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Schwerin : Museum erhält Anbau

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Landesregierung gibt Startschuss für Zehn-Millionen-Euro-Investition: 800 Quadratmeter Fläche für Museum der Moderne

Das Staatliche Museum Schwerin wird in der Landeshauptstadt seine Ausstellungsfläche erheblich vergrößern. Die Landesregierung hat gestern den Startschuss für den Anbau gegeben, der sich dezent in den jetzigen Museumshof einfügen soll und auf rund 800 Quadratmeter Fläche Platz für eine Dauerausstellung der Moderne geben wird. Gegenwärtig stehen der Schweriner Kunstgalerie am Alten Garten lediglich 2500 Quadratmeter für Dauer- und Sonderausstellungen zur Verfügung. Ein Großteil der Sammlung kann dadurch nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Nun vergrößert sich die Ausstellungsfläche um 30 Prozent.

Das soll sich mit dem Neubau ändern, den Kultusminister Mathias Brodkorb und Finanzministerin Heike Polzin gestern gemeinsam vorstellten. „Seit 20 Jahren wird über diesen Anbau diskutiert“, so Brodkorb, „jetzt hauen wir endlich den Spaten in den Boden. Für das Staatliche Museum ist der Erweiterungsbau ein echter Gewinn. Ein größeres Museum wird auch den Kunst- und Kulturstandort Schwerin bereichern.“ Und Heike Polzin: „Wir haben jetzt die einmalige Chance, diese unendliche Geschichte zu einem glücklichen Ende zu führen. Und auch die Unesco-Weltkulturerbekommission haben wir ins Boot geholt, von dieser Seite wird es keine Probleme geben.“ Jetzt hoffe man nur, bei den Bauarbeiten im Museumshof nicht auf archäologische Schätze zu stoßen.

10,5 Millionen Euro wird das Vorhaben kosten, rund acht Millionen stellt die Landesregierung zur Verfügung. Das übrige Geld will der rührige Förderverein „Uecker in Schwerin: Neubau e.V.“ unter Vorsitz von Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe besorgen, die 1993 die Idee des Erweiterungsbaus als damalige Direktorin initiierte.

Museumsdirektor Dr. Dirk Blübaum hat schon erste Pläne für den Neubau, der im Übrigen das Staatliche Museum nicht überragen und daher vom Alten Garten aus nicht zu sehen sein wird. „Es lagern große Bestände von Kunst nach 1949 in unseren Depots. Eine Dauerausstellung der Moderne im Neubau macht das Museum noch attraktiver“, sagt Blübaum. Natürlich zähle Günther Uecker dazu, aber auch Marcel Duchamp und DDR-Malerei. „Wir haben mit 600 Werken nach Dresden, Weimar und Frankfurt/Oder die größte Sammlung mit Werken von DDR-Künstlern, die wir bislang nur in kleinen Ausstellungen in Güstrow zeigen können.“ Diese ergänzende Präsentation werde es nach ersten Überlegungen auch weiterhin geben. Ausstellungsstücke habe das Schweriner Museum schließlich reichlich.

Unter Federführung des Berliner Architektenbüros Scheidt Kasprusch soll im schlichten Funktionsbau größtenteils freier Raum für die Exponate entstehen, die das Museum in einer Dauerausstellung präsentieren will. Lediglich ein mobiles Stellwandsystem soll im Bedarfsfall für Abgrenzungen sorgen. „Das ist für uns praktisch. So brauchen wir für die Wände auch keine zusätzlichen Lagermöglichkeiten.“

Ein besonderes Kabinett möchte Dirk Blübaum aber auch im neuen Museum der Moderne unterbringen: In diesem sollen mit Unterstützung besonderer Lichttechniken nach 1945 geschaffene Grafiken gezeigt werden. Auch Videoinstallationen könnten nach Blübaums Vorstellung in diesem Kabinett dem Publikum präsentiert werden. Für die Kunst nach 1945 soll der neue Museumsteil das Zentrum im Land werden.

Der Anbau soll nach jetziger Planung einen eigenen Nebeneingang von der Werderstraße aus bekommen – barrierefrei mit Fahrstuhl, der allerdings nur im Bedarfsfall genutzt werden soll. Ein solcher Fall könnte die lange erhoffte Sanierung der Altbausubstanz sein. Der Haupteingang zu den staatlichen Sammlungen erfolgt auch künftig vom Alten Garten und der Museumstreppe aus. Zum einen sollte man mit der vorhandenen baulichen Situation und dem dominanten Eingangsbereich spielen, sagt Blübaum. Andererseits wäre die Errichtung eines zweiten Einlass- und Kassensystems auch personell und finanziell nicht sinnvoll. „Dieses Haus hat einen ganz eigenen Charakter“, schwärmt der Museumsdirektor. „Es gibt hier Räume, die man nirgendwo anders findet. Und ein besonders prägendes Element ist dabei nun einmal die Freitreppe.“

Die Verbindung zwischen beiden Häusern soll eine Art gläserne Brücke schaffen. Der freie Blick von dieser Brücke aus auf den Innenhof kann diesen zu einer weiteren Ausstellungsfläche machen, beispielsweise für Skulpturen, ist sich Blübaum sicher. Der Ausgang vom Altbau zur Brücke wird nicht nur baulich durch einen jetzigen Fensterbereich, sondern inhaltlich passen: Der Weg zum Museum der Moderne führt aus der Ausstellung der Kunst des 20. Jahrhunderts.

Im Zuge des Neubaus, der 2016 fertig sein soll, wird das Staatliche Museum Schwerin auch endlich zwei Behindertenparkplätze direkt am Fahrstuhl des Haupteingangs bekommen, berichtet der Museumsdirektor froh. Dieses Angebot fehlt bislang.

In den kommenden Wochen gilt es, das fehlende Geld für die Investition zu besorgen und die Details für die Bauphase zu planen. Dazu gehören so simple Fragen wie: Wo bleiben die Museumsfahrzeuge, wenn der Innenhof zur Baustelle wird? Oder: Wie können Exponate sicher und geschützt vom Depot, dem Weißen Haus, ins Museum gebracht werden, wenn ringsherum Bauarbeiter das Geschehen bestimmen?

Und: Wie weit werden die Gründungsarbeiten für den Neubau im schwierigen Untergrund den laufenden Museumsbetrieb beeinträchtigen, beispielsweise durch Erschütterungen im Boden und Lärm?

 

Unsere komplette Beilage zu dem Thema finden Sie hier: http://www.svz.de/uecker

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erstellt am 05.Jun.2014 | 21:00 Uhr

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