Serie Meister im Handwerk : „Wir setzen auch in Zukunft auf den Faktor Nähe“

Peter Günther blickt selbst auf eine lange familiäre Handwerkstradition zurück und hat bereits über 100 Lehrlinge ausgebildet und 8 Meister hervorgebracht.
Peter Günther blickt selbst auf eine lange familiäre Handwerkstradition zurück und hat bereits über 100 Lehrlinge ausgebildet und 8 Meister hervorgebracht.

Peter Günther, Präsident der Handwerkskammer Schwerin, spricht im Interview über neue Wege in das Handwerk und die Zukunft der Kammer

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13. Juni 2017, 12:00 Uhr

Sein früheres Imageproblem legt das Handwerk inzwischen Stück für Stück ab – und auch für Abiturienten könnte es bald interessanter werden. Über zukünftige Entwicklungen im Handwerk sowie den Handwerkskammern sprach Volontärin Viviane Offenwan- ger mit Peter Günther, dem Präsidenten der Handwerkskammer Schwerin.

Herr Günther, in welchen Handwerken wird derzeit besonders dringend Nachwuchs gesucht?
Günther: Ein Blick in die Lehrstellenbörse Kammer zeigt, dass eine Vielzahl von Gewerken Nachwuchs sucht. Einen großen Bedarf gibt es zum Beispiel bei den Metallbauern, den Elektronikern, den Kfz-Mechatronikern, den Anlagenmechanikern oder auch den Friseuren.

Sind diese Gewerke unbeliebt?
Das würde ich nicht so sagen. Im Gegenteil: Solche Handwerksleistungen wie die eben genannten werden stark nachgefragt, so ist der Bedarf an Nachwuchskräften entsprechend höher.

Auf die Bewerberzahlen hat sich diese große Nachfrage jedoch nicht ausgewirkt. Konnte die Kampagne „Besser ein Meister“ da Abhilfe schaffen?
Definitiv. Zwar sind die Bewerberzahlen nicht mit denen nach der Wende vergleichbar – damals gab es geradezu einen Run auf Handwerksberufe –, doch wir verzeichnen seit Jahren konstante Zahlen in der Meisterausbildung sowie bei den Bewerberzahlen. Momentan steigen diese sogar. In diesem Jahr konnten wir bereits 48 Lehrverträge mehr als im Vorjahr in diesem Zeitraum abschließen. Das ist ein Plus von 35 Prozent. Doch natürlich könnten es mehr sein.

Ein Grund dafür liegt in der geringen Zahl der Abiturienten, die sich für das Handwerk entscheiden. Hat sich das Interesse hier inzwischen gesteigert?
Der Anteil der Abiturienten liegt seit Jahren konstant bei zehn bis zwölf Prozent. Das vergleichsweise so Wenige diesen Weg einschlagen, ist – meiner Meinung nach – ein Versagen von Gesellschaft und Politik. Manche sind der Ansicht, wenn alle studieren würden, ginge es uns besser. Das ist jedoch sehr flach gedacht und stellt sich spätestens dann als falsch heraus, wenn es eine Störung an der Heizung gibt, aber keinen Handwerker, der diese reparieren kann. Ich denke, wir brauchen also beides: Wissenschaft und Handwerk. Das eine muss das andere jedoch nicht ausschließen: Wir schauen derzeit mit großem Interesse auf die sechs Bundesländer in Deutschland, in denen ab Herbst 2017 das Berufsabitur eingeführt wird. Mit der Kombination aus Abitur und Berufsabschluss in nur vier Jahren wollen auch wir dann hoffentlich Jugendliche gewinnen, die gerne praktisch arbeiten und trotzdem nicht auf den hohen Schulabschluss verzichten wollen. Die sechs Pilotprojekte (beispielsweise in Hamburg und Sachsen) werden zeigen, ob das Angebot für Jugendliche und Eltern attraktiv ist.

Hat das Handwerk im Osten noch den sprichwörtlich goldenen Boden?
Nach meiner Auffassung sollte man das Handwerk nicht mehr in Ost und West aufteilen, sondern in wirtschaftlich starke und nicht so starke Regionen. Bekanntermaßen gehört MV zu den letzteren. Daher sind wir sehr froh darüber, dass wir mit der Region Hamburg inzwischen eine feste Verbindung haben – das sorgt für manchen Ausgleich. Was den goldenen Boden angeht, auch da muss unterschieden werden. Richtig ist, wer sich für ein Handwerk entscheidet, hat eine große Sicherheit, sein Leben mit einem gut auskömmlichen Verdienst und einem anerkannten Beruf zu führen. Für die Unternehmer ist die Situation jedoch deutlich anders. Vor allem das überwuchernde Steuersystem lässt ihnen zu wenig Geld in der Firmenkasse. Dieses wird jedoch benötigt, um die Jahre des Verschleißes in den Firmen mit Ersatzinvestitionen abzudecken und sich den großen Anforderungen des digitalen Zeitalters zu stellen.

Apropos Herausforderungen: Wie schätzen Sie die Zukunft der Handwerkskammer ein? Wird es Zeit für eine Zusammenlegung der Kammern?
Eine Zusammenlegung würde – meiner Einschätzung nach – unserer Verpflichtung als Dienstleister und Betriebsberater eher schaden als nützen, zumal mir auch bekannt ist, dass sich in einigen Gebieten die Begeisterung über bereits durchgeführte Zusammenlegungen in Grenzen hält. Auch zu finanziellen Einsparungen hat das meines Wissens nicht geführt. Daher wollen wir auch in Zukunft auf die Nähe zum Handwerk setzen und sind sicher, damit auf dem richtigen Weg zu sein. Natürlich denken wir trotzdem ständig über das Thema Kosten nach. Mit der Einführung der Doppik zum Jahresanfang 2017 haben wir gute Voraussetzungen, unsere Kosten alle noch mal auf den Prüfstand zu stellen. Denn das Ehren- wie das Hauptamt fühlen sich immer in der Pflicht, mit dem Geld der Handwerker sorgsam umzugehen.

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