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Serie Meister im Handwerk : Stilvoller Tabak-Genuss vom Meister

vom
Aus der Onlineredaktion

Roland Kirsch ist der einzige Pfeifenbauer des Landes. Erlernt hat der 64-Jährige aber ursprünglich das Tischlerhandwerk

von
erstellt am 20.Mai.2017 | 16:00 Uhr

Am Anfang liegt da nur ein Holzstück. Zugegeben, ein besonders schönes, aber von einer Pfeife ist noch nichts zu erkennen. „Das ist die Wurzel des Bruyère-Strauchs. Die Maserung sieht aus wie Sonnenstrahlen“, schwärmt Roland Kirsch. Seit drei Jahren baut der 64-Jährige aus diesem Holz Tabakspfeifen. Er suchte eine Beschäftigung für die Zeit nach dem Berufsleben – und fand eine Passion. 2014 besuchte er einen Workshop bei einem professionellen Pfeifenbauer in seiner thüringischen Heimat. „Da ist bei mir eine Sucht entstanden. Außerdem muss ich jetzt kein Geld mehr für meine Pfeifen ausgeben. Nein, im Ernst: Es ging mir auch ums Design. Ich wollte diese 08/15-Pfeifen nicht mehr.“ In seinem Haus in Wittenförden richtete er sich eine Werkstatt ein, in die er in jeder freien Minute verschwindet. Während industriell hergestellte Pfeifen an Kopierfräsen entstehen, entwickeln sich die Stücke bei ihm nach und nach. „Die speziellen Rauch-Eigenschaften entstehen durch den Bohrkanal, das Füllvolumen und die Länge“, erklärt Kirsch. Der Prozess kann schon mal zehn Stunden dauern – je nach Form und Design. Am Stück Holz in seiner Hand zeichnet er die grobe Form an, schneidet sie aus, bohrt das Pfeifenloch und drechselt den Kopf. Am Ende wird die Pfeife mit Beize bearbeitet und dann geschliffen, damit die Zeichnung des Holzes gut herauskommt. „Das macht dieses Hobby so kreativ: Jedes Holz bringt einen anderen Pfeifentyp. Ich zeichne die Form vorher auf, muss sie dann aber je nach den Gegebenheiten des Holzes verändern.“

Die Mundstücke bestehen aus verschiedenfarbigem Acryl, es gibt sie mit Filter oder ohne. Sein Material kauft Kirsch über das Internet, dort findet er auch seine Kunden. Sie haben einen ganz unterschiedlichen Geschmack, was ihre Pfeifen angeht: „Manche wollen besonders kurze oder welche mit großem Füllvolumen. Anderen ist die Maserung des Holzes wichtig oder ob die Oberfläche rau oder glatt ist.“ Je mehr die Maserung parallel zum Pfeifenkopf läuft, desto wertvoller wird das Stück. Es gibt sogar Auftragsarbeiten: „Der Kunde gibt mir vor, wie er sich seine Pfeife vorstellt, wir gestalten sie praktisch gemeinsam, und ich baue sie dann hier in meiner Werkstatt.“ Die Einzelstücke kosten etwa 100 bis 200 Euro – auf dem Markt ein mittlerer Preis. Etwa 120 Stück stellt er pro Jahr her. Er selbst ist seit fast 20 Jahren Pfeifenraucher – davon gibt es in Norddeutschland nicht mehr so viele, mehr im Süden und Westen. „Viele von denen, die heutzutage Pfeife rauchen, haben einen kleinen Spleen“, meint Kirsch. „Die sind ein bisschen verrückt, wie passionierte Briefmarkensammler.“ Und unter ihnen sind durchaus auch Frauen. Ihn stört, dass das Pfeiferauchen wegen der gesundheitlichen Gefahren zerredet wird. „Dabei ist das ein Genuss, genau wie mancher einen guten Wein oder Whiskey genießt.“ Neuerdings ist Kirsch auch auf Messen präsent. Tagsüber arbeitet er als selbständiger Tischler, abends sind die hölzernen Unikate dran. Hier in MV ist er der einzige, der tatsächlich Pfeifen neu baut. Die meisten Pfeifenbauer gibt es in Süddeutschland und Österreich.

 

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf des Tischlers erlernen?  Hagenow, Waren-Müritz, Wismar

Wie lange dauert die Ausbildung?  3 Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die gesamte Meistervorbereitung wird im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de).

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.

 

>> Die weiteren Teile unserer Serie finden Sie hier.
 

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