten sich von der ersten Minute an gedanklich und läuferisch schneller als die DFB-Elf, die kaum in Ballbesitz kam und sich vornehmlich mit Defensivaufgaben beschäftigt sah. Einzig Piotr Trochowski sorgte mit seinem schnellen Antritt auf der linken Seite gelegentlich für Schwung im Spiel nach vorne. In der 9. Minute setzte sich der Hamburger gegen Glen Johnson durch und flankte in die Mitte, wo Torhüter David James den Ball nicht festhalten konnte, doch der nachsetzende Bastian Schweinsteiger kam zu spät.

Adlers erster Fehler im dritten Länderspiel brachte die deutsche Mannschaft Mitte der ersten Hälfte in Rückstand. Bedrängt von Jermain Defoe faustete der Schlussmann an einem Eckball von Stewart Downing vorbei und der dahinter lauernde Abwehrspieler Upson hatte keine Mühe zu vollstrecken. Weil aus dem Spiel heraus nichts ging, versuchte die Löw-Elf mit Standards zum Erfolg zum kommen. In der 26. Minute lenkte James einen Freistoß von Trochowski über die Latte. Dann scheiterte Heiko Westermann mit einem Kopfballversuch (33.). Spielbeherrschende Mannschaft blieben die Gäste, auch wenn sie sich bis zur Halbzeit keine klaren Gelegenheiten mehr herausspielen konnten. Mit einem gellenden Pfeifkonzert quittierten die frustrierten Fans zur Pause den müden Kick der deutschen Elf.

Löw reagierte mit Umstellungen und brachte Patrick Helmes für den wirkungslosen Ersatzkapitän Miroslav Klose und Flügelflitzer Marko Marin für Jones, Schweinsteiger rückte nun mehr in die Mitte. Erst mit der Einwechslung von Lukas Podolski für Mario Gomez kam mehr Schwung ins Spiel. In der 62. Minute hatte die deutsche Elf großes Glück, dass Darren Bent das leere Tor verfehlte, nachdem er Wiese bereits umkurvt hatte. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel fiel 60 Sekunden später der Ausgleich, als Helmes ein Missverständnis zwischen Carson und Terry nutzte.

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