Chronologie 2016 : Menschen des Jahres aus MV

Schlagzeilen und Geschichten: Das bewegte Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2016

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31. Dezember 2016, 05:00 Uhr

Januar

5.: Ein Gruppenleiter des Schweriner Jugendhilfe-Vereins „Power for Kids“gesteht  den Missbrauch von Kindern in Dutzenden Fällen. Er wird im Februar zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.

5.: Ein Nachwuchspolitiker der Linken in Wismar stellt Strafanzeige, weil er  mit einem Messer angegriffen  worden sei. Am Ende kommt heraus: Der junge Mann hat die Tat vorgetäuscht.

 
„2016 war das beste Jahr“ - Der Syrer Moha begann in Schwerin ein neues Leben

Moha war über ein Jahr  auf der Flucht. Anfang September  2015 erreichte er Deutschland. In Mecklenburg-Vorpommern fing  er ein  neues Leben an.  

„Normalerweise schlafe ich nicht mehr als fünf Stunden am Tag. Oft wache ich  zwischendurch auch mehrmals auf. Anfang 2016 durfte ich in meine eigene Wohnung nach Schwerin ziehen und plötzlich konnte ich zehn Stunden am Stück schlafen. Ich hatte das Gefühl, zuhaus zu sein. Das war für mich das größte Ereignis in diesem Jahr. Ich habe das Gefühl, meine Menschenrechte wiederbekommen zu haben.

Im Vergleich zu den Flüchtlingen, die im Libanon  bei Kälte in den Zelten schlafen müssen, habe ich sehr viel Glück gehabt. Inzwischen fühle ich mich in Schwerin sehr wohl. Und ich denke, ich habe hier eine Zukunft. Ich habe einige Projekte gestartet. Zum Beispiel habe ich mit dem Filmemacher  Dieter Schumann ein Filmprojekt begleitet und ich habe eine Foto-Ausstellung über Syrien organisiert.  Vor ein paar Wochen konnte ich endlich meinen Deutschkurs anfangen. Es hat über ein Jahr gedauert. Deutsch ist wirklich sehr schwer, aber ich hoffe, ich werde die Sprache schnell lernen.

Ich habe noch keine Pläne für das nächste Jahr. Wenn ich mir etwas vornehme, geht es meistens schief. Daher lasse ich jetzt alles auf mich zukommen. Aber ich bin sehr offen für alle Chancen und Veränderungen. Rückblickend kann ich sagen: 2016 war das beste Jahr seit mindestens sechs Jahren.“

 
Februar

3.: In der Kernfusions-Forschungsanlage „Wendelstein 7-X“ in Greifswald wird das erste Wasserstoffplasma erzeugt.

10.: Der Wismarer Brennstoff-Hersteller German Pellets reicht einen Insolvenzantrag ein.

12.: Bei einer missglückten Festnahme in Lutheran schießt ein Polizist einem Autofahrer in den Kopf. Keiner der Fahrzeuginsassen war der Gesuchte.

27.: Windkraftkritiker in MV gründen eine eigene Partei namens Freier Horizont.

29.: Am Neubrandenburger Landgericht soll der Prozess gegen einen ehemaligen SS-Sanitäter des KZ Auschwitz beginnen. Der Prozess ist noch nicht beendet.


 
Alexis ist jetzt ein Schulkind

Inzwischen ist Alexis sieben Jahre alt und ein klein  wenig   gewachsen –  und  sie   geht  auch nach  vier  Monaten immer  noch  gern zur  Schule.  Im April  hatten  wir berichtet,  dass ihre  Mutter  Astrid  Höger über  eine  öffentliche  Spendenplattform   versuchte, Geld für den Kauf eines Spezialranzens  für  das klein gewachsene  Mädchen und  für  eine  Einschulungsfeier  zusammenzubekommen. Denn die Schwerinerin  lebt   von Hartz  IV.  In  ihrem  erlernten  Beruf als  Verkäuferin  hatte die Alleinerziehende, die bei  Alexis’  Betreuung  völlig auf sich  selbst gestellt  ist,  keine Chance auf eine Festanstellung. Die  Resonanz  unserer Leser war überwältigend:  Mehr  als 100  Hilfsangebote gingen bei  uns  ein, von  Privatpersonen ebenso wie von Unternehmen. Ranzen,  Fahrrad,  festliche  Kleidung, Jahreskarten für den Zoo, Geld  für  die Einschulungsfeier  und für  weitere schulische  Aktivitäten – Astrid  Höger ist noch heute  gerührt, wenn sie  daran  denkt, wie  ihnen Wildfremde  unter die Arme gegriffen haben.  Sogar  ein neues  Kinderzimmer   für  die  Kleine   konnte  sie sich von den  Zuwendungen leisten. Und:  Noch  immer haben Astrid und Alexis  Höger  Kontakt zu einigen der Menschen, die   ihnen  im Frühjahr Hilfe angeboten haben.

