Interview Stefan Rudolph : „Kann sich das Handwerk gut entwickeln, entwickelt sich auch MV gut“

Kreishandwerksmeister Hans-Werner Mrowiec (l.) bedankte sich bei Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph für das Referat.
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Staatssekretär Dr. Stefan Rudolph

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21. Mai 2017, 05:00 Uhr

Das Handwerk blickt in MV auf eine lange Tradition zurück und wird besonders gefördert. Wie das genau aussieht, darüber sprach Volontärin Viviane Offenwanger mit Stefan Rudolph, Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums in MV.

Herr Rudolph, warum ist das Handwerk von so besonderer Bedeutung?
Rudolph: Weil es in deutlichem Maße unsere Volkswirtschaft stützt. Jeder zehnte Euro an Bruttowertschöpfung wird im Land durch das Handwerk erzeugt und jeder siebte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Land ist im Handwerk tätig. Würde uns da etwas wegbrechen, würden wir wirtschaftlich großen Schaden erleiden. Wir sind daher klug beraten, beste Bedingungen zu schaffen. Denn kann sich das Handwerk gut entwickeln, wird sich auch MV gut entwickeln.

Was tut das Wirtschaftsministerium, um junge Leute für das Handwerk zu begeistern?
Wir sorgen als Politik aktiv dafür, dass öffentliche Gelder die außerschulische Berufsfrühorientierung unterstützen und Wirkung entfalten. Dafür haben wir uns mit der Bundesagentur für Arbeit zusammengetan und gemeinsam knapp 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Dadurch werden beispielsweise Berufsorientierungscamps möglich, in denen Schüler in einer Art Feriencamp die Möglichkeit bekommen, das Berufsleben auf ganz neue Weise kennenzulernen. Auch durch zusätzliche Betriebspraktika bekommen sie leichter ein Gefühl dafür, was zu ihnen passen könnte und was eher nicht. Wir unterstützen zudem auch Kampagnen wie „Besser ein Meister” der Handwerkskammer.

Hat dieses Engagement bereits Früchte getragen?
Durchaus. Wenn man bedenkt, dass inzwischen jeder vierte Auszubildende im Land im Handwerk ausgebildet wird, sehen wir, dass die Systeme greifen. Zudem können wir auf stabile Unternehmenszahlen im Handwerk blicken. 2016 verzeichnete die Handwerkskammer Schwerin beispielsweise 504 Neugründungen und 479 Betriebslöschungen – also mehr Betriebe. Um auch in Zukunft ein starkes Handwerk zu haben ist es aber wichtig, die Qualität zu erhalten und auszubauen, z.B. durch eine Vielzahl von Meisterausbildungen.

Das erreichen Sie vor allem durch finanzielle Anreize, wie das Meister-Extra.
Ja, das ist jedoch nur eines von mehreren Instrumenten. Zudem gibt es noch die Meister-Prämie und den Meister-Dank. Die Meister-Prämie erhalten alle Handwerks- und Industriemeister, wenn sie die Prüfungen erfolgreich absolviert haben. Sie bekommen dann eine Anerkennung in Höhe von 1000 Euro. Diese wollen wir 2018 auf 2000 Euro erhöhen. Zudem sollen die besten Prüflinge 5000 Euro erhalten. Das Meister-Extra (7500 Euro) erhalten dann diejenigen Meister, die ein neues Unternehmen gegründet und mindestens einen Mitarbeiter eingestellt haben. Wir sehen das als Starthilfe an. Jährlich auszuwählende Unternehmen, die Vorbild sind in Sachen Tradition, Innovation und Vereinbarkeit von Beruf und Familie, werden mit dem Meister-Dank in Höhe von 2000 Euro belohnt. Sie sollen dadurch andere inspirieren, noch besser zu werden.

Grenzt das nicht an Bevorzugung gegenüber anderen Bildungswegen?
Meiner Einschätzung nach ist das keine Bevorteilung, sondern volkswirtschaftlich vernünftig. Zudem sind viele Ausbildungs- und Studiengänge kostenlos, eine Weiterbildung zum Meister hingegen ist mit 4000 bis 9000 Euro relativ teuer. Oftmals herrscht auch noch das Vorurteil, nur wer ein Studium abgeschlossen hat, hätte es im Leben zu etwas gebracht. Das ist schlicht Unsinn. Im Übrigen, die Qualifizierung zum Meister ist gleichwertig mit einem Bachelor-Abschluss und eine intellektuelle Alternative.

Trotzdem klagen viele Betriebe über Nachwuchssorgen. Sollte das Handwerk interessanter für Frauen und Flüchtlinge werden?
Das Klischee vom Handwerk als Männerdomäne löst sich auf. Schon heute wird im Land jede zehnte Meisterprüfung durch eine Frau abgelegt und jede fünfte Frau im deutschen Handwerk ist in einer Führungsposition. Zudem drängen Technik und Digitalisierung schwere körperliche Arbeitsschritte so weit zurück, dass sich die Frage nach Mann oder Frau oft gar nicht mehr stellt. Das Thema, Flüchtlinge im Handwerk ist eine andere Frage. Als erstes geht es darum, unsere jungen Leute in Arbeit zu bringen. Bei 12 000 Schulabgängern und beinahe genausovielen Ausbildungsplätzen reichen unsere jungen Menschen schon rechnerisch nicht aus. So nimmt kein Flüchtling einem Deutschen Arbeit weg.

>> Die weiteren Teile unserer Serie finden Sie hier.

 

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