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Fragen zur künstlichen Befruchtung

Im Alter von gut vier Wochen sieht der Embryo aus wie ein prähistorisches Urtierchen. Er misst nun etwa sechs Millimeter. Foto: Zdf/ddp
Im Alter von gut vier Wochen sieht der Embryo aus wie ein prähistorisches Urtierchen. Er misst nun etwa sechs Millimeter. Foto: Zdf/ddp

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12. September 2012, 02:29 Uhr

Welche Gründe kann es haben, wenn der Babywunsch nicht in Erfüllung geht?


Die Ursachen sind sehr vielfältig. Bei vielen Frauen sind hormonelle Störungen dafür verantwortlich. Zudem können Alkohol, Drogen, Nikotin sowie Über- oder Untergewicht sich sowohl bei Mann als auch bei der Frau negativ auswirken. Auch Stress kann die Fruchtbarkeit zumindest vorübergehend einschränken. Häufige organische Auslöser bei Frauen sind Myome, Endometriosen und verschlossene Eileiter. Bei Männern liegt eine Unfruchtbarkeit häufig daran, dass sie nicht genügend gesunde, gut bewegliche Samen produzieren oder die Samenwege blockiert sind. „Nicht zu unterschätzen ist auch gerade bei Frauen der Faktor Alter“, sagt Dr. Heiner Müller vom Kinderwunschzentrum in Rostock. Unfruchtbarkeit kann auch dann auftreten, wenn Paare bereits ein Kind haben.

Wann sollten Paare medizinischen Rat einholen?


Wenn Paare versuchen, ein Kind zu bekommen, gelingt das in den wenigsten Fällen auf Anhieb. Wenn auch weitere Versuche zunächst ohne Erfolg bleiben, ist das für das Paar sicher enttäuschend, aber nicht automatisch ein Grund, beunruhigt zu sein. Es ist nicht ungewöhnlich, dass es ein halbes oder ein ganzes Jahr dauert, bis es klappt. „Erst wenn nach einem Jahr mit regelmäßigem, ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintritt, sollte das Paar mit einem Frauenarzt sprechen“, empfiehlt der Bundesverband der Frauenärzte. Als unfruchtbar gilt man, wenn auch nach zwei Jahren keine Schwangerschaft eingetreten ist.

Welche Methoden der künstlichen Befruchtung gibt es?

Heute werden im Wesentlichen drei Methoden angewandt: Bei der In-vitro-Fertilisation (IVF) sorgen Hormone zunächst dafür, dass gleich mehrere Eizellen heranreifen. Im Labor werden diese mit den Spermien des Mannes im Reagenzglas zusammengebracht, wobei die Befruchtung ohne direkte Hilfe des Labors stattfindet. Der daraus entstandene Embryo wird einige Tage später in die Gebärmutterhöhle eingesetzt. Die intrazytoplasmatische Spermieninjektion, kurz ICSI, läuft ähnlich wie die IVF ab. Hier überlässt man die Befruchtung jedoch nicht den Eizellen und Spermien selbst, sondern bringt die Samen über eine kleine Kanüle direkt in die Eizelle. Eine dritte Variante ist die Samenübertragung, auch Insemination genannt. Um den „Hindernislauf“ der Spermien zu den Eizellen abzukürzen, werden die männlichen Samen im Labor aufbereitet und dann mit einer Spritze direkt in die Gebärmutter gebracht. Welche Methode angewendet wird, hängt vom ärztlichen Befund für das jeweilige Paar ab.

Warum erhöht künstliche Befruchtung die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsschwangerschaft?

Bei einer künstlichen Befruchtung werden der Frau in der Regel bis zwei, mitunter auch drei befruchtete Eizellen eingesetzt. Das soll die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden, erhöhen. Denn: Ähnlich wie auf dem natürlichen Weg nistet sich nicht jede befruchtete Eizelle auch in der Gebärmutter ein. Umgekehrt erhöht sich dadurch auch die Möglichkeit, dass sich alle zwei oder drei in der Gebärmutter festsetzen und zu einem Kind heranreifen. Bei natürlicher Befruchtung kommt es dagegen eher selten vor, dass sich beim Eisprung mehrere befruchtungsfähige Eizellen auf den Weg zum Eileiter machen. „Anders als beispielsweise in den USA werden den Frauen pro Behandlungszyklus nicht mehr als drei Embryonen eingesetzt“, sagt Dr. Heiner Müller. Das soll das Risiko vermindern, dass es zu höhergradigen Mehrlingsschwangerschaften mit drei oder mehr Kindern kommt.

