Serie Meister im Handwerk : „Craft-Beer ist eigentlich Quatsch“

Braumeister Stefan Beck bezeichnet sich selbst als „konservativen Bierliebhaber“.
Braumeister Stefan Beck bezeichnet sich selbst als „konservativen Bierliebhaber“.

Warum sich Braumeister Stefan Beck mit dem anhaltenden Craft-Beer-Hype nicht anfreunden kann

svz.de von
09. Juni 2017, 12:00 Uhr

Wenn im Sommer die großen Kreuzfahrtschiffe im Hafen von Warnemünde einfahren, strömen auch amerikanische Touristen nach Mecklenburg-Vorpommern. Auf dem deutschen Festland suchen sie „das“ deutsche Getränk: Bier. Deshalb besuchen viele Amerikaner das Brauhaus am Lohberg in Wismar. Stefan Beck ist dort Braumeister. Gruppen von bis zu 80 Personen drängen sich dann in die Gaststätte mit zwei großen Braukesseln.

Für Beck beginnt dann ein Spagat zwischen Unterhaltung und Aufklärung. Denn seine Gäste wundern sich dann nicht nur über seinen Namen, der nur zufällig wie eine bekannte Biermarke klingt, sondern sie haben auch eine klare Vorstellung vom deutschen Bierland. Und diese sieht aus wie ein großes Oktoberfest.

Beck versucht seine Gäste schrittweise an die deutsche Realität zu gewöhnen. Sie bekommen zuerst eine Bretzel vorgesetzt, nachdem sie sich an den vielen Tischen der Gaststätte niedergelassen haben. Etwas Klischee muss sein.

Doch Stefan Beck hat auch seine Grenzen. Etwa wenn er den Besuchern sein Bier „Roter Erik“ auf den Tisch stellt und dann die Frage gestellt bekommt: „Ist das Craft-Beer?“ Schließlich verbinden viele Biertrinker heutzutage unkonventionell aussehende Biere mit einem anderen Geschmack, mit dem des „Craft-Beer“.

Der Trend schwappte vor mehr als zehn Jahren aus den USA nach Deutschland über. Stefan Beck ist auf die Frage nach dem Craft-Beer vorbereitet, denn er kennt die Geschichte der amerikanischen Brauereien. Er erklärt seinen verwunderten Gästen dann, dass im letzten Jahrhundert fast ausschließlich industriell-gefertigtes Bier in den Staaten üblich war. Bis heute beherrschen die Konzerne Anheuser-Busch und SAB Miller den größten Teil des Marktes. Handwerklich-produziertes Bier aus kleinen Brauereien war mit der Prohibition, dem 13 Jahre andauernden Alkoholverbot in den 1920ern, verschwunden.

Erst in den 1980ern gründeten bierbegeisterte Amerikaner wieder kleine Brauereien. Die Craft-Beer-Bewegung nahm an Fahrt auf und und die Amerikaner sind noch immer begeistert. „Craft“ stammt vom englischen Wort „handcraft“ und bedeutet „handwerklich hergestellt“. „Craft-Beer gibt es schon lange, weil es seit jeher handwerklich produziert wurde. Ich sage dann meinen amerikanischen Gästen, in Deutschland gab es Craft-Bier, zweihundert Jahre bevor die USA gegründet wurden. Das beeindruckt“, so Beck.

Dennoch gab der Braumeister den Fragen nach der Bier-Mode etwas nach. Im Dezember 2016 erschien ein neues Prospekt des „Brauhaus am Lohberg“. Dort steht etwas trotzig neben der Überschrift „Bierherstellung im Brauhaus“ auch „Craft Beer“. „Als der Trend mit dem Craft-Bier damals aufkam, dachte ich nur, so ein Quatsch, das machen wir in Deutschland schon immer. Das Rezept der Biersorte Wismarer Mumme ist 550 Jahre alt und wurde schon immer von Handwerksmeistern gebraut. Eben wie Craft-Beer“, so Beck.

Der Ausbildungsberuf

Wo kann man den Beruf  erlernen? Dortmund (NRW), München (B), Bremen Wie lange dauert die Ausbildung?  3 Jahre

Wie gestaltet sich der Weg zum Meister? Die betriebswirtschaftlichen, kaufmännisch-rechtlichen sowie berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse (Teile 3 und 4) werden im Bildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwerin angeboten (www.btz-schwerin.de). Fachtheorie und Fachpraxis (Teile 1 und 2) können bei der Handwerkskammer für Oberfranken absolviert werden.

Wie sehen die Berufschancen aus? Über die Ausbildungsmöglichkeiten und -betriebe im Land informieren die Ausbildungsberaterinnen der Handwerkskammer Schwerin unter Tel. 0385 7417-136 oder -172.

>> Die weiteren Teile unserer Serie finden Sie hier.

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