Qualifikationsdrang im Handwerk : Meisterausbildung steht trotz hoher Kosten hoch im Kurs

Qualifikation im Berufsbildungszentrum des Handwerks in Schwerin: Mehr als 4700 Handwerker haben in Westmecklenburg seit der Wende ihre Meisterprüfung abgelegt.
Qualifikation im Berufsbildungszentrum des Handwerks in Schwerin: Mehr als 4700 Handwerker haben in Westmecklenburg seit der Wende ihre Meisterprüfung abgelegt.

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09. Mai 2017, 12:00 Uhr

Trotz der um mehr als die Hälfte auf nur noch 41 Berufe gekürzten Meisterpflicht steht in Mecklenburg-Vorpommern bei Gesellen die Premiumausbildung hoch im Kurs. Im vergangenen Jahr hätten allein in Westmecklenburg 564 Handwerker an Meisterkursen teilgenommen – 256 mehr als zehn Jahre zuvor, ermittelte die Handwerkskammer Schwerin. Ungeachtet hoher Ausbildungskosten von bis zu 10 000 Euro und den mehrjährigen Belastungen in der berufsbegleitenden Ausbildung wollten viele mit der Meisterausbildung ihr Berufsleben auf ein ordentliches Fundament stellen, erklärte Edgar Hummelsheim, Chef der Handwerkskammer Schwerin gestern: „Die Handwerker wollen eine solide Ausgangslage.“ Zwar habe die Einführung des Meister-Bafög und die vom Land gezahlten Meisterprämien für erfolgreiche Absolventen in Höhe von derzeit 1000 und ab 2018 von 2000 Euro die Bedingungen deutlich verbessert. Das Handwerk fordere dennoch eine Gleichstellung der beruflichen und akademischen Ausbildung, meinte Hummelsheim: „Das wäre eine Gleichstellung.“ Inzwischen gebe es Überlegungen, die Meisterausbildung dem weitgehend kostenfreien Studium gleichzusetzen. So habe beispielsweise SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz eine kostenfreie Meisterausbildung in Aussicht gestellt.

Der Aufwand lohnt: So stünden vor allem Handwerksbetriebe mit Meisterpflicht in Deutschland für die Berufsausbildung ein. 95 Prozent aller Lehrlinge im Handwerk würden in diesen Gewerken ausgebildet, so die Handwerkskammer. Die Ausbildungsleistung in den Handwerksberufen, die mit der Novelle der Handwerksordnung 2004 aus der Meisterpflicht genommen wurden, sei dagegen deutlich gesunken.

Auch verfügten Meisterbetriebe häufig über eine bessere wirtschaftliche Basis als Solo-Betriebe. Sie haben Kammerangaben zufolge eine längere Lebensdauer und bessere Voraussetzungen, Arbeitslosigkeit zu vermeiden, hätten Arbeitsmarktanalysen ergeben. So liege die Erwerbslosenquote für Meisterabsolventen unterhalb der von Akademikern. Die Zusatzqualifikation zahlt sich indes auch im eigenen Portmonee aus: So habe eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) , dass das durchschnittliche Lebenseinkommen eines Handwerksmeisters ungefähr gleichauf mit dem eines Fachhochschulabsolventen liege. Für Kammerchef Hummelsheim gute Chancen für junge Leute: „Auf Sicht bietet das Handwerk gute Zukunftsaussichten.“  

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