Können die Behandlungskosten steuerlich abgesetzt werden?

Die Kosten gelten als außergewöhnliche Belastung und können deshalb von der Steuer abgesetzt werden, sofern die Grenze der „zumutbaren Eigenbelastung“ überschritten ist. Diese hängt vom Einkommen ab. Auch Unverheiratete können die Kosten geltend machen, sofern der Mann die Vaterschaft anerkannt hat.

Übernehmen die Krankenkassen die Behandlungskosten?

Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich nur bei verheirateten Paaren daran. Sie übernehmen 50 Prozent der Kosten für maximal drei Versuche. Die Paare müssen mindestens 25 Jahre alt sein, Frauen dürfen nicht älter als 40 sein. Für Männer liegt die Grenze bei 50 Jahren. Außerdem muss die Kasse den Behandlungsplan vorher genehmigen. Der Eigenanteil für IVF bzw. ICSI liegt pro Versuch durchschnittlich bei mindestens 1500 bzw. 1800 Euro. Unverheiratete Paare müssen für sämtliche Kosten selbst aufkommen. Bei privat Versicherten hängt die Kostenübernahme vom jeweiligen Versicherungsvertrag ab. "Seit diesem Jahr können Paare finanziell zusätzlich vom Bund unterstützt werden. Bedingung: Die Länder beteiligen sich mit dem gleichen Anteil daran", sagt Dr. Heiner Müller vom Kinderwunschzentrum Rostock. Sachsen hat dieses Modell als erstes Bundesland umgesetzt, Sachsen-Anhalt folgte. Niedersachsen will 2013 nachziehen. "In MV hoffen wir derzeit noch auf eine verbindliche Zusage von Sozialministerin Manuela Schwesig", sagt der Mediziner. Nach diesem Modell tragen Bund und Land je 12,5 Prozent der Kosten, die gesetzlichen Kassen 50 Prozent, die Patienten 25 Prozent.

Inwiefern wirkt sich das Alter der Frauen auf die Fruchtbarkeit aus?

Sämtliche Eizellen sind bei Frauen schon vor der Geburt vorhanden. Während die Samen regelmäßig nachproduziert werden, muss die Frau also mit dem einmal angelegten Eizellenvorrat ihr ganzes Leben lang auskommen. Wenn ein Mädchen zur Welt kommt, hat es etwa eine Million Eizellen. Die Zahl nimmt jedoch im Laufe der Zeit kontinuierlich ab. Bei Eintritt der Geschlechtsreife sind es noch ungefähr 200 000. Diese Zahl verringert sich Monat um Monat. Ihre Qualität nimmt ebenfalls ab. Längst nicht jede angelegte Eizelle wird auch zu einer befruchtungsfähigen Eizelle: Pro Zyklus reifen maximal ein bis zwei befruchtungsfähige heran. "Frauen sollten beim Kinderwunsch den Faktor Alter nicht unterschätzen", sagt Dr. Heiner Müller. Doch genau das tun offenbar viele. Das Institut für Demoskopie Allensbach wollte 2007 in einer Umfrage wissen, "ab welchem Alter es für eine Frau schwieriger wird, schwanger zu werden". Fast 40 Prozent der Befragten gaben als Zeitspanne die Jahre 38 bis 42 an, 28 Prozent tippten auf 33 bis 37 Jahre. Tatsächlich nimmt die Fertilität aber bereits ab 30 ab. Im Körper gibt es ein Hormon, das Aufschluss über die Eizellenreserve im Körper geben kann. Es heißt Anti-Müller-Hormon, kurz AMH. Diesen Wert kann man beim Frauenarzt ermitteln lassen. Dr. Heiner Müller empfiehlt Frauen, die grundsätzlich einen Kinderwunsch haben, sich mit der Umsetzung aber noch Zeit lassen wollen, diesen Test zu machen.

Wie hoch sind die Erfolgsaussichten einer künstlichen Befruchtung?

Eine Garantie, schwanger zu werden, gibt es nicht. Fast jede dritte künstliche Befruchtung führt zu einer Schwangerschaft. In MV liegt die Quote für IVF bei 40 Prozent, sagt Dr. Heiner Müller.

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