0:1 – Fans belagern das Stadion

Schnauze voll: Zahlreiche Hansa-Fans stiegen gestern Abend über die Zäune und belagerten voller Wut gegen die eigene Mannschaft den Spieler-Ausgang. Foto: Andy Bünning
Schnauze voll: Zahlreiche Hansa-Fans stiegen gestern Abend über die Zäune und belagerten voller Wut gegen die eigene Mannschaft den Spieler-Ausgang. Foto: Andy Bünning

Spielerische Armut, Unfähigkeit vor dem Tor: Hansa unterliegt vor heimischer Kulisse dem bisherigen Tabellenletzten Ahlen

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06. März 2010, 11:55 Uhr

Gewinnt heute Frankfurt in Kaiserslautern, ist der FC Hansa nur noch um ein paar Tore vom Abstiegs-Relegationsplatz entfernt Nach dem gestrigen 0:1 (0:1) gegen Rot Weiss Ahlen geht es für die Rostocker endgültig nur noch um die nackte Existenz in der 2. Fußball-Bundesliga.

Der FCH hat gestern seine Zweitliga-Negativ-Rekordserien von je acht Begegnungen in Folge ohne Sieg – beide (!) zustande gekommen in der vergangenen Saison (Spieltage 9 bis 16 mit zwei Unentschieden/sechs Niederlagen/ -15 Toren sowie 18 bis 25 mit 4 U/4 N/-6) – eingestellt. Seit Beginn der Rückrunde wurden am Stück drei Remis und fünf Niederlagen bei 2:9 Treffern eingefahren. Zum letzten Mal getroffen hat Hansa vor 498 Minuten! Hunderte Fans hatten derart die Nase voll, dass sie nach dem Abpfiff Sperren durchbrachen und den Eingang zum Haupttribünengebäude belagerten.

Trainer Finck hatte im Angriff im Vergleich zum vorangegangenen 0:1 in Fürth Jóhannson an Stelle von Jänicke aufgestellt. Carnell war erst gestern Morgen von seinem Länderspiel-Einsatz für Südafrika mit den Worten „Ich bin kaputt“ nach Rostock zurückgekehrt. So stand er gar nicht erst im Kader. Für ihn verteidigte auf der linken Seite Dahlén.

Vor der mageren Kulisse von nur 7500 Zuschauern kamen die Ostseestädter zur ersten Chance. Der Abschluss von Schlitte nach Vorlage von Bartels wurde jedoch auf Kosten einer Ecke unterbunden (5.).

Acht Minuten später stand es völlig unvermittelt 0:1. Jenner hielt von schräg rechts einfach mal drauf, Sebastian fälschte den Schuss zur für Walke unhaltbaren Bogenlampe ab – ein schmerzliches Zufallstor.

Die Folge war, dass bei den Hanseaten Verunsicherung um sich griff. Gleichwohl waren sie bei aller Zähigkeit zumindest um den Ausgleich bemüht. So wischte Sebastian ein Retov-Eckball über den Scheitel (24.). Retovs Pass auf Bartels geriet zu optimistisch (26.). Dahlén schlug eine gefährliche Ecke in den Strafraum (30.). Jóhannson gelang endlich der erste Torschuss für die Rostocker (37./gehalten von Kirschstein). Die Gäste fanden derweil offensiv kaum noch statt, hatten aber keine nennenswerten Schwierigkeiten, ihren Vorsprung zu verwalten. Ausnahme die 42. Minute. Da musste Kirschstein schon sein ganzes Können abrufen, um Fillingers Aufsetzer-Kopfball nach Flanke von Schlitte noch unten aus der Ecke zu kratzen.

Dennoch gab es zur Pause ein Pfeifkonzert, weil den Leuten die spielerische Armut ihrer Mannschaft nicht passte.

Nach dem Seitenwechsel legte der FC Hansa einen Zahn zu, machte Druck und hätte ausgleichen müssen. Doch nach, endlich mal, feiner Vorarbeit von Retov und Bartels erwies sich Fillinger als unfähig, den Ball aus weniger als zwei Metern über die Linie zu drücken – von der Latte sprang die Kugel ins Feld zurück (53.)!

Es war jetzt zwar ein Spiel auf ein Tor, aber was auch die Weißen veranstalteten, es trug keinen zwingenden Charakter. Finck zog die letzten Optionen, brachte für die 20 verbleibenden Minuten mit Kern und Schied zwei frische Stürmer. Einfallsreicher wurden die Rostocker davon nicht. Ins Auge fielen vor allem ihre Ungenauigkeiten bei einfachen Pässen. So siegte der bisherige Tabellenletzte nicht unverdient.

Im Anschluss ertönten Sprechchöre wie „Vorstand raus“ und „Außer Walke könnt ihr alle geh’n“. Zudem versuchten die aufgebrachten Fans sogar, in den Mannschafts- bzw. VIP-Bereich zu gelangen, was die Polizei unterbinden konnte.

Statistik

Rostock: Walke – Schöneberg (V/fünfte Gelbe), Orestes, Sebastian, Dahlén – Schröder (46. Pannewitz/V/ fünfte Gelbe), Retov – Schlitte, Fillinger (71. E. Kern) – Bartels, Jóhannson (71. Schied). Weiter im Kader: Hahnel – Bülow, Danielsson, Jänicke.

Ahlen: Kirschstein – Busch, Kittner, Döring, Pelzer (V) – Wiemann, B. Kern - Lartey, Book, Ollé Ollé (V/68. Blondelle) – Jenner (85. Tankulic).

SR: Hartmann (Ingolstadt). Z.: 7500. Tor: 0:1 Jenner (13.).

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