Wünschewagen : Die letzte gemeinsame Reise

Friederike und Werner Füger genossen es, auf der Wünschewagenfahrt von den Ehrenamtlern Matthias Hildebrandt und Kerstin Ernst umsorgt zu werden.
Friederike und Werner Füger genossen es, auf der Wünschewagenfahrt von den Ehrenamtlern Matthias Hildebrandt und Kerstin Ernst umsorgt zu werden.

Weil sie immer gern gereist sind, wollte Werner Füger seiner Frau zumindest noch die Kreidefelsen zeigen – der Wünschewagen machte es möglich.

Karin.jpg von
21. Dezember 2019, 16:00 Uhr

Jetzt, kurz vor Weihnachten, ist der Verlust besonders spürbar. Zum ersten Mal nach mehr als 40 gemeinsamen Jahren wird Friederike Füger das Fest ohne ihren Mann Werner feiern müssen. Zwar holen die Kinder sie über die Feiertage zu sich nach Berlin. Doch die Gedanken werden immer wieder nach Greifswald zurückkehren, in die Wahlheimat, in die die Eheleute erst vor drei Jahren gezogen waren. Werner Füger ist dort im September gestorben.

Zuvor konnte er mit Hilfe des ASB-Wünschewagens seiner Frau aber noch die Kreidefelsen auf Rügen zeigen. Ein Erlebnis, von dem Friederike Füger bis heute zehrt. Und eines, über das sie trotz aller Trauer um ihren Mann auch mit einer Journalistin zu sprechen bereit ist. Denn dass unsere Zeitung den Wünschewagen mit ihrer Weihnachtsspendenaktion unterstützt, findet sie toll – so wie sie das ganze Wünschewagenprojekt großartig findet.

Es war der 12. September

Friederike Füger weiß das Datum noch ganz genau: Es war der 12. September, an dem sie ihren Mann Werner zum letzten Mal glücklich und gelöst erlebt hat. An diesem sonnigen Herbsttag brachte das Team des Wünschewagens das Ehepaar nach Sassnitz, wo es zu einer Schiffstour zu den Kreidefelsen in See stach. „Das war so ein perfekter Tag“, schwärmt die Greifswalderin noch heute.

Die drei Ehrenamtler im Wünschewagen – Kerstin Ernst, Doreen Eichhorn und Matthias Hildebrandt – hätten ihnen selbst solche Wünsche zu erfüllen versucht, die sie noch gar nicht ausgesprochen hatten. „Und alles war so gut organisiert“, schwärmt Friederike Füger. „Überall war alles vorbereitet. Als wir am Schiff ankamen, wurden wir schon von der Besatzung erwartet. An Bord hatten sie für uns extra Plätze reserviert…“

Und dann der Blick auf die imposanten Kreidefelsen. Ihr Mann wäre als Kind schon einmal dort gewesen, so Friederike Füger, sie selbst aber noch nie. „Das sind Bilder, die man nicht so schnell wieder vergisst.“

Ausflug sehr genossen

Nach der Rückkehr des Ausflugsschiffes hätten die Ehrenamtler vom Wünschewagen sie dann noch ein Stück über die Sassnitzer Promenade geschoben – obwohl das vorher überhaupt nicht besprochen war, erzählt die Greifswalderin. „Sie haben einfach alles getan, damit es meinem Mann noch einmal so richtig gut geht. Und für mich selbst war es genauso schön, weil ich mich einen Tag lang um überhaupt nichts kümmern musste.“

Ihr Mann hätte den Ausflug sichtlich genossen und später noch mehrfach davon gesprochen. Allerdings sei es, als sie wieder zu Hause waren, mit seinem Gesundheitszustand nur noch abwärts gegangen, erzählt Friederike Füger. Nicht einmal zwei Wochen später schloss Werner Füger seine Augen für immer – wenige Tage vor seinem 79. Geburtstag.

Das Leben neu ordnen

Seitdem muss seine Witwe ihr Leben neu ordnen, es irgendwie wieder in den Griff bekommen. „Tagsüber schaffe ich das schon ganz gut. Aber nachts…“, gesteht sie. Dann kreisen all die schlimmen Erinnerungen wieder in ihrem Kopf: Vor allem die an den 12. Juni, als das Ehepaar erfuhr, dass es für Werner Füger keine Hilfe mehr gibt. Und die an die kurze Zeitspanne danach, die ihm im Leben noch blieb.

Ihr Mann sei schon länger nierenkrank gewesen, erzählt Friederike Füger. Seit knapp zwei Jahren ging es dann nicht mehr ohne Dialyse. Montags, mittwochs und freitags musste Werner Füger zur Blutwäsche. An diesen Tagen war kaum noch etwas anderes möglich, die Behandlung hätte ihren Mann immer sehr erschöpft, so Friederike Füger. Irgendwann traten dann erste Probleme auf, im Frühjahr schließlich hätten die Ärzte in Greifswald eine gründliche Untersuchung veranlasst. Das Ergebnis war niederschmetternd: Nicht nur, dass ein Tumor an der Niere festgestellt wurde, Werner Füger hatte auch Prostatakrebs, und der hatte bereits Metastasen gestreut…

Immer eine Stütze

Bis dahin hatte Werner Füger seiner Frau viele Dinge abgenommen. Denn Friederike Füger hatte nach einem Unfall vor drei Jahren ein Bein verloren. In Greifswald hätten sie sich deshalb gleich eine behindertengerechte Wohnung gesucht, erzählt sie. Doch auch wenn zum Beispiel die Arbeitsflächen in der Küche vom Rollstuhl erreichbar sind, die Hängeschränke darüber sind es nicht. „Das war auch lange kein Problem, mein Mann konnte mir ja alles runterreichen.“ Doch nach der schlimmen Diagnose verschlechterte sich Werner Fügers Gesundheitszustand schnell so sehr, dass auch er sich nur noch im Rollstuhl fortbewegen konnte.

