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Jahrhundertflut

20. November 2017 | 20:10 Uhr

Treibgutgefahr auf der Elbe

vom

svz.de von
erstellt am 07.Jun.2013 | 09:23 Uhr

Dömitz/Heiddorf | Fast bis zu den Achsen steht der Bundeswehr-Lkw im Wasser des Dömitzer Hafens. Dann lassen die Soldaten des Pionierbataillons 130 aus Minden das Boot von der Ladefläche ins Nass gleiten und nehmen - vorbei an den Passagierschiffen - Kurs auf die Elbe. Treibgut von den Deichen fernzuhalten, sei ihre Aufgabe, erklärte ein Hauptgefreiter, der an Land bei der Technik zurückgeblieben war. Staunende Zuschauer verfolgen das Geschehen. Soldaten in Dömitz, das gab es schon lange nicht mehr. Die Gefahr eines weiteren Jahrhunderthochwassers hatte die Truppe in die Region geführt.

Und nicht nur sie. Mittlerweile seien fast 950 Soldaten in der Elbregion des Landkreises Ludwigslust-Parchim und des Amtes Neuhaus im Einsatz, erklärte gestern Nachmittag Oberstleutnant Christian Rosenkranz, Leiter des Kreisverbindungskommandos. Nicht nur von den Panzergrenadieren aus Hagenow, sondern auch aus Bad Sülze, Neubrandenburg, Sanitz und eben Minden. Das Pionierbataillon habe nicht nur Taucher, sondern auch Spezialtechnik wie Amphibienfahrzeuge, Faltbrücken und Schnellbaustraßen dabei. "Sie befahren unter anderem die Elbe, um festzustellen, ob es Schwachstellen in den Deichen gibt", so Rosenkranz. Ein Teil der Technik steht mittlerweile am Fluss, der andere Teil, der aktuell noch nicht benötigt wird, auf dem Truppenübungsplatz Lübtheen.

Obwohl die für Dömitz und Boizenburg prognostizierten Werte in den vergangenen Tagen immer weiter sanken, wollte Landrat Rolf Chris tian sen gestern noch keine Entwarnung geben. "Die Lage ist nicht ganz eindeutig", sagte er mit Blick auf die ges trige Vorhersage, die sich wieder deutlich verspätete. In Magdeburg ist das Wasser gestern um mehr als zehn Zentimeter höher als erwartet aufgelaufen. "In Tschechien werden wieder Niederschläge erwartet, die zwar nicht die Höhe, aber die Dauer des Hochwassers beeinflussen", so Christiansen.

Treibgut kann eine Gefahr für die Deiche werden. Schon jetzt schwimmen ganze Baumstämme mit Ästen, in denen sich weiteres Treibgut verfängt, mit beeindruckender Geschwindigkeit elbabwärts. Treffen sie auf die Hochwasserschutzanlagen, kann die Grasnarbe beschädigt werden. Der Zustand der Deiche wird in den nächsten Tagen genau beobachtet. Ab Sonntag gehen am Elbabschnitt bei Dömitz Deich wachen im Schichteinsatz Patrouille, wie der Amtswehrführer von Dömitz-Malliß, Fred Neumann, informierte.

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Torsten Kirst war er gestern Vormittag an Elbe, Müritz-Elde-Wasserstraße, "Doofer Elde" und Löcknitz unterwegs, um die Kontrollstrecken für die einzelnen Helfer festzulegen. "Die Deichwächter sind allesamt freiwillige Helfer, die exakt wissen müssen, worauf sie zu achten haben. Entdecken sie Gefahrenstellen wie Qualmwasser an der dem Wasser abgewandten Seite, müssen sie die Feuerwehrführungskräfte über Funk alarmieren", erläuterte Torsten Kirst. "Die wiederum fordern direkt von den zentralen Deponieorten Sandsäcke an, die Feuerwehrkameraden sofort an der Schwachstelle verbauen."

Kirst informierte sich insbesondere bei den Soldaten am Heiddorfer und Neu-Kalisser Deich, wohin besonders geguckt werden muss. "Wir wollen den Deichwachen bereits bei der Ersteinweisung am Sonnabend die nötige Sicherheit geben, damit sie in kritischen Situationen effektiv handeln können. Das kann insbesondere auf Kontrollgängen in der Nacht entscheidend sein."

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