Serie Meister im Handwerk : Sie steigt anderen aufs Dach

Stefanie Lehmann in ihrem Fest-Anzug mit goldenen Knöpfen.
Stefanie Lehmann in ihrem Fest-Anzug mit goldenen Knöpfen.

Stefanie Lehmann ist Schornsteinfegermeisterin. „In diesem Beruf werde ich mit viel Freundlichkeit belohnt“, sagt die 32-Jährige

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22. Juni 2017, 12:00 Uhr

Stefanie Lehmann steigt anderen Leuten gern aufs Dach. Weil es ihnen Glück bringen soll, fassen ihr manche Kunden sogar kurz auf das mit Leder besetzte Schulterstück, bevor sie durch die Dachluke hinaus steigt auf die schrägen Ziegel hoch über Schwerin. Gut fünf Kilogramm schwer ist das Kehrgerät, das Stefanie Lehmann am langen Seil den Schornstein mehrmals hinunter lässt, damit die Kehreinlage des kreisrunden Edelstahlbesens Russ und Dreck abkratzen.

Die traditionelle Kaminreinigung macht inzwischen nur noch knapp die Hälfte der Arbeit einer Schornsteinfegerin aus. „Unser Beruf hat sich gewandelt“, sagt die 32-jährige Meisterin des symbolträchtigen Handwerks. „Tradition und Innovation gehören längst zusammen.“ Bei weitem schwerer als das Kehrgerät ist der Messkoffer, den Stefanie Lehmann durch Betriebe, Häuser und Wohnungen trägt.

Darin transportiert sie allerlei moderne, mit Fühlern, Düsen und Zeigern ausgestattete Mess-, Prüf- und Arbeitsgeräte, mit denen sie zum Beispiel prüft, ob zu viel giftiges Kohlenmonoxid aus der Gas-Therme der Etagenheizung tritt. Oder sie kontrolliert, ob die Rauchwarnmelder in einer Wohnung funktionieren. Sie untersucht auch, wie der Ruß beschaffen ist, der sich im Rauchfang des Ofens einer Pizzeria abgesetzt hat. „Wenn er glänzt, war das Ofenholz zu feucht.“ Im selben Betrieb sieht sie nach, wie viel Fettansatz die Dunstabzugshaube über dem Gasherd aufweist, und ob das Sicherheitsmagnetventil einsatzbereit ist. Letzteres soll den Ofen ausschalten, falls der Dunstabzug versagt. „Zu viel Fett erhöht das Risiko eines Brandes. Und Brandschutz ist immer noch die Kernaufgabe unseres Gewerbes“, sagt Stefanie Lehmann.

Wenn Brennöfen und Kamine verändert oder neu angeschlossen werden, muss ein Schornsteinfeger grünes Licht geben, bevor sie in Betrieb genommen werden. Stefanie Lehmann muss viel rechnen, wenn sie ermessen will, ob beides zueinander passt. Denn es macht einen Unterschied, ob der Brenner im Keller oder im Wohnzimmer steht, ob Holz, Gas oder Kohle verbrannt werden, ob das Haus am Meer oder in den Bergen auf 1500 Meter Höhe steht. Es kommt unter manch anderen Faktoren auch darauf an, wie heiß die Abgase des Brenners sind, wie hoch und aus welchem Material der Schornstein ist und welchen Querschnitt er aufweist. Die Schornsteinfegerin berät ihre Kunden zudem, wie sie Energie sparen können: „Wer zum Beispiel sein Kaminholz richtig lagert und seinen Kamin richtig befeuert, kann einiges an Kosten sparen.“ Natürlich nur, wenn auch Zugluft und Thermik stimmen.

Drei Jahre lang hat Stefanie Lehmann ihr Handwerk gelernt. Dreieinhalb Jahre dauerte später die berufsbegleitende Meisterschule. 2011 machte sie sich selbstständig. Wenn es etwa ums Messen und Kehren geht, steht sie als Dienstleisterin im Wettbewerb mit anderen Schornsteinfegern. Wenn es um staatlich vorgeschriebene Überprüfungen von Feuerstätten geht, hat sie als bevollmächtigte Bezirksschornsteinfegerin 2000 Liegenschaften in Schwerin und im nordwestlichen Umland zu betreuen. Nach sieben Jahren muss sie sich bei der Aufsichtsbehörde neu für ihren Bezirk bewerben.

Schon als Kind wollte Stefanie Lehmann Schornsteinfegerin werden. Bevor sie sich ans Kehr-Werk macht, bekommt sie auf den Dörfern oft einen Kaffee serviert und darf sich anhören, was sich zugetragen hat seit ihrem vorigen Besuch. „In diesem Beruf“, sagt sie, „werde ich mit viel Freundlichkeit belohnt“.

 
 

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf  erlernen?  Eilenburg/Doberschütz (Sachsen)

Wie lange dauert die Ausbildung?  3 Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die betriebswirtschaftlichen, kaufmännisch-rechtlichen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teile 3 und 4) werden im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de). Fachtheorie und Fachpraxis (Teile 1 und 2) können in der Bildungsstätte des Schornsteinfegerhandwerks e.V. in Doberschütz absolviert werden.

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.



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