Serie Meister im Handwerk : Wasser-Wohnmobile made in Plate

Wechsel mit Seniorbegleitung: Bootsbauer Martin Krebs hat die Firma seines ehemaligen Chefs übernommen.
Wechsel mit Seniorbegleitung: Bootsbauer Martin Krebs hat die Firma seines ehemaligen Chefs übernommen.

Martin Krebs baut Boote mit viel Geschick und Leidenschaft. Zu seinem Betrieb ist der 30-Jährige eher zufällig gekommen

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06. Juni 2017, 12:00 Uhr

Mahagoni – das ist das Beste an Nr. 606. Und an Nr. 707. Natürlich auch am kleinen 505. Diese drei Typen bauen Martin Krebs und seine Mitarbeiter in der kleinen Bootswerft in Plate bei Schwerin. Die Boote bestehen keineswegs ganz und gar aus dem exotischen Holz, aber es sieht besonders schön aus und macht die Boote wiedererkennbar. „Für uns ist jedes ein Einzelstück“, sagt der 30-Jährige stolz. „Unsere Holzarbeiten sind einmalig in Deutschland.“

Vorn am Tor seiner Firma steht „Bootsbau Schubert“. Vor zwei Jahren hat der junge Boots- und Schiffsbaumeister den Betrieb vom Gründer übernommen. Gefühlt schon immer gehörte Martin Krebs dazu. Er ist einen halben Kilometer von hier aufgewachsen. Als Jürgen Schubert seinen Betrieb 1990 gründete, war der Junge gerade vier Jahre alt. Er wuchs mit den Enkelkindern des Seniors auf. Später machte er hier ein Schülerpraktikum, noch später seine Lehre zum Bootsbauer und schließlich den Meister. Doch ein Jahr später zog es ihn nach Hamburg, um etwas Erfahrung in einem anderen Betrieb zu sammeln. „Ich habe viel über den Umgang mit fremden Menschen gelernt, aber fachlich und handwerklich hat es mir nicht so viel gebracht. Nach einem guten Jahr habe ich gemerkt, dass das nichts für mich war“, erzählt Krebs. „Ich hab den Senior angerufen und gefragt, ob ich wiederkommen darf.“

Er durfte, lieber gestern als heute. Und es dauerte nicht lange, bis Schubert seinen jungen Meister-Kollegen fragte, ob er sich vorstellen könne, den Betrieb zu übernehmen. „Darüber musste ich erstmal nachdenken. Das hat ja auch mit Verantwortung zu tun und mit Geld. Aber ich hab mich dafür entschieden.“ Seit 2015 ist er alleiniger geschäftsführender Gesellschafter. Zwölf Mitarbeiter hat er – Bootsbauer natürlich, aber auch Schlosser, Tischler und Bürokräfte. Der Senior steht nach wie vor als Berater zur Verfügung. „Das ist gut“, sagt der jetzige Chef. „Die Firma ist ja praktisch sein fünftes Kind, und das hat er mir überlassen.“ Er lacht.

Seine Leute und er bauen die Boote in drei Größen. Der kleinste Typ ist ein offenes Sportboot, das mittlere ist mit bis zu 100 PS motorisiert, das Flaggschiff Variant 707 verträgt 150 PS. „Das sind schon Wasserwander-Boote, mit denen man in Ruhe die Landschaft genießen kann. Die haben alles drauf, was man braucht: Schlafraum, Küchenzeile, Toilette, Heizung“, schwärmt Krebs. Die Kunden können von Anfang an ihre Wünsche äußern – was möglich ist, wird erfüllt. Je nach Größe dauert der Bau zwischen sechs und zwölf Wochen. „Ein Kunde wollte mal eine Waschmaschine eingebaut haben. Haben wir gemacht.“ Die Boote sind sogar für küstennahe Gewässer zugelassen, doch die meisten schippern nicht auf dem Meer.

Kunden kommen aus ganz Deutschland, aber auch aus der Schweiz – vom Millionär bis zum Arbeiter ist alles dabei. Viele sind schon älter, aber es kommen auch wieder verstärkt jüngere Leute. Das Unternehmen setzt auf Handarbeit: „Wir machen alles selbst. Die Kunden sind bereit, für solche wertvollen Produkte mehr Geld auszugeben. Außerdem schätzen sie die familiäre Atmosphäre. Ich denke, es ist ihnen wichtig, wie hier mit Menschen und Materialien umgegangen wird. Denn wir kennen wirklich jede Schraube.“ Außerdem reparieren die Fachleute Boote aller Art, bauen sie um und lagern sie über den Winter ein. Oder sie restaurieren alte Kähne – mit handwerklichem Geschick. „Als junger Mensch merkt man irgendwann, ob man dauernd vorm Rechner sitzt oder man sich lieber einen Akkuschrauber nimmt“, meint Krebs.

„Egal in welchem handwerklichen Beruf – wenn man mit Leidenschaft dabei ist und arbeiten will, hat man gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.“

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf erlernen?  Lübeck (SH)

Wie lange dauert die Ausbildung? 3 ½ Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die betriebswirtschaftlichen, kaufmännisch-rechtlichen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teile 3 und 4) werden im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de). Fachtheorie und Fachpraxis (Teile 1 und 2) können bei der Handwerkskammer Lübeck  absolviert werden.

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.

>> Die weiteren Teile unserer Serie finden Sie hier.

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