Serie Meister im Handwerk : Mit Hammer und Schweißroboter

Der 80-jährige Erich Schrapers hat sein gesamtes Arbeitsleben mit Metall verbracht.
Der 80-jährige Erich Schrapers hat sein gesamtes Arbeitsleben mit Metall verbracht.

1964 gründeten Erich Schrapers und seine Frau ihren Familienbetrieb, der inzwischen in zweiter Generation fortgeführt wird

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26. Mai 2017, 12:00 Uhr

„Metallbau Schrapers, gegründet 1964“ müsste auf dem Schild über der Tür stehen. Aber da ist keines. Der Familienbetrieb in Wittenburg hat einen guten Ruf – „solche Werbung brauchen wir nicht“, sagt Erich Schrapers. Seit fast zehn Jahren hat er sich aus den täglichen Abläufen hier zurückgezogen, sein Sohn hat übernommen. Doch wenigstens in Gedanken ist der Senior nach wie vor dabei.

Er stammt aus Perdöhl, wenige Kilometer von Wittenburg entfernt. Schon Urgroßvater, Großvater und Vater waren Schmiede, und auch Erich wurde Meister in diesem Beruf. „Mit zwölf Jahren fing ich an – damals reichten ein paar Jahre Volksschule als Voraussetzung.“ Später traf er in Rostock Erika, die seine Frau wurde. Die gelernte Bankkauffrau kümmerte sich um die Buchhaltung, half aber auch auf Montage. Die beiden gründeten ihre Schmiede 1964 in Dreilützow. „Wir haben alles gemacht: Pferde beschlagen, Wagen und landwirtschaftliche Geräte repariert, Beschlagteile für Türen und Tore angefertigt“, erzählt der 80-Jährige. „Eigentlich wurde zu der Zeit ja alles sozialistisches Eigentum, aber bei uns im Dorf gab es keine Möglichkeiten für Schlosser- oder Schmiedearbeiten. Deshalb haben wir eine Gewerbeerlaubnis bekommen.“ Mit der Zeit stieg Schrapers auch in Stahlbau und Bauschlosserei ein, belieferte unter anderem die Werften in der DDR. „Das Berufsbild hat sich völlig gewandelt. Unsere Arbeit war enorm gefragt, wir hatten immer viel zu tun.“ Wir – das waren nur die Schrapers’ und zwei Mitarbeiter. 1990 zog die Firma nach Wittenburg um. „Manche meiner Kollegen hatten damals wenig zu tun“, erinnert sich Schrapers. „Aber bei uns lief es gut.“ Die Aufträge wurden mehr und größer, bald arbeiteten acht bis zehn Leute hier. Die Kunden waren hauptsächlich Privatleute, die Zäune, Tore, Geländer für Treppen oder Balkons bestellten. Aber Schrapers arbeitete auch für Bauunternehmen und Architekten. „Hauptsächlich blieben wir hier in der Region. Wir haben moderate Preise gemacht – nach dem Motto „leben und leben lassen“. Ich wollte ja meine Kunden öfter mal auf meinem Hof sehen.“ Sohn Peter, Jahrgang 1970, machte zunächst Abitur, wollte aber auch Schmied werden. Er meldete sich bald nach der Gesellenprüfung zur Meisterschule an. „Als er damit fertig war, haben wir ihm den halben Betrieb übergeben, damit er langsam reinwachsen konnte“, erzählt der Senior. „So hatten wir jahrelang zwei Betriebe parallel: er seinen, wir unseren. 2008 hat er dann den Rest übernommen.“ Es ist nach wie vor ein Handwerksbetrieb, aber es gibt auch hochmoderne Maschinen wie den Schweißroboter. Erich Schrapers selbst konnte die Hände auch nach dem Ausstieg nicht stillhalten, half weiter in der Firma aus, beschlug ab und zu sogar noch Pferde. Er hat all das, was ein Metallbauer seiner Meinung nach braucht:

Lust auf diese Arbeit, Eigeninitiative, Neugier. „Und um die Ecke denken muss man können: Was passiert da hinten, wenn ich hier dies mache?“ Er rät, die Lehrzeit so intensiv wie möglich zu nutzen, um Kenntnisse und Erfahrungen aufzusaugen. „Immerhin soll derjenige später mit seiner Hände Arbeit Geld verdienen.“ Und die Qualitätsansprüche steigen ständig. „Also, auf dem Arbeitsmarkt stehen die Chancen gut. Ich würde lieber einen höher bezahlten, aber sehr guten Facharbeiter beschäftigen als jemanden, der zwar weniger Geld bekommt, aber nicht so gut arbeitet. Der gute schafft ja viel mehr in besserer Qualität.“

Der Ausbildungsberuf

  • Wo kann man den Beruf erlernen?  Wismar, Ludwigslust, Rostock mit entspr. Fachr. dann auch Berlin und Eckernförde
  • Wie lange dauert die Ausbildung? 3 ½ Jahre
  • Wie gestaltet sich der Weg ZUM Meister? Die gesamte Meistervorbereitung wird im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de).
  • Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.
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