Inzwischen, so erzählt  die stolze  Mama,  liest  Alexis ihr Plakattexte ebenso vor wie Preisschilder  im Supermarkt. „Deutsch  und Mathe – beides macht  ihr Spaß.“ Am allerliebsten aber mag  Alexis  die   künstlerischen  Fächer. „Im Wahlpflicht-Unterricht  lernt sie  sogar, Gitarre zu spielen“, verrät die  stolze Mama.  klik

März

6. : Nach fünfjähriger Restaurierung öffnet der Ostflügel des Barockschlosses Ludwigslust wieder.

8.: In der Ostsee wird ein toter Zwergwal entdeckt.


April

4.: Wegen Überlastung des Schweriner Landgerichts müssen erneut Untersuchungshäftlinge freigelassen werden.

27.: Ein früherer Radiomoderator wird vom Landgericht Rostock wegen Betrugs und Bankrotts zu einer Gesamtstrafe von fünf Jahren Haft verurteilt.

29.: Ein dreijähriges Mädchen überlebt den Sturz aus dem dritten Stock eines Hauses. Ihr Fall aus knapp zehn Metern Höhe wird von Büschen abgebremst.

Angelika Gramkow wird Oma

Acht Jahre war sie die Oberbürgermeisterin von Schwerin. Seit zwei Monaten ist Angelika Gramkow nun nicht mehr im Amt. „Ich nutze den Ruhestand, um Kultur zu genießen, mehr Sport zu treiben, endlich mal wieder Freunde zu treffen“, sagt sie. Außerdem  engagiere sie sich ehrenamtlich, was sie 2017 noch verstärken möchte. „Dazu gehört auch, meine kommunalpolitische Kompetenz in die Arbeit der Linken einzubringen“, betont Gramkow.

Besonders glücklich sei sie aber aus einem ganz privaten Grund. Denn: Sie wird Großmutter. abeh

 
Mai

2.: Der Kreistag Vorpommern-Rügen beschließt, auch den letzten Block des ehemaligen Kraft-durch-Freude-Bades Prora zu privatisieren.

11.: Um eine Gruppe Rehe von der A20 bei Rostock zu vertreiben, wird die Autobahn für acht Stunden gesperrt.

12.: Über drei Tage hinweg werden mehr als 200 abgelehnte Asylbewerber über den Flughafen Rostock-Laage abgeschoben.

28.: Auf einem Sonderparteitag der AfD wird die Schweriner AfD-Kandidatin Petra Federau wieder von der Landesliste gestrichen. Ihr wurde parteischädigendes Verhalten vorgeworfen.

Juni

6.: Mit der fristlosen Entlassung des umstrittenen Intendanten des Rostocker Volkstheaters, Sewan Latchinian, erreicht der Streit um die Theater-Umstrukturierung seinen Höhepunkt.

15.: Das Verwaltungsgericht Schwerin urteilt: Keine Ehrendoktorwürde für „Whistleblower“ Edward Snowden in Rostock.

Ein Seniorenmodel dreht mit Jennifer Rostock - Franz Nowitzki schaut auf ein Jahr voller Aufträge zurück

 „Mein Highlight? Ganz klar! Dass ich so groß in der  Zeitung war“, resümiert Franz Nowitzki. Im Mai dieses Jahres berichteten wir über sein erstes Casting bei der „Fett-weg-Show“ von Bingo 2005, von seiner Euromaster-Werbekampagne, auf die er besonders stolz ist, und von seinen zahlreichen Drehs wie etwa für Soko Wismar, die Sat1-Serie „Mein dunkles Geheimnis“ oder aber vom Set für den Stauffenberg-Film mit Tom Cruise.

Sein Jahr war ein tolles Jahr. Besonders gerne erinnert  sich Nowitzki an Dreharbeiten in Berlin. „Ich stand im Frühjahr mit Jennifer Rostock vor der Kamera – absolut geil“, sagt das 66-jährige Seniorenmodel. Die Dreharbeiten für das Musikvideo „Irgendwas ist immer“ dauerten einen Tag. Sie fanden in einem alten Berliner Fabrikgebäude statt. „Ich hatte eine Solariumbrille auf und saß auf einer Toilette“, beschreibt er lachend seine Rolle. Und Jennifer Rostock? Die hat Franz Nowitzki  beeindruckt: „Die ist ja tätowiert von Kopf bis Fuß, aber echt cool drauf“, schwärmt er von der Künstlerin.  

