Spendenaktion Wünschewagen : Dieser Mann plant unvergessliche Momente für Schwerkranke

Unterwegs in Berlin: Frank Pech ist Fahrer beim Wünschewagen.
Unterwegs in Berlin: Frank Pech ist Fahrer beim Wünschewagen.

Seit drei Jahren fährt Frank Pech den Wünschewagen und plant die Tour für die Patienten

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08. Dezember 2019, 20:00 Uhr

„Mir gehts gut, dann kann man etwas zurückgeben“, sagt Frank Pech. Er sitzt mit einem Kaffee und Stollen an seinem Wohnzimmertisch in Rerik. Die selbstgeschossenen schwarz-weißen Aktfotos von früher hängen an der Wand, überall steht Weihnachtsdekoration und auf dem Fernsehschrank ein Union-Berlin-Zwerg. Seit drei Jahren lebt Frank Pech erst in Rerik, seit sechs in MV. Und seit drei Jahren engagiert er sich für den Wünschewagen.

29 Wünschewagen-Touren bislang geplant

„Aus meiner Rettungsdienstzeit weiß ich, wie schnell es zu Ende sein kann “, sagt er. Als das Projekt im Mai 2017 in MV startete, meldete er sich direkt als Fahrer. 29 Touren hat er mittlerweile begleitet, 21 allein in diesem Jahr. „Er bringt den Mädels das Autofahren bei“, witzelt Bettina Hartwig vom ASB. Der Senior war früher Berufskraftfahrer. „Priorität hat aber nicht das Fahren, sondern dass die Fahrt überhaupt stattfindet“, so Pech.

Zuletzt begleitete er Klaus Hahn und dessen Tochter nach Berlin – einmal im Fernsehturm-Restaurant essen und die Hauptstadt von oben sehen. Für Frank Pech bedeutete die Tour: „15.30 Uhr. Der Turm muss sein, das ist der Fixpunkt.“ Der Ehrenamtler plant seine Touren akkurat, checkt vorab die Parkmöglichkeiten, macht einen Zeitplan – aber keinen ganz engen. „Wenn jemand sich unwohl fühlt, muss man improvisieren.“ Die Person lernt er erst am Ausflugstag kennen, und „sie bestimmt alles, was sie noch machen kann und will.“

So wenig wie möglich dem Zufall überlassen

Für spontane Zwischenfälle hat er auch immer einen Straßenatlas im Handgepäck. So erinnert sich Pech an eine Fahrt zum Strand nach Ahlbeck. „Auf der Straße war ein Unfall, wir standen in der glühenden Sonne.“ Aus Sorge reisten immer mehr Familienmitglieder an, sechs Autos waren es. Und Frank Pech improvisierte: Sie fuhren in den nahe gelegenen Wald und machten ein Picknick. Und dank Atlas fanden sie zu einem Campingplatz in der Nähe, sodass der Patient mit seinen Verwandten noch einmal baden konnte. Generell sagt Pech: „Ich will so wenig wie möglich dem Zufall überlassen. Das, was planbar ist, plane ich.“

So bescherte er einem Beatmungspatienten einen ganz besonderen Geburtstag. Der 14-Jährige wollte mit seinem Opa ins Ozeaneum nach Stralsund. „Er war bettlägerig, hatte noch nie die Ostsee gesehen“, erinnert sich Pech. Also nutzt er das Zeitfenster, um mit dem Jungen in Warnemünde die Fähre zu nehmen. „Wir haben das Auto so hingestellt, dass er die Ostsee sehen konnte“, sagt Pech, „er war noch nie auf einem Schiff.“ Danach steuerten sie in Stralsund noch die Gorch Fock an. Zum Abschluss unterschrieben der Opa und die drei Begleitpersonen auf der Kappe, die Pech für den Jungen besorgt hatte. Als Erinnerung. Pech bringt bei Fahrten mit Kindern immer etwas mit, meist ein Stofftier.

Erfahrung beim Rettugsdienst gibt ihm Kraft

„Die Abschiedsworte sind sehr sehr schwer“, gesteht der 69-Jährige, „in dem Moment wünscht man dem Patienten und den Angehörigen Kraft.“ Dennoch versuche er einen gewissen Abstand zu halten. Er lese nicht die Todesanzeigen, sagt er. Was ihm hilft, ist seine Berufserfahrung aus seiner Zeit beim Rettungsdienst. Dort engagierte er sich in den 1970ern erst ehrenamtlich, später hauptberuflich. 15 Jahre lang leitete er dann die Rettungsschule im Schwarzwald. Frank Pech kommt nicht von hier, sondern vom Bodensee.

Wie er in Rerik landete? Mit seiner damaligen Partnerin kaufte er 2007 eine Datsche an der Küste, in Langendamm bei Ribnitz. Den Lebensabend wollten sie am Meer verbringen. 2014 zog er letztlich allein in den Norden. Kompletter Neustart. Er nahm sich eine Wohnung in Rostock – für die Kultur, den Sommer verbrachte er am Wasser. Bevor er zum Wünschewagen kam, ließ er sich als Seniorentrainer ausbilden, plante ein Projekt gegen die Einsamkeit im Alter.

Helfer mit großem Herz

Frank Pech hat ein Helfersyndrom, schaut sicherheitshalber beim Nachbarn vorbei, wenn er diesen länger nicht gesehen hat. Und er redet nicht gern über sich. Von seiner Partnerin Christin Reusch erfährt man: Er liest gern, ist großer Theaterfan und fährt auch mal spontan zur Waldbühne nach Berlin. In seiner Garage steht eine Yahama, Baujahr ’82, 250 Kubik – um zum Strand zu fahren. Er ist gern draußen, beschäftigt sich mit seinen fünf Vogelhäusern, für die Igel hat er ein extra Häuschen gebaut.

In seiner neuen Heimat Rerik genießt Frank Pech die Zeit draußen in er Natur und an seinem Vogelhaus.
Volker Bohlmann
In seiner neuen Heimat Rerik genießt Frank Pech die Zeit draußen in er Natur und an seinem Vogelhaus.
 

Spontan verabredet sich mit dem Fischer im Ort, mal rausfahren. „Er ist Hans Dampf in allen Gassen“, sagt Christin Reusch. Und: „Er hat ein großes Herz.“ Bettina Hartwig vom ASB schätzt vor allem seine Ruhe und Gelassenheit und seine Spontanität. Wenn ein Fahrer ausfällt? Frank Pech springt ein. So landete er auch schon auf einem Konzert von Ben Zucker und Britney Spears. Pech weiß aber: „Nochmal die Ostsee sehen, ist sehr oft der Wunsch.“ Hier ist auch Frank Pech jetzt Zuhause.

>> Hier finden Sie weitere Informationen zum Wünschewagen

Wünschewagen: So können Sie helfen

Auf dem Spendenkonto für den Wünschewagen in MV sind bereits 23.968 Euro eingegangen. In der Prignitz wurden bislang 3.650 Euro gespendet. Dafür schon einmal einen herzlichen Dank an unsere Leser! Werden auch Sie ein Wunscherfüller:

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung als Spender genannt werden möchten.

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