Interview mit Bürgermeister : Das Ereignis hat uns zusammen geschweißt

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Bützow erreichten Spenden in Höhe von einer viertel Million Euro – Bürgermeister Christian Grüschow teilt im Interview mit, wie es weitergeht

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08. Juni 2015, 12:00 Uhr

Es scheint wie ein Wunder, dass bei dem Tornado, der Anfang Mai durch Bützow fegte, niemand ums Leben kam. Der Schaden beläuft sich dennoch auf eine Höhe von etwa 40 Millionen Euro. Bützow ist immer noch eine Baustelle. Wie die aktuelle Situation ist, schilderte Bürgermeister Christian Grüschow im Interview mit Lisa Kleinpeter.

Frage: Über einen Monat ist es her, dass ein Tornado die Innenstadt von Bützow verwüstete. Wie sieht die Situation heute aus?
Antwort: Inzwischen sind die Aufräumarbeiten weitestgehend abgeschlossen. Auch der Hafen ist beräumt; der Schutt wurde abgefahren. Die Instandsetzung der Gebäude schreitet voran. Nach und nach wird der alte Zustand wieder hergestellt.

Sie haben den Sturm selbst miterlebt. Welches Bild hat sich Ihnen damals geboten?
Zurückblickend war es ein sehr einschneidendes Erlebnis. Das Ausmaß der Zerstörung ist enorm. Ich stell immer wieder fest, was wir für ein Glück hatten, abgesehen von dem materiellen Schaden. Ich bin froh, dass es bis auf eine Ausnahme keine weiteren Schwerverletzten oder gar Tote gegeben hat.

Wie erlebten Sie die Hilfe untereinander?
Das ganze Miteinander war sehr solidarisch. Unmittelbar nach dem Naturereignis sind die Leute auf die Straße gelaufen, haben sich Schaufel und Besen geschnappt, um die Wege zu beräumen. Selbst Nachbarn halfen sich, die vorher nicht miteinander gesprochen hatten. Dieses Ereignis hat uns zusammengeschweißt.

Dennoch sind längst nicht alle Schäden beseitigt. Welche Bilanz ziehen Sie?
Der materielle Schaden ist noch nicht abschließend zu benennen. Eine Versicherung berichtete mir von 250 Schadensfällen in einer Höhe von 8,5 Millionen Euro. Rechnet man das hoch, kommt man etwa auf 30 bis 50 Millionen Euro Gesamtschaden.

Um Menschen, bei denen die Versicherung nicht greift, zu unterstützten, gab es viele Spenden, auch von unseren Lesern.

Ja. Bisher sind bei uns Spenden von etwas über eine viertel Million Euro eingegangen. Zur Verteilung haben wir bereits zwei Wochen nach dem Sturm einen Spendenrat gegründet, der einmal wöchentlich tagt. Die Arbeit läuft bisher sehr gut und harmonisch. Etwa 70 Spendenanträge haben uns schon erreicht.

Besonders im Gedächtnis bleibt einem die Familie mit fünf Kindern, die durch den Sturm ohne Hab und Gut dastand. Hat sie inzwischen eine neue Wohnung?
Ja, sie hat eine Wohnung im Nachbarort Steinhagen bekommen. Die Familie wurde darüber hinaus finanziell unterstützt. Ich meine, sie ist bereits eingezogen.

Wie lange wird es dauern, bis Bützow wieder so ist, wie es mal war?
Baulich dauert es sicher noch ein bis zwei Jahre, möglicherweise länger. Das hängt neben dem Sanierungswillen der privaten Hausbesitzer nicht zuletzt von deren finanzieller Situation und den Versicherungen ab. Die öffentlichen Gebäude wollen wir in den kommenden Monaten wieder instand setzen. Die Grünflächen neu zu planen, ist eine Herausforderung und wird wohl mehrere Jahre dauern.

Neue Planungen bieten auch neue Chancen. Was erhoffen Sie sich von einem Bützow in einem Jahr?
Zunächst einmal, dass die Schäden weitestgehend beseitigt sind und alle wieder ein normales Leben führen können. Und ich wünsche mir, dass wir das Gemeinschaftsgefühl aufrechterhalten und produktiv nutzen können.

Wie groß ist die Angst vor einem weiteren Tornado?
Ich schätze die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Tornados als sehr gering ein. Jedoch werde ich Warnungen zukünftig aufmerksamer verfolgen. Dann kann man im Warnfall unmittelbar bestimmte Stellen frühzeitig informieren. Dennoch ist es schwierig, sich auf so ein Ereignis vorzubereiten.
 

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