Rostock : Entspannte Traditionsschiffer werden zur Hanse Sail erwartet

Noch gut in Erinnerung ist das lange Dröhnen der Schiffssirenen, mit denen die Traditionsschifffahrt bei der Hanse Sail in den vergangenen Jahren auf ihre Existenzprobleme aufmerksam gemacht hat. In diesem Jahr wird es eine deutlich andere Stimmung geben.

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06. August 2018, 09:11 Uhr

Die Feierstimmung bei der Hanse Sail in Rostock war in den vergangenen Jahren stets überschattet von Ärger und Sorgen.

Die meist ehrenamtlich tätigen Traditionsschiffer fürchteten wegen der geplanten Änderungen bei den Sicherheitsvorschriften um die Existenz ihrer Schiffe. Die Fronten zwischen dem Verkehrsministerium in Berlin und den Verbänden waren verhärtet. Im März dieses Jahres wurde dann der Durchbruch verkündet: „Nun ist die Stimmung gut, es gibt einen Kompromiss, mit dem alle gut leben können“, sagt beispielsweise Till Braun vom Hamburger Museumshafen Oevelgönne.

Zur 28. Auflage des maritimen Klassikers „Hanse Sail“ haben sich für die Zeit von Donnerstag bis Sonntag 165 Schiffe aus zehn Nationen angemeldet. Partnerland ist dieses Jahr Schweden. Dabei bestimmt eine Flotte hölzerner Segelschiffe das Geschehen am westlichen Ende des Stadthafens. Dort werden die „Tre Kronor av Stockholm“, „Tre Hjärtan av Halmstad“, „Vega av Gamleby“ oder „Ingo“ anlegen. Sollte das Wetter gut sein - und nichts deutet auf eine grundsätzliche Änderung hin - werden wieder rund eine Million Zuschauer erwartet.

In den vergangenen Jahren waren stets um die 200 Schiffe nach Rostock gekommen. Für die niedrigere Zahl in diesem Jahr seien unter anderem andere Veranstaltungen für Traditionsschiffe verantwortlich, sagte Sail-Sprecherin Annika Schmied. Manche Schiffe würden saniert.

Darüber hinaus würden einige Yachten die Kriterien der Traditionsschifffahrt nicht erfüllen und im Gegensatz zu den Vorjahren nicht mehr registriert. „Sie dürfen aber natürlich nach Rostock kommen“, sagte Schmied.

Braun ist wie viele andere von der neuen Stimmung angetan, die unter den Verhandlern herrscht: „Nicht von oben herab, sondern in enger Abstimmung. Und es wird ganz viel Wort gehalten.“ Er fügt hinzu: „Uns freut es, dass das laute Rumgepolter endlich ein Ende hat, dass die Menschen sich über die Schiffe freuen.“ Die Diskussionen hätten nichts gebracht außer Verdruss und ein komisches Image der Branche." "Die Förderrichtlinie ist gerade in Bearbeitung, dazu gibt es regelmäßige Arbeitsgruppentreffen", bestätigt eine Sprecherin des Bundesverkehrministeriums. Gleichzeitig gehe es darum, die Arbeit der künftigen Ombudsleute vorzubereiten, die künftig von Hamburg aus zwischen den Beteiligten vermitteln sollen. Es müsse beispielsweise die Frage geklärt werden, ab wann ein Schiff als historisch gilt und welche Auflagen damit verbunden sind. “Es bleibt ein spannendes Thema", sagte die Sprecherin. Die wohl wichtigste Frage ist nach der künftigen Förderung der Umbaumaßnahmen. Noch ist nicht klar, mit welcher Summe der Fördertopf gefüllt sein wird.

Genau an diesem Punkt fürchtet der Vize-Chef des Dachverbands für Traditionsschiffe, Nikolaus Kern, die Schaffung eines bürokratischen Monsters. Denn wer gefördert werden will, müsse drei Angebote vorlegen. “Das ist für einen Ehrenamtler oder Privatier äußerst schwierig. „ Zudem können in der Richtlinie nicht alles bis ins Details geklärt werden, zu unterschiedlich seien die Schiffe. Er hofft, dass die zuständige Berufsgenossenschaft Verkehr von ihrem Ermessensspielraum Gebrauch macht. Seine Stimmung bezeichnete Kern angesichts der weiter bestehenden Unklarheiten als “mittelprächtig".

Das kann Olaf Kalweit, Vorstandsmitglied von Bramschot, dem Betreiber der Rostocker “Santa Barbara Anna„, nachvollziehen. Auch er sieht noch Gesprächsbedarf, unter anderem bei den Tauglichkeitsprüfungen der Crews. Es gebe viele Details, bei denen die Nutzung der Traditionsschiffe im Vergleich zur regulären Schifffahrt eingeschränkt ist - nur bei den Tauglichkeitsprüfungen nicht. Viele Crewmitglieder seien Rentner. Die künftige Anpassung der Ausbildung wäre eine wichtige Frage für die Ombudsleute, betonte Kalweit.

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