Spendenaktion Wünschewagen : Als Hospizbegleiterin einfach da sein und zuhören

Ehrenamtlich für schwerkranke Menschen da: Petra Tuttas ist Hospizbegleiterin in Ludwigslust.
Ehrenamtlich für schwerkranke Menschen da: Petra Tuttas ist Hospizbegleiterin in Ludwigslust.

Petra Tuttas arbeitet als ehrenamtliche Hospizbegleiterin in Ludwigslust – und wünscht sich weitere Mitstreiter

23-11367782_23-66107803_1416392139.JPG von
03. Dezember 2019, 18:30 Uhr

Worüber redet man mit einem Menschen, der an der Schwelle zum Tod steht? Den man erst seit ein paar Minuten kennt? Darüber macht sich Hospizbegleiterin Petra Tuttas keine großen Gedanken, bevor sie einen schwerkranken Klienten besucht. „Da findet sich etwas“, sagt die Ludwigslusterin und erinnert sich an ihre erste Begleitung.

„Wir haben uns über Musik der 1970er-Jahre unterhalten und über den Film ,Monsieur Claude und seine Töchter’. Dabei haben wir so viel gelacht.“ Doch was man spricht, was man mit dem Klienten macht, ist nicht das Entscheidende. „Wichtig ist, einfach da zu sein, zuzuhören, dafür zu sorgen, dass der Betroffene sich nicht allein fühlt“, betont die Ludwigslusterin.

Die Ausbildung hilft

Vor einem Jahr hatte Petra Tuttas ihre rund zehnmonatige Ausbildung zur Hospizbegleiterin beendet. „Ich war auf der Suche nach einer weiteren ehrenamtlichen Aufgabe“, erzählt die 60-Jährige, die im Personalbüro des Stiftes Bethlehem arbeitet. Da habe sich der ambulante Hospizdienst des Stiftes schon wegen der räumlichen Nähe angeboten.

Ob jemand als Hospizbegleiter arbeiten kann, die emotionale Belastung aushält, lässt sich im Voraus schwer sagen. Die Ausbildung hilft, sich darüber klarzuwerden. „Wir haben ganz viel mit Selbsterfahrung gemacht“, erzählt Petra Tuttas. „Da war man schon manchmal den Tränen nahe, weil in einem selbst irgendetwas hochkam.“ Um als Hospizhelfer zu arbeiten, sollte man bei sich selbst Frieden haben und (fast) alles aufgeklärt haben. Die nächste Ausbildung beginnt im kommenden Januar. Und die derzeit 16 Mitstreiter des Hospizdienstes in Ludwigslust würden sich über Verstärkung freuen.

Entlastung für die Angehörigen

Im Durchschnitt gehen die Begleiter einmal pro Woche für anderthalb bis zwei Stunden zu ihren Klienten. „Aber das wird individuell mit den Angehörigen oder den Klienten selbst abgesprochen“, so Petra Tuttas. An einem Thema kommt man bei dieser ehrenamtlichen Arbeit kaum vorbei.

„Viele haben Angst vor dem Tod. Angst vor dem Unbekannten. Angst, allein zu sein“, erzählt die Ludwigslusterin. Und dann sei es wichtig, dass jemand da ist und sagen kann: Du bist nicht allein. „Auf der Schwelle ist es wichtig, dass man möglichst alles geklärt hat.“

Die Besuche der Hospizbegleiter sind jedoch auch eine Entlastung für die Angehörigen. „Die dann einfach mal Gelegenheit haben, beruhigt ihre Einkäufe machen zu können, weil sie Mutter oder Vater gut betreut wissen“, so Petra Tuttas. Sie würde sich aber wünschen, dass die Menschen viel früher eine solche Begleitung in Anspruch nehmen.

Erlebnisse für die Menschen enorm wichtig

„Auch wenn man eine Diagnose bekommen hat, die nicht innerhalb kurzer Zeit zum Tod führt, ist es gut, mal einen Außenstehenden zu haben, der verständnisvoll ist und Zeit zum Reden hat“, sagt die Ludwigslusterin. Aus eigener Erfahrung, denn auch bei ihr war schon einmal eine Krebserkrankung diagnostiziert worden. Und Petra Tuttas hat es auch erlebt, dass sie die Begleitung einer Dame übernehmen wollte, es dazu aber nicht mehr kam: „Sie starb, bevor ich sie das erste Mal sah.“

Fast hätte Petra Tuttas geholfen, dass der Wünschewagen einer Dame den Wunsch erfüllen kann, noch einmal das Kleine Fest im großen Park in Ludwigslust zu erleben. „Das Wünschewagen-Team hätte die Dame betreut, ich hätte die Tochter begleitet, der es wegen des Zustandes ihrer Mutter schlecht ging“, erzählt die Ehrenamtlerin. „Aber eine Woche vorher ist die Mutter leider verstorben.“ Petra Tuttas ist überzeugt, dass solche Erlebnisse für die Menschen enorm wichtig sind, sofern sie sie aus medizinischer Sicht noch schaffen können. „Sie geben nochmal Hoffnung und Aufschwung.“

Die Musik der 1970er-Jahre, die Petra Tuttas für ihre Klientin auf einen USB-Stick gezogen hatte, konnten sie nicht mehr gemeinsam anhören. „Bei meinem letzten Besuch habe ich nur dagesessen und ihre Hand gehalten.“ Eines wird ihr durch die Arbeit als Hospizbegleiterin aber klar: „Viele Dinge, über die wir uns im Alltag ärgern oder streiten, können ganz schnell nebensächlich werden. Aber das vergessen wir immer wieder.“

Lesen Sie auch: Marschieren für den Wünschewagen: Cindy Deichmann ist kein Kilometer zu viel

>> Hier finden Sie weitere Informationen zum Wünschewagen

Wünschewagen: So können Sie helfen

Bislang sind bereits 14 391 Euro auf dem Spendenkonto in MV eingegangen. Dafür schon einmal herzlichen Dank! Helfen auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, letzte Wünsche zu erfüllen und unterstützen Sie gemeinsam mit uns den Wünschewagen.

ASB-Landesverband MV e.V.
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE82 1002 0500 0001 4951 00
BIC: BFSWDE33BER
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

ASB-LV Brandenburg e.V.
IBAN: DE49 100 20 50 0000 3545 401
Stichwort „Weihnachtsaktion Wünschewagen“

Wunschanmeldungen:
www.wuenschewagen-mv.de
www.asb-lv-bbg.de/wuenschewagen

Bitte schreiben Sie für die Spendenquittung Ihren Namen und Ihre Adresse in die Zeilen für den Verwendungszweck. Vermerken Sie dort auch, falls Sie in der Zeitung als Spender genannt werden möchten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen