Interview : „Die Sail bleibt spannend“

Hat ein Herz für Traditionsschiffe und ist seit elf Jahren Organisationschef der Hanse Sail: Holger Bellgardt.
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Hat ein Herz für Traditionsschiffe und ist seit elf Jahren Organisationschef der Hanse Sail: Holger Bellgardt.

Organisationschef Holger Bellgardt im Interview

svz.de von
09. August 2016, 11:17 Uhr

Für Holger Bellgardt ist das ganze Jahr über Hanse Sail. Der 55-Jährige leitet seit elf Jahren das Organisationsbüros und sorgt mit zahlreichen Helfern für den Erfolg der maritimen Großveranstaltung. NNN-Redakteurin Claudia Labude-Gericke sprach mit dem Rostocker.

Nicht mal mehr eine Woche bis zum Start der 26. Hanse Sail. Was ist noch zu tun?

Holger Bellgardt: Wir planen zwar 365 Tage, aber viel kann ja erst getan werden, wenn der Stadthafen uns übergeben wurde – zum Beispiel Strom verlegen, Banner anbringen, Flaggen setzen und die Händler einweisen. Allein im Stadthafen sind 30 Bierwagen anzuschließen und die Sani-Stützpunkte aufzubauen. Außerdem kommen ja auch schon erste Schiffe an, die dann mit Strom und Wasser versorgt werden müssen. Bisher haben wir es 25-mal immer geschafft, bis zur Markteröffnung am Donnerstag um 12 Uhr fertig zu sein. Und jetzt geben wir alles, das auch beim 26. Mal zu schaffen.

Für Sie, Ihre Mitarbeiter und Helfer sind die vier Veranstaltungstage ja der Höhepunkt der Arbeit. Wann ist Ihr Sail-Moment zum Entspannen?

Am Sonntagabend die letzten zwei Stunden, wenn die Parade der Nationen läuft. Kurz bevor die Sail die Tore schließt und wenn dann alle Schiffe im Hafen liegen, ist das ein besonders schöner und emotional nahegehender Moment. Zumal man auch schon ein bisschen ein Fazit ziehen kann.

Und was sind Ihre Lieblingsplätze?

Das ist ganz unterschiedlich und ich finde, man sollte überall einmal gewesen sein. Das ist auch mein Anspruch. Aber ich kann trotzdem einige Tipps geben. Der Warnemünder Strand ist zum Beispiel ein schöner Platz, um das Geschehen auf dem Wasser zu beobachten. Neu in diesem Jahr ist, dass wir zusammen mit der Wiro erstmals eine Tribüne am Neuen Strom, also am Nordende des Passagierkais, aufstellen, die am Sonnabend und Sonntag für Besucher geöffnet ist. Dort sitzt man nicht nur für das Feuerwerk von der Ostmole quasi in der ersten Reihe, auch das Geschehen bei Ausfahrten wird dort live kommentiert.

Haben Sie noch weitere Geheimtipps für gute Plätze?

Ein Geheimtipp ist auch das Gehlsdorfer Ufer. Und zwar für alle, die dem Trubel im Stadthafen oder Warnemünde entfliehen wollen. Von dort lässt sich im Liegestuhl das Auslaufen der Schiffe morgens gut beobachten. Im Bereich zwischen Fähranleger und Altem Fährhaus sorgen wir durch eine Kooperation mit dem Fährhaus-Betreiber auch für die Verpflegung der Besucher. Das war auch ein Wunsch der Gehlsdorfer, dem wir gern nachkommen. Für Wassersportfans ist sicher das Segelstadion im Stadthafen an der ehemaligen Neptun-Werft ein guter Platz. Dort gibt es eine kleine Bühne und laufend unterschiedliche Wettkämpfe. Auch hier stellen wir erstmals eine Tribüne auf. Ein weiterer schöner Platz ist der Bereich „Leben in der Hansezeit“ an der Silohalbinsel. Dort liegen nicht nur alle Koggen konzentriert beieinander, sondern das Ganze wird durch einen Mittelaltermarkt passend flankiert. Außerdem lässt sich von dort die Koggenfahrt am Freitagabend sehr gut beobachten. Wind- und wetterabhängig sollen die vier teilnehmenden Hanseschiffe wie an einer Perlenkette aufgereiht einlaufen.

Das aktuelle Weltgeschehen lässt sich ja leider nicht ausblenden. Rechnen Sie durch die Terrorangst mit einem Besuchereinbruch?

Nein. Ich freue mich, wenn viele kommen und kann nur dazu aufrufen und jedem Mut und Lust dazu machen, mit uns die Traditionsschifffahrt zu feiern. Die Frage, wie wir eine sichere Veranstaltung hinbekommen, ist ja nicht neu, sondern steht seit 1991 und ist mit den Besucherzahlen und den Rahmenbedingungen gewachsen. Die Sicherheit der Besucher hat Priorität. Wir sind auf Störungen und Gefährdungen vorbereitet. So gut man sich vorbereiten kann, so gut sind wir es auch. Wir haben ein ausgeklügeltes, abgestimmtes und genehmigtes Sicherheitskonzept und haben die Sail seit Jahrzehnten zu dem friedlichen und freundlichen Großereignis entwickelt, das sie ist. Dass wir das Wohlbehalten der Besucher gewährleisten, ist eines der Erfolgsgeheimnisse der Sail und bisher immer gelungen.

Die Sail ist seit 26 Jahren ein Dauerbrenner. Was tun Sie, damit die Veranstaltung abwechslungsreich bleibt?

Wir sind ständig dabei, kleine Veränderungen vorzunehmen und wie Puzzleteile an das Grundkonzept anzudocken. Der Kern aber bleibt das Treffen der Großsegler und Traditionsschiffe, das keinen Eintritt kostet und von einem großen bunten Markt flankiert wird, der das Ganze mitfinanziert und bereichert. Wesentliches Merkmal und Schwerpunkt ist unser Motto „Einfach mitsegeln“, weil wir den Besuchern das maritime Kulturgut näherbringen wollen und weil es unser Revier hergibt, dass sich die Schiffe in ganzer Schönheit und Pracht zeigen können. Was sich zum Beispiel nicht bewährt hat und in diesem Jahr erstmals wegfallen wird, sind die Regattenfahrten am Sonnabend. Die Crews der Schiffe wollten mit ihren Gästen lieber „Cruise in Company“ fahren, also kommen wir dem nach. Auch das parallel stattfindende Seefliegertreffen ist nicht mehr dabei, weil die Rahmenbedingungen nicht passten. Da müssen wir überlegen, ob und wie wir das wieder andocken könnten. Was ein Erfolg ist, sind die Erlebniswelten, die wir eingerichtet haben - so wie das mittelalterliche „Leben in der Hansezeit“ an der Silohalbinsel, das Piratendorf am Sail-Büro, die Bereiche der Partnerländer oder der Fairtrade-Bereich, in dem in diesem Jahr auch die Sail-Redaktion der NNN zu finden sein wird. Eine Premiere ist in diesem Jahr die Fashion-Show am Sonnabendabend in der Halle 207. Wir geben uns große Mühe, für die Besucher und Teilnehmer spannend zu bleiben, sodass jeder Besuch ein Erlebnis ist.

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