In der letzten Phase seines Lebens kam dann regelmäßig ein Palliativdienst, um sich um den Schwerkranken zu kümmern. „Eine dieser Schwestern hatte uns vom Wünschewagen erzählt“, erinnert sich Friederike Füger. „Wir selbst hatten bis dahin überhaupt noch nichts von diesem Angebot gehört…“

Auf der Wunschliste stand auch Hiddensee

Beide hätten sich einen ganzen Abend lang überlegt, was ihr Mann sich wünschen könnte – und was für das Wünschewagenteam auch realisierbar wäre. Denn zu diesem Zeitpunkt waren ja bereits beide Fügers auf einen Rollstuhl angewiesen. So hatte Werner Füger zwar Hiddensee für seine Wünschefahrt ins Gespräch gebracht. „Wir wären da wohl auch noch mit dem Schiff hingekommen. Aber uns in zwei Rollstühlen über die Insel zu schieben, das hätten auch die Mitarbeiter vom Wünschewagen nicht geschafft“, schätzt die Witwe ein.

Ihr ganzes Leben lang seien sie viel gereist, erzählt Friederike Füger. „Das war unser großes Hobby. Wir waren in China, zweimal in Kanada, in allen europäischen Hauptstädten“, zählt sie auf. Ihr Mann, der Bauingenieur war, hätte sich immer vor allem für die Architektur interessiert – und für besondere technische Bauten. Jetzt, im Alter, wollte die Eheleute vor allem noch die nähere Umgebung bereisen. Doch der Ausflug zu den Kreidefelsen wurde ihr letzter.

Friederike Füger hält kurz inne, sammelt sich. Dann erzählt sie, dass auch sie ihrem Mann danach noch einen letzten Wunsch erfüllt hat – so schwer es ihr zum Schluss auch gefallen sei, zu sehen, wie er leidet, ohne wirklich helfen zu können: „Aber er war bis zum letzten Atemzug zu Hause.“ Und er wurde auf See bestattet, auch das hatte Werner Füger sich gewünscht.

155.522 Euro für Wünschewagen in MV und der Prignitz

Für den Wünschewagen in Mecklenburg-Vorpommern haben unsere Leser inzwischen bereits 137 216 Euro gespendet. In der Prignitz sind bislang 18 306 Euro auf dem Spendenkonto eingegangen. Dafür schon einmal ein großes Dankeschön! Neben vielen privaten Spendern sind auch Verbände und Unternehmen dabei.

So unterstützt beispielsweise auch das Schweriner Unternehmen NTC Systemtechnik  den  Wünschewagen in MV. „Ein regelmäßiges persönliches auch karitatives Engagement hat Tradition und ist wichtig für den sozialen Zusammenhalt unserer Gesellschaft. Unsere Mitarbeiter möchten Ihrer Zeitung für Ihre Initiative danken, Menschen eine Freude bereiten und die Aktion Wünschewagen unterstützen“, sagt der Geschäftsführer Rüdiger Born.  Zu den bisherigen Spendern zählen unter anderem:

Kerstin und Detlef Kuhnigk (Siggelkow), Anita und Gerhard Lemcke, Sven Friese (Heiddorf), Gerlinde und Jochen Reinert (Rostock), Christine Hinzmann (Neu Gülze), Ricardo Klimaschka (Zarrentin), Heike und Klaus Stramm (Viez), Eva Homrighausen (Nürnberg), Hans Luedtke (Ludwigslust), Gabriela und Manfred Scholz (Grabow), Fensterbau Kuhnert GmbH (Pampow), Elke Weiss (Rastow), Heidemarie Gaikowski, Dr. Andreas Pröhl (Schwerin), Christiane Leisner (Rugensee), Christine und Klaus-Michael Glaser (Pinnow), Hannelore und Klaus Löwe (Dömitz), Marion Ebert (Schwerin), Karin und Manfred Frank (Schwerin), Stadtchor Rehna (Rehna), Beate und Hans-Christian Pinnisch (Strahlendorf), Christine und Jörg Kingerske (Schwerin), Petra und Jörg Rakowski (Güstrow), Sabine und Bernd Schult (Grabow), Frachttaxi Dorit Voss (Raben Steinfeld), Birgitt und Olaf Kreuzberger (Demen), Kathrin Böhm (Schwerin), Gymnastikgruppe Rehnaer Sportverein (Rehna), Monika Günzel (Schwerin ), Geiersberger Glas & Partner mbB (Schwerin), Doreen Ziel, Helga Otto (Warin), Regina und Andre Taube, Touristik-Service-Kühlung GmbH (Kühlungsborn).

 

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Wünschewagen: So können Sie helfen

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Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

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Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

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