Großsegler : Eine Lady zu Gast in Rostock

Rausputzen für die Hanse Sail: In der Tamsen Maritim Werft wurde die Eye of the Wind generalüberholt.  Fotos: Nicole Groth
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Rausputzen für die Hanse Sail: In der Tamsen Maritim Werft wurde die Eye of the Wind generalüberholt. Fotos: Nicole Groth

Das Segelschiff „Eye of the Wind“ ist bereits 105 Jahre alt

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09. August 2016, 11:08 Uhr

Eindrucksvoll ragen die zwei Masten in die Höhe, das Teakholz des Decks glänzt in der Sonne und die rotbraunen Segel zeigen ihre ganzen Ausmaße – so erhaben wird sich das Segelschiff „Eye of the Wind“ den Besuchern der Hanse Sail präsentieren. „Sie ist eine alte Lady, aber trotzdem wunderschön“, sagt Kapitänin Nora Moro de Lange aus Spanien. Erst vor Kurzem feierte die schwimmende Dame ihren 105. Geburtstag. Aber an Rente ist noch lange nicht zu denken. Für die Besucher des maritimen Großereignisses in Rostock wurde die „Eye of the Wind“ extra generalüberholt. Doch nicht nur das Aussehen, sondern auch die Geschichte des Schiffes beeindruckt.

Die Jungfernfahrt hatte der Zweimaster 1911. Getauft auf den Namen „Friedrich“ verließ das Segelschiff die Werft C. Lühring im niedersächsischen Brake. Unter Eigner und Kapitän Johann Friedrich Kolb brach der Segler als Handelsschiff in die weite Welt auf. Doch sowohl Nutzen als auch Name des Seglers sollten sich im Verlauf der Jahre öfter ändern.

Mit dem neuen Besitzer erhielt der Zweimaster in den 1920er-Jahren den Namen „Sam“. Später hieß das Schiff „Merry“ und auch unter „Marie Rose“ wurde der Segler auf den Meeren gesichtet. In diesen Zeiten musste das Schiff auch deutlich sichtbare Entbehrungen über sich ergehen lassen. „Die Masten wurden komplett abgebaut. Dafür fuhr es dann mit einem Motor“, erzählt de Lange. Auch beruflich änderte sich das Einsatzgebiet des Schiffes. Statt dem Handel diente es der Fischereibranche.

Das Jahr 1970 sollte ein prägendes in der Geschichte der „Eye of the Wind“ werden. Ein Brand zerstörte das Achterschiff und den Maschinenraum. Doch die schwimmende Lady wurde wieder flott gemacht. „Seitdem sieht das Schiff so aus wie heute und fährt unter dem jetzigen Namen“, so die Spanierin.

Trotz ständig wechselnder Identitäten ist die segelnde Schönheit auf der ganzen Welt bekannt. „Wir treffen auf unseren Fahrten öfter auf Menschen, die begeistert ausrufen, dass sie die ,Eye of the Wind’ kennen“, erzählt de Lange. Für ihre Popularität sorgten Auftritte in Kinofilmen. Als „Northumberland“ können Filmliebhaber den Zweimaster in dem US-Filmdrama „Die blaue Lagune“ bestaunen.

Auch in den Filmen „Insel der Piraten“ mit Tommy Lee Jones, „White Squall – Reißende Strömung“  als das Schulschiff „Albatross“ und  in „Taipan“ kommt der Segler zum Einsatz. „Die ,Eye of the Wind’ wurde für die Filme ausgewählt, weil sie einfach so schön ist“, sagt die Kapitänin und beginnt zu lachen.

Doch die Filmgeschichte ist nicht das einzige, was de Lange begeistert.  „Sich vorzustellen, wie viele Menschen auf diesem Schiff schon waren, ist spannend. Außerdem bin ich mit der alten Lady aufgewachsen.“ Als Matrosin auf dem Schiff angefangen, wurde sie später Steuerfrau. Seit sieben Jahren hält die Spanierin als Kapitänin das Steuer der schwimmenden Schönheit fest in beiden Händen.  

Im Filmgeschäft ist die „Eye of the Wind“ zwar nicht mehr aktiv, aber Ausruhen ist deswegen  nicht angesagt. „Im Sommer sind wir vor allem auf der Nordsee bei England und Schottland unterwegs. Im Winter geht es dann in die Karibik und zu den Azoren“, so die Spanierin. An Bord hat de Lange neben ihren zwei Matrosen, einem Koch und einem Steuermann oder -frau regelmäßig wechselnde  Passagiere. Das sind  Reisende, die die Vorzüge eines Segeltörns genießen wollen. Das Schiff kann aber auch für Trainingsmaßnahmen gebucht werden. Männer und Frauen, die in Führungspositionen  arbeiten, kommen auf die „Eye of the Wind“. Hierarchisch  in die  Positionen auf einem Schiff eingeteilt, gilt es für die Teilnehmer zu lernen, miteinander zu arbeiten. „Die Kommunikation ist bei der Arbeit auf dem Schiff besonders wichtig. Das nehmen die Männer und Frauen dann mit in ihre Unternehmen“, erzählt die Kapitänin.

Einen eigenen Eindruck von der „Eye of the Wind“ erhalten die Besucher während der Hanse Sail.  „Die Menschen können an Bord kommen, sich alles ansehen und auch an den Fahrten teilnehmen.“

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