Verrechnet & abgewählt - Kommentar

svz.de von
16. Juli 2008, 09:46 Uhr

Das hat wohl keiner wirklich erwartet. Selbst diejenigen in der Schweriner Stadtvertretung, die den ersten Bürgerentscheid zur Abwahl eines Oberbürgermeisters in MV initiierten, wussten von Anfang an, dass das Quorum enorm hoch ist. Um so größer gestern die Überraschung, die Verblüffung – und bei den politischen Gegnern Norbert Claussens (CDU) in der Landeshauptstadt – der Jubel. Die CDU in der Stadt hat sich mit ihrer Taktik gründlich verrechnet.

Über 29 000 Schweriner haben ihrem Oberbürgermeister die rote Karte gezeigt. Und das ist nicht nur die Quittung für das Krisenmanagement des OB und seiner Verwaltung im Fall der toten Lea-Sophie sondern das Ergebnis seiner Politik. Deutlich mehr Bürger sind nämlich mit Claussens Stadtführung unzufrieden, als ihn fast auf den Tag genau, am 28. April 2002, vor sechs Jahren wählten. Damals brachte er 20 533 Schweriner hinter sich.

Die Frage nach der persönlichen Konsequenz für Claussen ist gestern von den Bürgern entschieden worden. Die Frage nach der Konsequenz für die Landeshauptstadt steht in den nächsten Monaten vor den Schwerinern. Ein Jahr vor der Buga-Eröffnung, im Jahr vieler wichtiger Entscheidungen für die Stadt, siehe Haushaltssanierung, siehe Kreisreform, siehe Zukunft des Theaters und Halleninvestitionen, kommt jetzt auf die Stadt ein Wahlkampf zu – und damit zugleich ein sehr schwieriges Jahr.

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