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Magdeburg läuft voll wie eine Wanne

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svz.de von
erstellt am 09.Jun.2013 | 07:32 Uhr

Magdeburg | Das Hochwasser-Drama in Magdeburg hat kein Ende: Der Katastrophenstab der Stadt lässt am Sonntag weitere Stadtteile mit rund 23 000 Bewohnern räumen. Denn die Elbe steigt noch immer - und auch der nahe Hochwasserscheitel wird mehrere Tage gegen die Deiche drücken. Schwer getroffen ist bereits der Stadtteil Rothensee mit seinem Umspannwerk. "Rothensee läuft voll wie eine Badewanne", sagte Bundeswehrsprecher Andrè Sabzog.

Rund 3000 Anwohner haben sich schon in Sicherheit gebracht, nun gehen die Evakuierungen der Wohngebiete östliche der Elbe weiter.

Rund 700 Soldaten versuchen unterdessen, das Umspannwerk zu retten. In aller Eile bauen sie noch einen Deich um das Gelände. Prognosen wagen sie nicht. Nur die Folgen sind bekannt: Wenn das Umspannwerk ausfällt, droht der Strom für zehntausende Bürger wegzubleiben.

Die Bundeswehr hat nun schweres Geschütz aufgefahren im Hochwasser: Transportpanzer, Lastwagen und Geländefahrzeuge rollen heran. Denn Rothensee im Norden der Stadt ist kein reines Wohngebiet. Bekannt ist es vor allem durch den Güterhafen und viele Industriebetriebe.

Bei einer Notabschaltung des Umspannwerks könnten auch viele der Pumpen ausfallen, die pausenlos durchsickerndes Wasser hinter den Deichen in die Elbe zurückpumpen. Auch wenn Bundeswehr und andere Hilfsorganisationen eigene Stromversorger dabeihaben, hätte ein Stromausfall fatale Folgen für die Stadt.

Für die Bundeswehr ist Sachsen-Anhalt an diesem Wochenende das Schwerpunktland. 5500 Soldaten sind gestern im Einsatz, bis zum Abend sollte noch auf 7000 Mann aufgestockt werden. Allein 1500 davon sind in Magdeburg aktiv. Improvisation ist trotz guter Vorbereitung auch in der Innenstadt gefragt. Am Sonntagmorgen stehen zahlreiche Feldbetten auf den mit Sandsäcken gesicherten Rasenflächen direkt an der Elbe, andere Soldaten legen sich zum Ausruhen in Grünstreifen auf Paletten.

Sicher ist gar nichts mehr

Am Samstag hatten viele Bewohner noch abgelehnt, Rothensee zu verlassen. "Wir bleiben hier, hundert Prozent", versicherte etwa Jürgen Sterzing. Er ist sauer, vor allem auf Oberbürgermeister Lutz Trümper (SPD). "Vor zwei Tagen hat er noch gesagt, Magdeburg ist sicher", schimpft auch Wolf Thiele auf Trümper. Der hätte die Bürger eher warnen müssen, meint Thiele.

Sicher ist aber gar nichts mehr. Eine Familie hetzt mit drei Kindern, Koffern und einem Käfig mit Wellensittichen zu ihrem Auto. Und am Sonntag steigt ein älteres Ehepaar doch lieber noch schnell in einen der Transportpanzer - auch für ihren Schäferhund ist noch Platz.

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