Waldbrand auf ehemaligem Truppenübungsplatz : Alt Jabel soll Samstag freigegeben werden

Verbrannter Waldboden ist bei dem ausgedehnten Waldbrand in der Nähe der Ortschaft Trebs zu sehen.
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Verbrannter Waldboden ist bei dem ausgedehnten Waldbrand in der Nähe der Ortschaft Trebs zu sehen.

Der kleine Ort Alt Jabel steht im Zentrum der Löscharbeiten im Waldbrandgebiet von Südwestmecklenburg. Die Bewohner möchten in ihre Häuser zurückkehren. Das Wetter könnte mitspielen.

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05. Juli 2019, 06:22 Uhr

Der Waldbrand bei Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern ist eingegrenzt und die Rückkehr für die Bewohner des Ortes Alt Jabel nur eine Frage der Zeit. Mit vier Hubschraubern soll in dem Gebiet des früheren Truppenübungsplatzes an diesem Freitag weiter gelöscht werden, um alle Glutnester zu bekämpfen. Die Einsatzkräfte hoffen auf Regen als Unterstützung. Am Samstag könnte es soweit sein. Wie eine Sprecherin des Landkreises Ludwigslust-Parchim am Freitag sagte, dürfen die Anwohner voraussichtlich ab 8 Uhr in ihre Häuser zurückkehren.

Laut Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes ist es an diesem Freitag im Nordosten stark bewölkt mit Schauern. Am Samstag soll es noch mehr Regen geben. Unberechenbar bleibt aber der Wind, der die Glut immer wieder anfachen kann.

Teile eines Waldes in der Nähe von Lübtheen sind nach einer Feuer verbrannt (Luftaufnahme aus einem Hubschrauber).
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Teile eines Waldes in der Nähe von Lübtheen sind nach einer Feuer verbrannt (Luftaufnahme aus einem Hubschrauber).

Die Ortschaft Alt Jabel bleibt bis dahin evakuiert. Das teilte Einsatzleiter Wolfgang Krause am Morgen nach der Lagebesprechung mit. Das Feuer ist zwar inzwischen rund 500 Meter vom Dorf entfernt. "Das reicht aber noch nicht", so Krause mit Blick auf den 1000-Meter-Sicherheitsabstand. Und so wird Alt Jabel auch heute der Hauptschwerpunkt bei der Arbeit der Einsatzkräfte beim Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz sein. Dort sollen nunmehr zwei Hubschrauber der Bundeswehr und zwei von der Bundespolizei fliegen. Zudem sind Löschfahrzeuge der Bundeswehr im Einsatz.

Freitagmorgen im Raum des Katastrophenstabes in Lübtheen.
katt

Freitagmorgen im Raum des Katastrophenstabes in Lübtheen.

 

Am frühen Freitagmorgen war der Abstand zwischen Brand und Dorf um mehr als 150 auf rund 500 Meter ausgedehnt worden, wie der Landkreis mitteilte. Erst, wenn ein Kilometer erreicht ist, dürfen die Einwohner zurück in ihre Häuser.

Für Anwohner wurde ein Bürgertelefon unter  038855 / 78744 eingerichtet.

Für die anderen drei vom Brand bedrohten Dörfer Trebs, Jessenitz-Werk und Volzrade - allesamt Ortsteile von Lübtheen - war schon am Mittwoch die Sperrung aufgehoben worden. Die Region liegt südwestlich von Schwerin, zwischen Hamburg und Berlin.

Ein Feuerwehrauto pumpt Löschwasser aus dem Badesee (Luftaufnahme aus einem Hubschrauber).
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Feuerwehrauto pumpt Löschwasser aus dem Badesee (Luftaufnahme aus einem Hubschrauber).

Nachsorgepaket wird vorbereitet

Auf der Pressekonferenz am Morgen sprach Landrat Stefan Sternberg von einem Krieg, die alle haupt- und ehrenamtliche Einsatzkräfte in den letzten Tagen gegen das Feuer geführt hätten. Dieser Krieg würde gewonnen werden. Es gäbe deutliche Signale, den Waldbrand in absehbarer Zeit vollständig zu löschen. Es sei aber nicht davon auszugehen, dass dies schon am Sonnabend oder Sonntag der Fall sei.

Brigadegeneral Gerd Kropf hält auf einer Pressekonferenz zu den Waldbränden bei Lübtheen ein Bild, das ihm Kinder einer Kita geschenkt haben. Auf der Rückseite des Bildes steht «Danke an alle fleißigen Helfer u. Helferinnen».
Bodo Marks/dpa

Brigadegeneral Gerd Kropf hält auf einer Pressekonferenz zu den Waldbränden bei Lübtheen ein Bild, das ihm Kinder einer Kita geschenkt haben. Auf der Rückseite des Bildes steht «Danke an alle fleißigen Helfer u. Helferinnen».

