Spendenaktion Wünschewagen : „Auch Sterbende leben“

Neben ihrer Arbeit  im Greifswalder Hospiz engagiert sich Heike Stuth ehrenamtlich für den ASB-Wünschewagen.
Neben ihrer Arbeit im Greifswalder Hospiz engagiert sich Heike Stuth ehrenamtlich für den ASB-Wünschewagen.

Seit dem Sommer 2018 gehört Heike Stuth zum Team der Ehrenamtlichen, die den ASB-Wünschewagen in ihrer Freizeit unterstützen

Karin.jpg von
09. Dezember 2019, 20:00 Uhr

An ihre erste Fahrt mit dem Wünschewagen erinnert sich Heike Stuth noch ganz genau: Eine Bewohnerin des Greifswalder Hospizes hatte sich im vergangenen Frühsommer gewünscht, Paris zu sehen. Um während der mehrtägigen Fahrt ihre medizinische Betreuung sicherzustellen, sollte sie neben dem Team des ASB-Wünschewagens eine der Palliativschwestern aus dem Hospiz begleiten. Heike Stuth meldete sich – „obwohl ich nur ein bisschen Englisch und kein Wort Französisch spreche“, gesteht sie heute. Aber eine Wünschewagenfahrt, so die 50-Jährige, sei eben nicht nur für die Wünschenden, sondern oft auch für ihre Begleiter eine Situation, in der sie über sich hinauswachsen.

Eine von knapp 70 Ehrenamtlichen

Und das musste das Wünschewagenteam bei jener Fahrt gleich mehrfach. Denn woran vorher niemand gedacht hatte: Paris befand sich zu dieser Zeit im Ausnahmezustand – es war Fußball-Weltmeisterschaft. Was für Deutsche, auch wenn sie überhaupt nichts mit Fußball im Sinn hatten, unter Umständen gefährlich werden konnte. Heike Stuth erinnert sich noch genau an einen Satz der Wünschenden: „Was soll mir schon passieren, sterben werde ich sowieso.“ Sie hätte so einen herrlichen schwarzen Humor gehabt, sagt Heike Stuth über die unheilbar kranke Frau. Auch deshalb seien die Tage in Paris für sie menschlich ungeheuer bereichernd gewesen. Als sie wohlbehalten wieder ins Hospiz zurückgekehrt waren, stand für die vierfache Mutter fest, dass sie den Wünschewagen weiter unterstützen würde – als eine von landesweit rund 70 Ehrenamtlern.

Wie viele Wünschefahrten sie seitdem begleitet hat, hat Heike Stuth nicht gezählt. Sie erzählt von einer Tour nach Halle, wohin ein Schwerkranker auf die Palliativstation verlegt werden sollte, weil seine Schwestern in der Nähe lebten. Weil die Krankenkassen für solche Verlegungsfahrten nicht zahlen, sprang der Wünschewagen ein. Genauso wie bei einem anderen Mann, der seine letzten Tage statt auf der Palliativstation in Greifswald bei der Tochter in Oschersleben verbringen wollte. In beiden Fällen ging es den Fahrgästen so schlecht, dass eine Palliativschwester mit an Bord sein musste. Bei einer anderen Fahrt habe sie ihre Profession und vor allem ihren Arbeitsort aber verschwiegen, erzählt Heike Stuth: „Da wollte sich jemand mit dem Wünschewagen mehrere Hospize in der Umgebung anschauen, die zu dieser Zeit gerade freie Betten hatten.“ Auch „ihr“ Hospiz gehörte dazu – „und er hat sich letztlich für Greifswald entschieden, das hat mich natürlich sehr gefreut“.

Fahrt mit den Wünschewagen als Höhepunkt

Dadurch, dass sie im Hospiz in drei Schichten arbeitet, kann Heike Stuth sich längst nicht immer melden, wenn eine Anfrage von den Projektkoordinatoren des Wünschewagens kommt. Die Familie stehe aber hundertprozentig hinter ihr, wenn sie ihre knapp bemessene Freizeit im Ehrenamt verbringt, selbst , wenn es am einzigen freien Tag in einer ganzen Woche sein sollte. „Sie wissen eben, dass ich ein Helfersyndrom habe…“

Warum? Heike Stuth ist Christin, sie hat in einem kirchlichen Krankenhaus gelernt, lange in konfessionellen Einrichtungen gearbeitet. „Das hat mich natürlich geprägt“, sagt sie. Dennoch möchte sie das Motiv für ihre ehrenamtliche Betätigung nicht Nächstenliebe nennen. Menschenliebe treffe es schon eher.

So schaue sie mittlerweile selbst, welchem Hospizbewohner es vielleicht eine Freude machen würde, noch einmal „auf Tour“ zu gehen. „Denn auch Sterbende leben“, betont Heike Stuth. Im Wünschewagen, so hat sie es schon x-mal erlebt, würden die Betroffenen alles um sich herum vergessen. „Ich erinnere mich an eine Fahrt nach Hiddensee, wo so scheußliches Wetter war, dass man überhaupt nichts sehen konnte. Aber der Mann, den wir dorthingebracht haben, war trotzdem überglücklich.“ Egal, wohin sie führten, die Wünschefahrten seien für die Passagiere immer noch einmal echte Höhepunkte, weiß die Palliativschwester – wenn auch in den meisten Fällen die letzten, die sie erleben.

Die ständige Konfrontation mit der Endlichkeit des Lebens – Heike Stuth kennt sie durch ihre Arbeit. Den Gedanken daran nicht mit nach Hause zu nehmen, hat sie inzwischen gelernt – mehr oder weniger, wie sie selbst einschränkt. Etwa auf der Hälfte der 27 Kilometer langen Strecke zwischen Arbeits- und Wohnort würde sie meist merken, dass sie loslassen kann. Meist, nicht immer. „Wenn ein Bewohner stirbt, der mir besonders ans Herz gewachsen war, träume ich auch von ihm“, gesteht sie.

Dass sie im Kollegenkreis darüber sprechen könne, helfe. Ähnlich eng sei der „Draht“ auch zu den anderen Ehrenamtlern im Wünschewagen-Team. „Viele kannte man vorher gar nicht. Aber das gemeinsame Anliegen verbindet so, dass von Anfang an blindes Verständnis zwischen uns herrscht.“

>> Hier finden Sie weitere Informationen zum Wünschewagen

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