In diesem Jahr stand für Franz Nowitzki  aber noch mehr auf dem Programm: „Das Beste am Norden“, mehrere Komparsenrollen für verschiedene Produktionen oder Dreharbeiten in Güstrow für den NDR-ARD-Spielfilm „Der Sohn“.

Kurz  vor Weihnachten wurde es noch einmal so richtig aufregend: „Ich stand für eine 90-minütige Weihnachtsfolge von Soko Wismar vor der Kamera“, erzählt Nowitzki stolz.  Für „Bittere Weihnacht“ wurde aber nicht nur der Rentner engagiert, sondern auch sein Hund Ben. „Es gab auch gutes Futtergeld“, sagt er schmunzelnd.

Für das kommende Jahr schmiedet  Franz Nowitzki  bereits Pläne: „Eine Waschmittelwerbung und vielleicht sogar eine neue Kampagne für Euromaster – es bleibt spannend.“   abeh

Juli
28.: Erstmals seit der Wende sind in Mecklenburg-Vorpommern weniger als 75 000 Menschen arbeitslos. Dennoch liegt das Land damit im bundesweiten Vergleich auf dem viertletzten Platz.
August

1.: Die Fusion der Theater in Schwerin und Parchim zum „Mecklenburgischen Staatstheater“ tritt in Kraft.

1.: Auf das Haus der Justizministerin Uta-Maria Kuder (CDU) bei Greifswald wird ein Brandanschlag verübt.

2.: In Rostock wird die Einrichtung einer Asylunterkunft gestoppt. Grund sei die angespannte Sicherheitslage mit rassistischen Protesten im Stadtteil Groß Klein.

26.: In Mecklenburg-Vorpommern leben wieder mehr als 1,6 Millionen Menschen, wie aus Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervorgeht.

Zuversicht auf den Werften

Er ist der Hoffnungsträger an der Küste:   Mit Werftchef Jarmo Laakso kam auf die drei Werften Wismar, Rostock und Stralsund die Zuversicht zurück. Nach Pleiten, Auftragsnot und Entlassungen in den Vorjahren sorgt die  Übernahme der Schiffbauer durch die malaysische Genting-Gruppe im Frühjahr wieder für volle Auftragsbücher. Der in den Bereichen  Tourismus, Glücksspiel und Energie engagierte Milliarden-Konzern, zu dem auch drei Reedereien gehören, will auf den MV-Werften zunächst für 3,5 Milliarden Euro Passagierschiffe bauen lassen – vom Flusskreuzfahrer, Luxus-Eismeer-Yachten bis zu Ozeanriesen für 5000 Passagiere und 2500 Crewmitglieder. Dafür legte Genting in Wismar, Rostock und Stralsund   zugleich ein millionenschweres Investitionsprogramm auf – 130  Millionen Euro sollen in den Ausbau der drei Werften gesteckt werden, u. a. in eine neue Paneellinie, Hallen und Fertigungssteurungssysteme. Werftchef Laakso rechnet damit, dass mittelfristig auf den drei MV-Werften etwa 3000 Menschen Arbeit finden werden – etwa doppelt so viele wie derzeit.

Allerdings: Die Skepsis bleibt.  In den vergangenen 25 Jahren haben die Schiffbauer in MV schon viel erlebt. Von Vulkan bis Nordic: Etliche Eigner weckten Hoffnung, schafften Aufträge heran und verabschiedeten sich dann doch wieder. Schon einmal lockte ein Investor mit Milliardenaufträgen – der russische Werfteigner Vitali Jussufow, der die russische Flotte auf Vordermann bringen wollte. Doch Neubauaufträge blieben nahezu aus. Die Schiffbauer hielten sich mit der Fertigung von Konverterplattformen für Offshore-Windparks so leidlich über Wasser. roth

September

4.: Wahltag in Mecklenburg-Vorpommern. Es siegt die SPD (30,6 Prozent), die CDU (19, 0 Prozent) fährt ihr bisher schlechtestes Ergebnis im Land ein und landet hinter der AfD (20,8 Prozent) auf Platz 3.

18.: Stichwahl um den Oberbürgermeisterposten in der Landeshauptstadt: Nach acht Jahren muss  Angelika Gramkow (Linke) den Posten räumen. Nachfolger wird Rico Badenschier (SPD).