 

Als Reaktion auf den Waldbrand bei Lübtheen rüstet Mecklenburg-Vorpommern massiv bei der Brandbekämpfungstechnik auf. Das Land werde für die Landkreise acht Feuerlöschfahrzeuge erwerben, die speziell zur Bekämpfung von Waldbränden ausgerüstet sind, kündigte Innenstaatssekretär Thomas Lenz (CDU) an. Ein erstes, zusätzliches Fahrzeug werde innerhalb von 14 Tagen zur Verfügung stehen und in der Region Lübtheen stationiert.

 

Zudem machte Lenz deutlich, dass die Bemühungen intensiviert würden, munitionsbelastete Flächen im Land zu räumen und so wieder sicher zugänglich zu machen. Bei dem Waldgebiet nahe Groß Laasch (Landkreis Ludwigslust-Parchim), das im Sommer 2018 tagelang brannte, sei dies gelungen. Das etwa 25 Hektar große Waldstück sei nun geräumt. Die Kosten bezifferte Lenz mit 210 000 Euro.

Doch dämpfte er Hoffnungen, dass die Beräumung des großen Truppenübungsplatzes bei Lübtheen ebenso schnell möglich sei. Die Belastung mit Munition sei dort ungleich höher, die Fläche mit 6000 Hektar vielfach größer und damit auch die Kosten. Zunächst gehe es um Teilberäumungen, um die Sicherheit der Anwohner zu erhöhen. „Das ist möglich, sehr aufwändig, sehr kostenintensiv. Aber ich glaube, der Bund hat es jetzt eingesehen, dass er hier auch die entsprechenden Mittel zur Verfügung stellen muss“, sagte Lenz.

Schwesig plädiert für „Nationale Einsatztruppe für Katastrophen“

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) hat als Konsequenz des Waldbrandes bei Lübtheen eine „Nationale Einsatztruppe für Katastrophen“ vorgeschlagen. Sie schlug am Freitag einen Dreistufenplan für besseren Brandschutz und höhere Sicherheit auch rund um frühere Truppenübungsplätze wie in Lübtheen vor.

Manuela Schwesig (SPD, l), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gibt am Mittwoch in Lübtheen Essen aus.
Bodo Marks/dpa

Manuela Schwesig (SPD, l), die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, gibt am Mittwoch in Lübtheen Essen aus.

 

Die konkreten Schritte habe sie mit dem zuständigen Landrat sowie dem Innen- und dem Landwirtschaftsminister verabredet. „Kurzfristig brauchen wir ein Nachsorgekonzept, damit das Feuer nicht wieder aufflammen kann“, teilte Schwesig in einer am Freitag in Schwerin verbreiteten Erklärung mit. Danach müsse die Munitionsräumung auf dem früheren Manövergelände intensiviert werden, ehe im dritten Schritt bundesweit neue Strukturen einer effektiveren Bekämpfung von Brandkatastrophen aufgebaut würden. „Wir denken beispielsweise an eine Nationale Einsatztruppe für Katastrophen wie Waldbrände“, sagte die Schweriner Regierungschefin.

 

Wegen des verheerenden Feuers bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim), das als größter Waldbrand in der Nachkriegsgeschichte Mecklenburg-Vorpommerns gilt, hatte Schwesig ihren Familienurlaub in Frankreich für zwei Tage unterbrochen.

Wasserknappheit führt zu Problemen

Wie Landrat Stefan Sternberg am Morgen mitteilte, würde die massive Entnahme von Löschwasser perspektivisch zu Problemen führen, da hier eine sowieso schon wasserarme Region betroffen sei. Dies gelte nicht nur für die unmittelbare Umgebung, sondern für ganz Mecklenburg, da beispielsweise durch regulierte Wasserzufuhr aus dem Schweriner See auch das Hinterland in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ein Hubschrauber der Bundeswehr vom Typ NH90 mit einem Löschwasser-Behälter fliegt über einem Wald in der Nähe von Lübtheen.
Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Ein Hubschrauber der Bundeswehr vom Typ NH90 mit einem Löschwasser-Behälter fliegt über einem Wald in der Nähe von Lübtheen.

 

Am Freitagmorgen waren noch auf etwa 600 Hektar Wald Glutnester und Flammen festgestellt worden. Die vom Brand betroffene Fläche wurde mit insgesamt 1200 Hektar angegeben. Die Bundeswehr hatte mit schwerer Räumtechnik alte Fahrwege rund um den Brandherd freigeschoben, damit das Feuer nicht auf benachbarte Waldflächen übergreift. „Wir liegen im Plan“, sagte Brigadegeneral Gerd Kropf, Chef des Landeskommandos Mecklenburg-Vorpommern. Das Feuer sei weitgehend eingekesselt und bei erneutem Aufflammen könne sich die Feuerwehr frei bewegen. Zeitweilig seien bis zu zwölf Räumpanzer im Einsatz gewesen. Sie hätten insgesamt 60 Kilometer Brandschneisen gezogen.

Aktuell sind noch 565 Helfer pro Schicht im Einsatz, die punktuell gegen das Feuer vorgehen. Die Gefahr einer weiteren Ausdehnung des Feuers sei nahezu gebannt.

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