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Leseraktion Wünschewagen

18. Dezember 2017 | 12:08 Uhr

Aktion Wünschewagen : David mit dem Kämpferherz

vom
Aus der Onlineredaktion

Der schwer kranke 23-Jährige möchte gern noch einmal seinen Vater besuchen – und der Wünschewagen macht es möglich

von
erstellt am 02.Dez.2017 | 05:00 Uhr

Wilfried Arendt streicht seinem Sohn David über die Wange. Sein Blick sagt mehr als jedes Wort. Da ist die Freude darüber, seinen Jungen, den er längere Zeit nicht gesehen hat, endlich wieder in die Arme schließen zu können. Da ist aber auch die tiefe Traurigkeit darüber, dass es David so schlecht geht. Der 23-jährige Rostocker, der seit seinem ersten Lebensjahr blind ist, ist in diesem Jahr unheilbar an Knochenkrebs erkrankt. Er hat das Wünschewagen-Team gebeten, ihn zu seinem ebenfalls schwer kranken Vater zu bringen, der in einem Rostocker Pflegeheim betreut wird.

Was sich die beiden bei ihrer Begegnung sagen möchten, soll in der Familie bleiben. Dieser Moment gehört ihnen und ihren Angehörigen ganz allein. David wird später sagen: „Es war ganz toll, dass ich meinen Vater besuchen konnte. Er hofft, das wir uns bald wiedersehen.“ Und er wird versuchen, seinen Vater beim Abschied zu trösten: „Sei nicht traurig, Papa.“

Zwei Stunden vorher: Lagebesprechung beim Wünschewagen-Team des ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) in Bad Doberan. Projektleiterin Bettina Hartwig geht mit den Ehrenamtlichen den bevorstehenden Einsatz durch. Mit dabei: Andreas Langberg, technischer Leiter beim ASB in Güstrow, René Herberg-Noack vom Rettungsdienst des ASB in Wismar und Nicole Steinicke, freiberufliche Palliativ-Schwester. Viel gibt es diesmal nicht zu klären. Denn die Helfer kennen David schon. Auch wenn es unüblich ist, haben sie ihm bereits zwei kleine Wünsche erfüllt. Sie wissen: Die Krankheit ist bei ihm schon so weit fortgeschritten, dass er kaum noch gehen kann. Gemeinsam mit seiner Freundin Annika wohnt er in der 5. Etage in einem Neubaublock – ohne Aufzug.

Beim ersten Mal wollte David einfach nur mal in die Fußgängerzone von Rostock, um dort ein bisschen einzukaufen. „Wir haben ihn die fünf Etagen runter- und auch wieder raufgetragen“, erzählt Bettina Hartwig. Dann habe er sich getraut und zu seinem Geburtstag im Oktober einen zweiten Wunsch geäußert: ein Eis essen auf der Mole in Warnemünde. Auch das konnten die Wünschewagen-Mitarbeiter erfüllen. Jetzt steht der Besuch bei seinem Vater an, den er gern schon früher getroffen hätte. Doch da ging es Wilfried Arendt nicht so gut.

Dass er nun selbst starke Schmerzen hat, versucht David tapfer zu überspielen. „Wie geht es dir heute?“, fragt Nicole Steinicke, als das Team in seiner Wohnung angekommen ist. „Gut“, sagt er. Dabei hält er seine Schmerzpumpe fest umklammert. Die Morphium-Dosierung ist auf der höchsten Stufe. Man merkt ihm an, dass er den Besuch bei seinem Vater unbedingt schaffen möchte. David mit dem Kämpferherz.

„Halt dich bei mir fest“, sagt Andreas Langberg, als er den jungen Mann gemeinsam mit René Herberg-Noack vorsichtig aus seinem Rollstuhl hebt und auf den Tragestuhl setzt. „Keine Angst, du kennst uns doch schon, wir schaffen das“, scherzt der 50-Jährige. Dann schleppen ihn die Helfer die fünf Stockwerke hinab, legen ihn draußen behutsam auf eine Liege und schieben ihn in den für solche Fahrten speziell ausgestatteten Wünschewagen.

Ein Kraftakt, nicht nur für die Träger. David muss noch einmal auf den Knopf für seine Schmerzpumpe drücken. Seine Freundin Annika hält seine Hand. Nicole Steinicke versucht, ihn bequemer zu lagern. Nach einer Weile beginnt der 23-Jährige zu erzählen. Von dem Ausflug nach Warnemünde und wie gut ihm das Eis geschmeckt hat. Wie wichtig es ihm ist, seinen Vater zu treffen. Und dass er so gern noch einmal ein Konzert des Rappers Marteria miterleben würde, der Mitte Dezember in Rostock auftritt.

Vor dem Eingang des Rostocker Pflegeheims warten schon Davids Cousine Jenny Falkenstein und ihre Mutter Rita auf den Wünschewagen. Sie haben ein enges Verhältnis zu dem 23-Jährigen und schwer mit seiner Erkrankung zu kämpfen. Umso dankbarer sind sie dem Wünschewagen-Team. „Das ist so eine tolle Sache. Wie hätte David sonst nach Warnemünde oder zu seinem Vater transportiert werden sollen?“, sagt Jenny Falkenstein. Ihr ist bewusst, dass sich ihr Cousin immer wieder kleine Ziele steckt, die er noch erreichen möchte. Und sie kennt auch seinen größten Wunsch: David möchte gern noch ihr Baby im Arm halten, das Ende Dezember auf die Welt kommen soll.

Erste Spenden gehen ein – vielen Dank an unsere Leser!

Die ersten Spenden für unsere Weihnachtsaktion zugunsten des Wünschewagens für Schwerstkranke sind beim Projektträger ASB (Arbeiter-Samariter-Bund) eingetroffen. Unsere Leser haben bislang 2435 Euro gespendet. Die Beträge reichen von zehn bis 200 Euro. Ein großes Dankeschön geht an:

Hannelore und Thomas Beerbaum, Walter Bornholdt aus Mühl Rosin, Manfred Brinker aus Kogel, Robert Brüdigam-Herloff, Anneliese Döhlert, Bodo und Christine Gaede, Rudolf Jochen Gerds, Jörg und Simone Glawaty aus Laage, Felix Glawaty aus Laage, Ingeborg Günther, Horst Henkelmann aus Laage, Ursula Hinz, Ulrich Kranz, Karl-Thomas Koch, Marita Konnigk, Eduard und Erika Kremer, Margit Kulwatz, Eckhard und Gudrun Kusber aus Güstrow, Bernhard und Rosemarie Laaser, Britta Lange, Fred und Margit Lange, Iris und Sylvio Liedtke, Marion Löning, Ramona Luttermann, Birgit Maack, Helmut und Britta Meier, Christine und Joachim Möbius, Dorothea Penk, Hans-Jürgen und Renate Radke aus Rostock, Heidrun Rotter aus Grabow, Udo Saggau, Kerstin Sattler, Heinz Seifert aus Strohkirchen, André und Petra Taube, Karin Winkler, Monika Wollermann, Katrin Zube aus Lüttenmark.

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