Neu im Landtag: AfD-Frau startet durch

Auf Anhieb 20,8 Prozent – die Alternative für Deutschland (AfD) wurde  bei der Landtagswahl im September zweitstärkste Kraft.  18  Mandate gingen an die Partei,  eins an Christel Weißig.  Als einzige Frau mischt sie die Fraktion  mächtig auf.  Als älteste Abgeordenete leitete die 70-Jährige die erste Zusammenkunft des 7. Landtags in Schwerin ein.  Seitdem hat sich für die Rostockerin vieles verändert: Um „vernünftig Politik machen zu können“, verlagert sie ihren Lebensmittelpunkt 2017 in die Landeshauptstadt. Ihr Mann kommt mit. „Ab Januar bin ich dann jeden Tag im Landtag, damit das neue Jahr gut vorangehen kann“, erklärt sie. „Politik kann man nicht nebenbei machen. Das geht nur mit Herzblut und nur, wenn man die ganze Woche da ist.“ Nichtsdestotrotz blickt sie zufrieden auf die vergangenen vier Monate zurück: „Alle waren freundlich und rücksichtsvoll. Bisher ist das Miteinander sehr friedlich. Wir werden angehört und nicht abgebürstet.“  Dabei konnte die AfD noch gar nicht volle Fahrt aufnehmen. „Wir hatten lange keine Räume und in den letzten Tagen kamen erst die Computer an“, verrät Weißig. „Die anderen Fraktionen sind seit Jahren vollkommen im Geschäft.“ Persönlich müsse sie noch viel lernen. „Aber ich entwickle mich weiter. Als Mitglied des Petitionsausschusses weiß ich,  welche Themen interessieren. Da ist man ganz nah dran an den Leuten.“ joro

Oktober

11. : Harter Schlag für Fischer: Die Dorsch-Fangquote für das kommende Jahr wird um 56 Prozent reduziert, entscheiden die EU-Fischereiminister.

22.: Der als Justizminister vorgesehene Sascha Ott stolpert über Facebook-Likes für die AfD. Seine Nominierung wird daraufhin aufgehoben.

25.:  Der Stralsunder Bahnhof wird als „Bahnhof des Jahres 2016“ geehrt.

 
Milchkrise 2016: Es kann nur besser werden

„Hoffentlich steigt der Milchpreis 2017 wieder“, sagt Peter Lange. Er ist Leiter der Tierproduktion auf dem Milchhof Alt Sührkow im Landkreis Rostock. Lange steht in einem kleinen Büro und schaut durch ein Fenster auf ein blaues Melkkarussell.  Dieses war 2016  alles andere als gewinnbringend. Im Jahresverlauf fiel der Milchpreis. Nur noch 20 Cent bekamen die Produzenten für den Liter. Bei diesem Preis lohnt sich das Geschäft nicht. Heute sagt Peter Lange über diese Zeit: „Bei den Kollegen war die Stimmung auf einem Tiefpunkt. Leider mussten auch viele Bauern in unserer Gegend ihre Milchproduktion einstellen“ –  62 im ganzen Land – der Milchhof Alt Sührkow nicht. Auf dem Hof befindet sich auch eine moderne Biogasanlage. „Wir stellen damit Wärme für unseren Betrieb her und speisen den Strom ins Netz ein. Die Anlage unterstützte uns natürlich in der Milchkrise“, sagt Lange.

Im Sommer plante die Firma noch einen neuen Stall, um mehr Platz für die Kühe zu schaffen. Der Preisverfall verhinderte das Projekt bislang. „Diese Milchkrise war sogar schlimmer als die von 2008. Eins steht fest, so ein Jahr wie 2016 brauchen wir nicht nochmal“, sagt Lange.  arku

November

8.: Schlechte Nachrichten für Autofahrer auf der A19 Berlin-Rostock: Die millionenschwere Erneuerung der Petersdorfer Brücke bei Malchow dauert ein Jahr länger und endet voraussichtlich erst im Frühjahr 2018.

10.: Die Vogelgrippe erreicht Mecklenburg-Vorpommern. Auf der Insel Riems bei Greifswald wird das erste tote Tier entdeckt.

17.: Als Reaktion auf das schwache Abschneiden der CDU bei der Landtagswahl gründet sich in der Partei der „Konservative Kreis“, der dem rechten CDU-Spektrum ein Zuhause geben soll.

Dezember

3.: Cyber-Kriminelle attackieren die Landesverwaltung in MV.

7.: Nach zehnjährigem Aufstieg ins obere Mittelfeld haben Schüler des Landes im Pisa-Test wieder schlechtere Noten kassiert.

10.: Erstmals wurde im Land ein gemeinsamer  Literaturpreis vergeben.

22.: Bei der Weihnachtsspendenaktion unserer Zeitung konnten 62 002 Euro gesammelt werden.

26.: Tief „Barbara“ richtet im Norden viele Schäden an.

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