Serie Meister im Handwerk : Einkleider der Oldtimer

Maßarbeit: Thomas Buck prüft, ob Motorhaube und Kotflügel eines Jensen Interceptor Serie 3 das selbe Niveau haben.
Maßarbeit: Thomas Buck prüft, ob Motorhaube und Kotflügel eines Jensen Interceptor Serie 3 das selbe Niveau haben.

Aston Martin, Bentley, Barcas, Jaguar: Der Grabower Karosseriebauer Thomas Buck möbelt in die Jahre gekommene Autos wieder auf

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20. Juni 2017, 11:55 Uhr

Mit geschultem Blick erkennt Thomas Buck, dass der Türspalt des Porsches nicht gleichmäßig breit ist. Auch die Dachleiste verläuft unregelmäßig. Über dem Aufnehmer für den Wagenheber ist der Holm eingedellt. All das weist bereits auf Rost oder frühere Unfallschäden hin. So wie die Bläschen im hellblauen Lack des Kotflügels und die kleinen Beulen im Radkasten, gegen dessen Bleche der fahrende Reifen ständig kleine Steine schießt. „Das gesamte Ausmaß der Schäden wird erst deutlich, wenn der Lack und der Unterboden ab ist“, sagt Buck.

In Bucks Werkstatt in Grabow wartet auf einer Hebebühne ein weißer Aston Martin DB6 – dieses Nachfolgemodell fuhr der frühe James Bond in „Goldfinger“ – auf neue Seitenschweller, eine Kombination aus Alu und Stahl. Darunter steht ein hellblauer Porsche 356 B, dem seine knapp 50 Jahre durchaus anzusehen sind. Ein örtlicher Handwerksmeister hat seinen Kleintransporter Barcas im typischen DDR-Rot bei Buck in treue Hände gegeben. Auf dem Hof müssen ein Mini Cooper Van und ein „buckliger“ Jaguar ausharren, bis Buck und seine drei Mitarbeiter sich ihrer annehmen. Allesamt Liebhaberstücke, die ihren Eigentümern viel bedeuten.

Der Karosseriebaumeister hat sich darauf spezialisiert, Oldtimer zu restaurieren. Das braucht Zeit und individuelle Lösungen. „Hektik im Minutentakt, wie in einem gewöhnlichen Reparaturbetrieb, passt nicht zu diesen alten Autos.“ Die KfZ-Mechaniker sind für Motor und Getriebe zuständig, die Karosseriebauer „kleiden das Auto ein“, erläutert Buck. Wo der Zahn der Zeit am Stahlblech genagt hat, prüft Buck, ob vorgefertigte Ersatzteile für eine Reparatur infrage kommen. „Das Angebot ist breit, aber selten passt es so, dass es nach dem Einbau nicht auffällt.“ Häufig misst Buck die Schadstellen aus, schneidet, biegt und dengelt Ersatzstücke zurecht, die nach traditionellen Schweißmethoden eingebaut werden. Soweit möglich, ebnet Buck auch Beulen wieder ein. „Dann müssen wir nichts herausschneiden.“ Dennoch müssen die Bleche neu lackiert werden.

Vor 26 Jahren war Buck einer der letzten Lehrlinge beim Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk (KIW) „Vorwärts“ in Schwerin. Als Geselle landete er bei Car & Driver, einem auf Oldtimer spezialisierten Betrieb in Hamburg. „Dort habe ich zum ersten Mal an alten englischen Autos gearbeitet.“ 1996 machte er seinen Meister und 1999 den ersten eigenen Betrieb auf. Buck wurde während seiner Ausbildung zum besten Lehrling gekürt. Er selbst bildet nun auch aus. Zwei seiner Lehrlinge wurden Bundessieger in diesem traditionsreichen Handwerk.

Ein Karosseriebauer braucht räumliches Vorstellungsvermögen, er muss rechnen können und Ahnung von Geometrie haben. Grundwissen in Chemie und Physik schadet nicht. Buck: „Wichtig ist vor allem die Lust an allem, das sich bewegt.“ Buck bezeichnet seine Tätigkeit gern als „Nerd-Beruf“. Der Hightech-Faktor ist in diesem Handwerk allerdings so gering wie der Fließband-Faktor. „Kein Oldtimer gleicht dem anderen.“ Die meisten seiner Kunden bringen ihm Wagen aus den 1960er bis 1980er Jahren. Restauriert hat Buck aber auch schon einen Bentley MK IV von 1946. „Der Rahmen war noch genietet und nicht geschweißt.“ Seinen Kunden schickt er per Email detaillierte Fotos, damit sie wissen, wie es mit den Arbeiten vorangeht. Wenn einer von ihnen dann stolz mit seinem wiederhergestellten Oldtimer vom Hof fährt, „dann wird man schon etwas sentimental“, sagt Buck.

 
 

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf  erlernen?  Stralsund

Wie lange dauert die Ausbildung?  3 ½ Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die betriebswirtschaftlichen, kaufmännisch-rechtlichen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teile 3 und 4) werden im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de). Fachtheorie und Fachpraxis (Teile 1 und 2) können bei den Handwerkskammern Cottbus oder Braunschweig-Lüneburg-Stade oder in der Meisterschule für Karosserie- und Fahrzeugbau Leipzig absolviert werden. Die Meisterausbildung zum Kfz-Mechatroniker kann komplett in Vollzeit oder berufsbegleitend im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin durchgeführt werden.

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.



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