Spendenaktion Wünschewagen : Jens Kulbatzki ist der Mann am Steuer

Jens Kulbatzki fährt den Wünschewagen.
Jens Kulbatzki fährt den Wünschewagen.

Jens Kulbatzki gehört zu den Ehrenamtlern, die den Wünschewagen in MV unterstützen – und sorgte für die größte Spende der Aktion.

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15. Dezember 2018, 16:00 Uhr

Souverän steuert der großgewachsene Mann den Wünschewagen vor den Eingang zum Hamburger Stage-Theater an der Elbe, rangiert so, dass die alte Dame, deren Wunsch an diesem Abend erfüllt werden soll, nicht durch den Regen laufen muss. Dann flitzt er nach hinten und hilft Korinna Lembke, die ebenfalls den Wünschewagen auf dieser Fahrt begleitet, dabei, ihren Gast warm anzuziehen und vorsichtig nach draußen zu führen.

Jens Kulbatzki ist einer von mehr als 80 Ehrenamtlichen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern, die ihre Freizeit dafür opfern, dass letzte Wünsche in Erfüllung gehen können. Zugleich hat er die größte Spende in unsere diesjährige Weihnachtsaktion eingebracht. Beides hängt eng zusammen – und hat eine Vorgeschichte, die Jahre zurück reicht.

Mehr als 80 Ehrenamtliche in MV

Jens Kulbatzki ist seit mehreren Jahren beim Landtag Mecklenburg-Vorpommerns beschäftigt. Dennoch haben ihn viele in Schwerin und Umgebung immer noch als Chef des Schweriner Cult-Clubs „Thalia“ in Erinnerung. Als der vor Jahren für immer seine Türen schloss, ging Kulbatzki nicht nur für einige Zeit aus Schwerin weg. Er schloss auch erst einmal komplett mit dem Kapitel Musik und Veranstaltungen ab. Dennoch fragten ihn alte Bekannte des öfteren, wann er endlich wieder etwas in Schwerin auf die Beine stellen würde. „Dazu fehlte mir aber erst mal eine zündende Idee“, erinnert er sich.

Doch das blieb nicht lange so. Für eine Nacht sollte das „Thalia“ wieder aufleben – und parallel dazu Spenden für einen guten Zweck gesammelt werden. 1800 Euro kamen damals, 2014, zusammen. Und das Publikum war von der Veranstaltung so angetan, dass aus dem geplanten einmaligen Revival mittlerweile eine Tradition geworden ist. Schon zum fünften Mal fand in diesem November die „Thalia-Nacht“ statt – auch diesmal wieder unter dem Motto „Wir für MV“. Wir wollen damit deutlich machen, dass wir nicht etwa für ,Brot für die Welt‘ sammeln, sondern uns für Projekte hier im Land einsetzen“, so Jens Kulbatzki.

Anfangs waren das vor allem Projekte aus der Landeshauptstadt und ihrem Umland. Erlöse aus früheren „Thalia-Nächten“ kamen zum Beispiel Kitas, dem Zentrum Demenz, der Kindertafel oder dem Hospizverein in Schwerin zu Gute. In diesem Jahr sollte nun aber Geld für ein Projekt gesammelt werden, das – wie es das Motto „Wir für MV“ sagt – wirklich im ganzen Land präsent ist. Und da bot sich der Wünschewagen einfach an.

Spenden sammeln bei Thalia-Nacht in Schwerin

Jens Kulbatzki war von Berufs wegen dabei, als im vergangenen Jahr in Rostock der Wünschewagen an den ASB-Landesverband übergeben wurde. „Schon damals war ich neugierig, wie das wohl laufen und wer die Menschen sein würden, die den Wünschewagen mit Leben erfüllen“, erinnert er sich. In diesem Jahr habe er dann nähere Erkundigungen eingezogen –„erst mal unter einem Vorwand, das habe ich früher bei anderen Projekten, die ich unterstützen wollte, auch so gemacht“ –, bevor er sich festlegte: In diesem Jahr würde der Erlös der „Thalia-Nacht“ im Zuge der Weihnachtsspendenaktion unserer Zeitung dem Wünschewagen zugute kommen.

Gleichzeitig bot Jens Kulbatzki Projektleiterin Bettina Hartwig an, dass er auch gerne persönlich helfen und Wünschewagenfahrten begleiten würde, wenn Not am Mann sein sollte. Schließlich hatte er in Berlin mehrere Jahre lang Krankentransporte gefahren und dafür eine Sanitätshelfer-Ausbildung gemacht. Mittlerweile gehört auch seine Frau, die Intensivschwester ist, mit zum Team des Wünschewagens. „Zusammen auf Fahrt gehen können wir allerdings nicht, denn wir haben ja noch einkleines Kind“, erzählt Jens Kulbatzki.

Dennoch hat er im Oktober mehrere Tage seines Urlaubs geopfert, um mit dem Wünschewagen in den Hansa-Park und nach Darmstadt zu fahren – jeweils mit Übernachtung. Auch der Musicalbesuch in Hamburg wäre für die Wünschende zu anstrengend geworden, wenn es noch in derselben Nacht zurückgegangen wäre.

Den Wünschewagen lenkt Jens Kulbatzki

Das strahlende Lächeln und die Dankbarkeit der Fahrgäste würden die geopferte Zeit allemal wieder aufwiegen. Und auch von Unbeteiligten bekämen die Ehrenamtler im Wünschwagen viel Zuspruch, hat Jens Kulbatzki erfahren: Autofahrer würden im Vorbeifahren anerkennend den Daumen nach oben recken, erzählt er. An Tankstellen oder Raststätten würden sie auch direkt angesprochen, und einmal sei eine ältere Dame auf ihn zugekommen, hätte seine Hand ergriffen und einfach „Danke!“ gesagt.

„Der Wünschewagen spricht die Leute emotional an“, ist Jens Kulbatzki überzeugt. Bester Beweis: Bei der letzten Thalia-Nacht kamen knapp 13 500 Euro an Spenden zusammen. In den vier Jahren davor waren es zusammen 21 000 Euro.

Dass ihn selbst die Fahrten emotional mitnehmen, streitet Kulbatzki nicht ab. Aber er versucht, nicht allzu viel an sich heranzulassen: „Wenn man allen Ballast mit nach Hause nimmt, kann man ihn irgendwann nicht mehr tragen. Das ging mir auch schon früher so, als ich Rettungswagen gefahren bin.“

Nach vier Fahrten mit dem Wünschewagen sei er ja aber auch noch ein Frischling. „Ich habe größte Hochachtung vor den anderen Ehrenamtlern, vor allem vor denen, die regelmäßig Fahrten übernehmen – schließlich haben sie es ja auch im normalen Job nicht einfach.

So können Sie helfen

Spendenkonto:

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-Landesverband Brandenburg e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wünschen Sie eine Spendenquittung, schreiben Sie bitte Ihre Adresse und Ihren Namen in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, ob Sie damit einverstanden sind, dass Sie in der Zeitung als Spender genannt werden.

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