Spendenaktion Wünschewagen : Zwei letzte Wünsche gehen in Erfüllung

Diana und Stefan nach ihrem erneuten Eheversprechen auf der Seebrücke in Ahlbeck.
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Diana und Stefan nach ihrem erneuten Eheversprechen auf der Seebrücke in Ahlbeck.

Das zweite Eheversprechen und zurück an den Ort der Kindheit – zwei letzte Wünsche gehen in Erfüllung.

svz.de von
12. Dezember 2018, 12:00 Uhr

Einmal, noch... Es sind diese Worte, mit denen Sterbende ihren letzten großen Wunsch einleiten. Das Team des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) kennt viele solcher Wünsche und viele erfüllen die ehrenamtlichen Helfer mit einer Fahrt im speziell ausgerüsteten Wünschewagen. Unsere Weihnachtsaktion unterstützt mit Ihren Spenden, liebe Leserinnen und Leser, solche Fahrten. Lesen Sie selbst, was Sie möglich machen.

Einmal noch... Stefan und Diana haben am 9. 9. 1999 in Ahlbeck auf Usedom geheiratet. Zu ihrem 20. Hochzeitstag wollten sie ihr Eheversprechen erneuern, doch Stefans Krebsdiagnose durchkreuzt diese Pläne. Die Ärzte raten dem Paar, die Zeremonie bald zu vollziehen, der Krebs hat gestreut.

Der 43-Jährige kann nicht lange sitzen, nur liegend transportiert werden, der Wunsch scheint unerfüllbar. Bis sich Diana an den Wünschewagen wendet. Gemeinsam mit ihren Eltern und der vierjährigen Tochter fahren die Brandenburger Wunscherfüller das Hochzeitspaar auf die Seebrücke in Ahlbeck.

Ein unvergesslicher Tag

Diana und Stefan sagen noch einmal Ja, ich will. Hand in Hand verlassen sie das Standesamt. Er im Anzug, sie im weißen Brautkleid. Sie spazieren am Strand, spüren noch einmal den Sand unter den Füßen und kommen ihrem geliebten Meer ganz nah. Stefan nimmt die Zeit und jeden Eindruck intensiv wahr: „Ich weiß, dass man sich die letzte Zeit noch einmal so schön wie möglich macht. Man sieht die Welt mit anderen Augen als vorher.“

Das Meer erinnert ihn an vergangene Urlaube, an gemeinsame Zeit, an viele glückliche Momente. „Das Meer ist für mich Freiheit. Es ist noch einmal ein unvergesslicher Tag. Einfach nur traumhaft schön.“

Aufgewachsen im Kinder- und Jugendheim

Einmal noch... Herr L. aus Eisenhüttenstadt wollte zurück an den Ort, der sein Leben prägte. Als Baby kam Herr L. auf die Säuglingsstation des ehemaligen DDR-Kinder- und Jugendheims „Clara Zetkin" in Güstrow – mit ihm seine fünf Geschwister. 18 Jahre war das Heim für die Geschwister Zuhause, Schule und Ausbildungsort.

Herr L. im Güstrower Kinderheim, in dem er aufwuchs.
Foto: ASB-LV Brandenburg e.V.
Herr L. im Güstrower Kinderheim, in dem er aufwuchs.
 

Seine Lebenspartnerin und das Wünschewagenteam Chantal Waschmann, Daniela Küpper und Veith Kannenberg begleiteten ihn auf seiner zweitägigen Reise. Die Planung war schwierig. Das Kinderheim ist ein leerstehendes und marodes Gebäude. Die ehemalige Säuglingsstation ist sogar einsturzgefährdet. Wegen wiederholter Einbrüche und Vandalismus ist das Backsteingebäude komplett gesichert. Fenster und Türen sind mit Holzplatten verriegelt.

Reinkommen fast unmöglich. Objektmanagerin Ute Röglin und Andres Reichert, Mitarbeiter im Betrieb für Bau und Liegenschaften Mecklenburg-Vorpommern, machten Unmögliches möglich.

Viele Erinnerungen kamen hoch

Über den Hintereingang zum Keller und mehrere Treppenstufen rauf, stand Herr L. im Inneren seines Heims. Alle waren aufgeregt. Mit Stirnlampe und Baustrahler ausgerüstet, führte Andreas Reichert durch die Säle.

Viele Erinnerungen kamen hoch. Manchmal hielt der 58-Jährige einfach nur inne und wollte für sich sein. Im nächsten Moment erzählte er von seiner Kindheit und dem Erlebten. „Im Großen und Ganzen war ich hier zufrieden, meine Geschwister waren ja bei mir“, sagte er. Ein Besuch im Schloss und Tierpark rundete die Wunschfahrt von Herr L. ab. Das ASB-Team bedankt sich besonders herzlich bei Ute Röglin, Andres Reichert und beim Team der Tourist-Information Güstrow.

Die Fahrt von Herrn L. zeigt, dass auch mehrtägige Ausflüge mit Übernachtung möglich sind. Sofern Ärzte dazu ihr Okay geben, sagt ASB-Geschäftsführer Jürgen Haase. Die Fahrten werden komplett organisiert, den Gästen entstehen keine Kosten – weder für Übernachtung noch für Besuche im Restaurant. All das wird aus Spenden finanziert.

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