Weihnachtsaktion „Wünschewagen“: Katrin Ender : Zeit schenken und Träume erfüllen

Vor einer Fahrt bestückt Katrin Ender den Wünschewagen für jeden Patienten individuell.  Fotos: v. bohlmann/ tiefenrot werbeagentur
Vor einer Fahrt bestückt Katrin Ender den Wünschewagen für jeden Patienten individuell. t

Der besonders ausgestattete Krankenwagen für das „Projekt Wünschewagen“ ist auf die Bedürfnisse Schwerstkranker ausgerichtet.

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05. Dezember 2017, 05:00 Uhr

Mit den hohen Aufbauten, dem Blaulicht und den orangeroten Streifen sieht er auf den ersten Blick wie ein typischer Krankenwagen aus. Dann fallen die Details ins Auge. Zuerst der weiße Schriftzug auf blauem Grund: „Der Wünschewagen – Letzte Wünsche wagen“. Das Logo dementsprechend: Das Sternbild des Großen Wagens ziert die Seiten des Transporters.

„Wenn ich mit dem Wünschewagen unterwegs bin, zum Tanken oder Waschen, werd’ ich immer angesprochen“, erzählt Katrin Ender. Lachend fügt sie hinzu: „Viele fragen, ob ich die gute Fee bin.“ Um eine Antwort ist die 48-Jährige nie verlegen. „Wenn ich erkläre, was es mit dem Wünschewagen auf sich hat, sind alle immer begeistert.“

Als gute Fee des Wünschewagens sieht sie sich selbst nicht. „Ich bin genauso Ehrenamtliche wie alle anderen auch“, sagt die Doberanerin vehement. „Wir sind ein Team und wir greifen ineinander.“ Gemeinsam mit über 50 weiteren Helfern engagiert sie sich leidenschaftlich für das „Projekt Wünschewagen“ des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) in MV. Ziel der Freiwilligen: Schwerstkranken einen letzten Wunsch zu erfüllen. Dafür gibt es seit Juni den Wünschewagen in MV.

Da viele der Wünschenden auf medizinische Hilfe angewiesen sind, können Angehörige selbst kleine Wünsche oftmals nicht möglich machen. Allein der Transport wäre eine Herausforderung. Der Wünschewagen ist indes auf die Bedürfnisse schwer kranker Menschen ausgerichtet. Für Anschaffung und Ausrüstung hat der ASB-Landesverband ein Darlehen in Höhe von 100 000 Euro bekommen. Die Hälfte davon muss zurückgezahlt werden.

„Der Wagen ist so ausgestattet, dass die medizinische Erstversorgung gewährleistet werden kann“, erklärt Katrin Ender, die hauptamtlich beim ASB Bad Doberan den Katastrophenschutz leitet und im Rettungsdienst arbeitet.

Ganz wichtig: Die Wünschenden können liegend transportiert werden. Dennoch ist der Wünschewagen kein herkömmlicher Krankentransport. Durch das große Panoramafenster lässt sich auch in Liegeposition bequem nach draußen schauen. Verdunkelte Scheiben sorgen für Privatsphäre. Der Innenraum soll „ein besonderes Wohlfühlgefühl erzeugen“, so Ender. Dazu gehört, dass medizinisches Equipment geschickt hinter Abdeckungen verborgen ist. Der Wagen ist mit Radio und einem DVD-Player ausgestattet, an Bord befindet sich eine Filmsammlung. Auch auf kleine Wünschende hat sich das Team vorbereitet, mit Bettwäsche der Comicfiguren Minions. Zwei Begleitpersonen finden – zusätzlich zum medizinischen Personal – bequem Platz im Auto. Die beiden Begleitsitze können zur Transportliege gedreht werden, sodass Wünschende und Angehörige wertvolle Augenblicke miteinander erleben können.

Besonders ist auch die Lichtgestaltung im Innenraum. An der Decke wird mit weißen und blauen Lämpchen ein Sternenhimmel nachempfunden. „Wir können auch die Lichtfarbe ändern“, weiß Katrin Ender. Blaues oder grünes Licht soll entspannen und die Aufregung der Wünschenden dämpfen. „Wir wollen ihnen die Fahrt so angenehm wie möglich machen“, sagt die gelernte Rettungssanitäterin.

Dazu braucht es mehr, als einen perfekt ausgestatteten Krankenwagen. Sie und ihre Kollegen bereiten jede Wünschefahrt genau vor. Sie bestücken den Wagen für jeden Patienten individuell, sodass so wenig wie möglich medizinisches Equipment zu sehen ist. Auch die Nachbereitung läuft akribisch ab. Da der Wünschewagen beim ASB in Bad Doberan steht, ist es oftmals Katrin Ender, die das nach ihrem regulären Arbeitstag übernimmt. Für sie ist das selbstverständlich. „Es geht für mich darum, dass jemand einen Wunsch erfüllt bekommen möchte. Und dabei helfe ich“, sagt sie. „Wir schenken den Wünschenden unsere Zeit. Und sie lehren uns dafür, dass wir diese wieder als besonders wahrnehmen.“

So können Sie helfen

Die Adventszeit ist die Zeit der Familie. Wir freuen uns auf Weihnachten, auf ausgelassene Fröhlichkeit und darauf, dass sich der eine oder andere lang gehegte Wunsch erfüllt. Auch in unserer diesjährigen Weihnachtsaktion geht es um Wünsche. Um letzte Wünsche. Und um Menschen, die niemanden haben, der sie ihnen erfüllen kann.

Seit Juni gibt es einen Wünschewagen in Mecklenburg-Vorpommern, wie auch in Brandenburg seit 2016. Inzwischen haben sich über 50 Menschen um ein Team geschart, die im Ehrenamt, in ihrer Freizeit anderen Menschen ihren letzten Wunsch erfüllen. Rettungssanitäter, Krankenschwestern, Palliativ-Assistenten... Der ASB hat einen Rettungswagen ausgebaut, so dass schwerkranke Menschen damit befördert werden können. Es geht um Schwerstkranke in der letzten Phase ihres Lebens. Und es geht um vergleichsweise kleine Wünsche. Die Rollstuhlfahrerin, die noch einmal die Füße in die Ostsee stecken will. Den  Senior, der noch einmal in einer ganz bestimmten Bäckerei in Zingst ein Stück Kuchen essen möchte. Den an Krebs erkrankten 22-Jährigen, der Hansa Rostock im Stadion spielen sehen will. Es gibt auch Kinder an Bord...

Manchmal ist der Tod schneller als der Wünschewagen. Auch deshalb wollen wir mit unseren  Lesern helfen, die beim ASB angemeldeten Wünsche von Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern oder der Prignitz schnell erfüllen zu können. Die Fahrten werden ausschließlich aus Spendenmitteln finanziert. Projektleiterin Bettina Hartwig beziffert den Spendenbetrag, der für ein Jahr erforderlich ist, auf 70 000  Euro.

Wir sagen, es ist Zeit, etwas für unsere Mitmenschen zu tun, die sich nicht selbst helfen können. Schirmherrin unserer Aktion ist Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Helfen Sie bitte mit bei der gemeinsamen Weihnachtsaktion unserer Zeitung und des  ASB.  Helfen Sie anderen Menschen. Oft zeigt schon ein kleiner Betrag eine große Wirkung. Ihre Schweriner Volkszeitung

Kontodaten
ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Spenden für die Prignitz:
ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihre Adresse und Ihren Namen in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung nicht als Spender genannt werden möchten.

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