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Serie Meister im Handwerk : Tradition trifft Nachhaltigkeit

vom
Aus der Onlineredaktion

Am Vorgehen eines Maßschuhmachers hat sich in den vergangenen 100 Jahren – außer technischen Hilfsmitteln – kaum etwas verändert

von
erstellt am 17.Jun.2017 | 16:00 Uhr

Seit jeher binden sich Menschen – ausgenommen einige Naturvölker – Materialien an ihre Füße, um diese zu schützen. Selbst Ötzi, die circa 5250 Jahre alte Eis-Mumie, trug zu Lebzeiten Schuhe. Kein Wunder also, dass dieses Handwerk bis heute Bestand hat. „Und auch in Zukunft gebraucht wird“, erklärt Ulrich Hammerich. Der 50-Jährige ist Orthopädieschuhtechniker in Wismar. „Die Leute werden immer älter und das Gesundheitsbedürfnis steigt. Da dürfen gute Schuhe natürlich nicht fehlen.“

Dem gebürtigen Lübecker wurde das Handwerk sozusagen in die Wiege gelegt. Schon der Großvater war Hofschuhmacher – „also nur in einem Hof“, sagt Hammerich und lacht. Der Vater übernahm das Geschäft in den 50er-Jahren. Seit 1996 führt nun er die Werkstatt in Wismar. Auch sein Bruder leitet ein ähnliches Geschäft in Lübeck. „Man könnte also sagen, das Schustern liegt meiner Familie im Blut.“

Am Handwerk gefällt dem Wismaraner nicht nur, am Ende des Tages etwas in der Hand zu haben, „sondern vor allem auch die Verzahnung von alter Handwerkskunst und moderner Technik“. Denn natürlich könne so ein Schuh komplett maschinell gefertigt werden, doch das Gefühl und vor allem die Passform seien nicht dieselben.

Daran, wie ein Schuh angefertigt wird, hat sich in den vergangenen 100 Jahren kaum etwas verändert – dafür umso mehr in Sachen Medizin. Darum besteht Hammerichs Handwerk auch nicht mehr nur aus reinen Neuanfertigungen. „Das ist tatsächlich eher selten“, sagt er. Stattdessen nimmt er vermehrt orthopädische Veränderungen an Schuhen vor und fertigt Einlagen an. Denn für jeden Fuß und vor allem jede Tätigkeit gäbe es den perfekten Schuh. Apropos Füße. Von denen lagern etwa 2500 Stück aus Holz im Lager des 50-Jährigen. Und da seien schon viele über die Jahre aussortiert worden. „Jeder unserer Kunden hat einen eigenen Leisten, der seine individuelle Fußform zeigt“, erklärt er. Auf diese Form werden Schuhe individuell angepasst. Und kommen Kunden zurück, kann der Holzleisten wiederverwendet werden. Im Jahr fertigt der Orthopädieschuhtechniker etwa 500 Paar Schuhe komplett neu an. Diese haben einen stolzen Preis von etwa 1000 bis 2000 Euro. „Mit den Produzenten auf dem Massenmarkt mitzuhalten ist damit unmöglich. Doch das ist auch nicht das Ziel.“ Wer bei Hammerich kauft, investiert in hohe Qualität und Nachhaltigkeit. Denn die Paare hielten oft dreimal so lange wie normal. Zudem werden in Wismar nur Materialien erster Wahl verwandt. „Bei manchen Schuhen können wir sogar nachvollziehen, auf welcher Weide die Kuh, von der das Leder stammt, gegrast hat“, so Hammerich stolz. Schuhe für 39 Euro würden in der Herstellung teilweise nur drei Euro kosten und seien mit Kompromissen verbunden.

Wer diesen Beruf erlernen möchte, sollte handwerkliche Begabung mitbringen, „da auch sehr filigrane Arbeiten gefragt sind“, teamfähig sein und keine Berührungsängste haben. „Die Füße sind ganz unten am Körper und werden nicht immer so gepflegt wie das Haupthaar.“

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf erlernen?  in Lübeck  (Schleswig-Holstein) oder Hamburg

Wie lange dauert die Ausbildung? drei Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die betriebswirtschaftlichen, kaufmännisch-rechtlichen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teile 3 und 4) werden im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten. Fachtheorie und Fachpraxis (Teile 1 und 2) können bei der Schuhmacherinnung in Hamburg absolviert werden.

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.

>> Die weiteren Teile unserer Serie finden Sie hier.

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