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Grüne Woche Berlin : Zukunftsbranche Fischfarm

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Aus der Onlineredaktion

EU und Landwirtschaftsministerium MV fördern Ausbau von Aquakulturen. Sukower Welse auf der Grünen Woche

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erstellt am 28.Jan.2017 | 05:00 Uhr

Sie sind gerade einmal zehn bis 20 Gramm leicht, dann kommen sie ins Planschbecken: die Welse der Sukower Aquafarm südlich von Schwerin gedeihen am besten bei wonnigen 28 Grad.

„Welse atmen auch aus der Luft, daher brauchen wir die gleichblei-benden Temperaturen im Wasser und in der Luft. Wenn sie etwa 100 Gramm schwer sind, werden sie umgesetzt.“ Als Catharina Haennings Bruder Gesellschafter der Welsfarm wurde, hatte sie noch keine Ahnung von Fischen. „Wir haben einen Milchviehbetrieb, aber Welse waren mir neu“, gesteht sie. Die Aquafarm wurde 2012 errichtet. „In Sukow gibt es eine Biogasanlage, die einerseits Strom erzeugt, andererseits aber genauso viel Wärme. Um die Wärme zu nutzen, kam die Idee für eine Welsfarm auf“, erklärt Haenning. Und diese wurde gefördert. Denn die Europäische Kommission will bis 2020 unionsweit den Grad der Eigenversorgung mit Fisch um 15 Prozent auf 50 Prozent zu steigern. Investoren werden finanziell mit Mitteln aus den Europäischen Meeres- und Fischereifonds unterstützt. Auch das Landwirtschaftsministerium bezuschusst den Aquakultur-Ausbau. Bis zum Ende 2023 soll die jährliche Produktion im Land auf 6500 Tonnen gesteigert werden. Zum Vergleich: 2014 erzeugten 19 Betriebe der Aquakultur eine Fischmenge von rund 1100 Tonnen. „Damit hat MV bislang nur einen Anteil von fünf Prozent der gesamtdeutschen Aufzucht von Fischen in Aquakulturanlagen – und das als eines der wasserreichsten Bundesländer“, so Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Im Oktober hatte eine der beiden Garnelenfarmen im nordwestmecklenburgischen Grevesmühlen Insolvenz angemeldet. Der Betreiber York Dyckerhoff, der gleichzeitig Eigentürmer der zweiten Garnelenfarm ist, habe nicht genug Garnelen produziert, sodass Kunden nicht mehr beliefert werden konnten, bedauert Investor Andreas Kleinselbeck, der seine Schrimps unter dem Namen „Cristalle“ vermarktete. Grund seien also keine Absatzprobleme, sondern Streitereien, heißt es aus dem Landwirtschaftsministerium. Backhaus sieht in der Aquakultur weiterhin eine zukunftsfähige Branche. Die Nachfrage nach höherpreisigen Fischerei-Erzeugnissen sei nach wie vor groß. Das Insolvenzverfahren der Fluxx² GmbH wurde bisher nicht eröffnet. Dyckerhoff und Kleinselbeck hatten alleine in die zweite White Tiger-Farm rund 1,6 Millionen Euro investiert, von denen beinahe die Hälfte öffentliche Fördergelder waren. „Wenn das Verfahren läuft, müssen wir sehen, dass die Fördermittel zurückfließen“, sagt Ministeriums-Sprecherin Eva Klaußner-Ziebarth.

„Wir sind angewiesen auf Aquafarmen, da wir immer noch zu viel Fisch aus Dänemark, Polen, den Niederlanden oder Frankreich zukaufen“, weiß ebenso Catharina Haenning. Über schlechte Absätze könne sich die Sukower Welsfarm nicht beklagen.

Auf der Grünen Woche in Berlin spüre Haenning jedoch, dass das Image des Welses eine kleine Generalüberholung nötig habe. „Der schlechte Ruf des Pengasiuswelses eilt uns voraus. Dabei bieten wir mit dem afrikanischen Wels einen ganz anderen Fisch an“, erläutert sie. „Modriger Geschmack entsteht nur, wenn der Wels nicht lange genug in frischem Wasser schwimmt.“

Die Sukower Welsfarm beherbergt 59 Becken. Wenn die Fische 1,5 bis zwei Kilogramm schwer sind, werden sie entnommen, vor Ort geschlachtet, filetiert und in Teilen auch geräuchert. Vermarktet wird der Wels bisher nur in Norddeutschland.

„Bei der Aufzucht werden keine Hormone oder Medikamente eingesetzt. Auch das Fischfutter ist frei von Gentechnik“, erläutert Catharina Haenning. „Durch den geschlossenen Wasserkreislauf sparen wir zum einen Wasser, zum anderen wird die Anlage vor schädlichen Umwelteinflüssen geschützt. Alles, was rausgefiltert werden muss, wird für die Bewässerung von Pflanzen genutzt“, fügt sie hinzu.

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