Plüschtiere auf dem Grab

svz.de von
16. Juli 2008, 10:57 Uhr

Schwerin - Die letzte Ruhestätte der verhungerten Lea-Sophie auf dem Waldfriedhof ist mit Tannen bedeckt. Neben Blumensträußen liegen Plüschtiere, zwei Windlichter flackern. Auf dem Grab liegt ein Zettel mit einem selbst geschriebenen Gedicht an Lea-Sophie. Bald soll auch ein Stein auf dem Urnengrab stehen.

Mehr als 2000 Euro aus Privatspenden seien dafür zusammen gekommen, so Pastor Ralf Schlenker, der auch die Trauerrede für das im November 2007 qualvoll gestorbene Mädchen bei einer öffentlichen Gedenkstunde gehalten hatte, gegenüber unserer Zeitung. Vor Ostern solle der Grabstein gesetzt werden. Die Stadt habe sich seines Wissens nach nicht an den Kosten offiziell beteiligt, sagt Schlenker. Das Geld sei auf Initiative des Lankower Kirchgemeinderates gesammelt worden. In dem Stadtteil also, in dem Lea-Sophie zuletzt lebte. „Die Großeltern des Mädchens sind sehr dankbar für dieses Zeichen der Anteilnahme“, so Pastor Schlenker.

Gescheiterte Abwahl„verheerendes Signal“

Anders als viele Schweriner tue sich die Stadt schwer, sichtbare Zeichen bei der Aufarbeitung der Tragödie zu setzen, kritisiert der Kinderschutzbund Schwerin. Dass der eigentlich für morgen angekündigte abschließende Bericht der Verwaltung zu besseren Strukturen im heftig kritisierten Jugendamt erst später veröffentlicht wird und die Abwahl des seinerzeit für das Jugendamt zuständigen Dezernenten Hermann Junghans (CDU) scheiterte, wertet Nadine Schomann vom Kinderschutzbund als „weitere verheerende Signale“. Es sei schlicht nicht nachvollziehbar, dass die fachliche Aufarbeitung der längst auch von der Stadt eingeräumten Fehler im Jugendamt so lange dauerten, dass verantwortliche Politiker nicht zu ihren Fehlern stünden und selbst Konsequenzen zögen, sagt Schomann. Vollkommen unverständlich sei ihr auch, warum am Montag in der Stadtvertretung die notwendige Mehrheit für eine Entfernung von CDU-Dezernent Hermann Junghans nicht zustande kam, obwohl sich zuvor alle Fraktionen für diesen Schritt ausgesprochen hatten. „Das ist alles sehr enttäuschend, eine offene und ehrliche Aufarbeitung der Vorgänge um den Fall Lea-Sophie sieht anders aus“, kritisiert auch die Geschäftsführerin des Schweriner Kinderschutzbundes, Bärbel Schirrmacher.

Zweiter Verwaltungsbericht liegt erst Mitte März vor
Tatsächlich wird sich der eigentlich für morgen angekündigte zweite Bericht der Verwaltung mit Vorschlägen zu Umstrukturierungen in der Behörde verzögern. Veröffentlicht werden soll das Papier erst Mitte März, was die Mitglieder des zeitweiligen Ausschusses der Stadtvertreter zum Fall Lea-Sophie aber bereits akzeptiert haben. Der Bericht soll vor seiner Veröffentlichung noch dem jetzt für das Jugendamt zuständigen Dezernenten Wolfram Friedersdorff (Linke) vorgelegt werden, der zurzeit im Urlaub ist.

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