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Grüne Woche in Berlin : Mehr Öko, mehr Tierwohl, mehr Kreta

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Bauernverband nutzt Ländertag auf der Grünen Woche, um an die Vernunft der Verbraucher zu appellieren

von
erstellt am 22.Jan.2017 | 20:45 Uhr

„Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm, bei vielen ist das andersrum.“ Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) zeigt sich am vergangenen Sonnabend bei der Eröffnung des MV-Ländertages auf der Internationalen Grünen Woche (IGW) in Berlin sprichwortsicher: „Es gibt viele, die über Landwirtschaft reden wollen, aber die keine Ahnung davon haben“, erklärt er. Umso wichtiger seien Veranstaltungen wie die IGW, auf der Agrarminister aus mehr als 80 Ländern zusammenkommen, um über die Landwirtschaft der Zukunft zu sprechen.

„Die konventionelle Landwirtschaft soll ökologischer werden und Öko-Bauern ökonomischer“, sagt Backhaus. Schließlich gehöre die Land- und Ernährungswirtschaft zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen im Nordosten. Rund 40 000 Menschen seien derzeit in der Branche beschäftigt. „86 Prozent der Menschen vertrauen unserer Nahrung. Unsere Lebensmittel sind so sicher, wie niemals zuvor.“ Um noch mehr Klarheit für den Verbraucher zu schaffen, plädiert er für ein einheitliches Tierwohllabel. „Um qualifizierte Kaufentscheidungen treffen zu können, sind Verbraucher auf aussagekräftige Produktinformationen angewiesen. Auf tierischen Erzeugnissen finden sich derzeit nur Angaben zum Herkunfts- und Schlachtort“, bemängelt er. Die Kennzeichnung müsse auch Aufschluss über die Tierhaltung geben. „Das schafft Klarheit bei den Verbrauchern und honoriert höhere Standards bei den Erzeugern“, verdeutlicht er. Ein Tierwohllabel könne daher auch eine Stärkung des Vertrauens zwischen Produzent und Konsument bedeuten.

Süße Nudeln, die in Zuckerwasser gekocht und dann mit Vanillesoße garniert werden, gibt es nebst selbst gemachter Pralinen bei Chocolatier Harry Steenvoorolen.
Süße Nudeln, die in Zuckerwasser gekocht und dann mit Vanillesoße garniert werden, gibt es nebst selbst gemachter Pralinen bei Chocolatier Harry Steenvoorolen.

2016 erlebte die Landwirtschaft eine ihrer größten Krisen. Schlechte Ernten und desaströse Milchpreise zwangen reihenweise Betriebe in die Knie. Detlef Kurreck, Präsident des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern, appelliert an den Verbraucher, darüber nachzudenken, welche Lebensmittel er konsumiert. „Wir produzieren nicht nur Essen, wir produzieren auch Genuss. Vieles, was auf der Grünen Woche zu sehen ist, fängt in der Wertschöpfungskette mit einem kleinen Korn an.“ In den Kühlschränken der Konsumenten seien die Probleme des vergangenen Jahres nicht zu spüren gewesen. „Wir kennen keinen Hunger mehr, aber wir dürfen nicht vergessen, dass nur elf Prozent der Erde für die Landwirtschaft nutzbar sind“, ermahnt Kurreck. „Essen ist der beste Input, den man sich selbst geben kann.“

Etwa 70 Prozent der Aussteller, die in diesem Jahr für MV zur IGW nach Berlin gefahren sind, kommen aus der Ernährungswirtschaft. Besonders stark vertreten, sind Teilnehmer aus dem Landkreis Vorpommern-Rügen, auch weil dieser dieses Mal die Federführung für den Ländertag übernommen hat. Zu ihnen gehört auch der Chocolatier Harry Steenvoorolen. Vor 25 Jahren ist er der Liebe wegen auf die Insel Rügen gezogen. Sein Spezialgebiet: feinste Trüffel-Pralinen aus edler Schokolade. Schon als Jugendlicher half er einer Konditorei, lernte dort das Handwerk. Heute verarbeitet er Rum, Johannesbeeren und Sanddorn in kugelförmige Gaumenfreuden. „Schokolade macht nicht dick, sondern glücklich“, sagt er aus tiefster Überzeugung.

Ein Kochfestival nach griechischem Vorbild soll noch in diesem Jahr auf der Insel Rügen stattfinden. Manousqnis Gporye zeigt, welche Spezialitäten serviert werden könnten.
Ein Kochfestival nach griechischem Vorbild soll noch in diesem Jahr auf der Insel Rügen stattfinden. Manousqnis Gporye zeigt, welche Spezialitäten serviert werden könnten.

Mit einer Fläche von 3207 Quadratkilometern ist Vorpommern-Rügen der fünftgrößte Landkreis Deutschlands. Dort leben über 223 000 Menschen. Insbesondere die Insel Rügen, Hiddensee und Fischland-Darß-Zingst gehören zu Touristenmagneten. Im vergangenen Jahr wurden bis Oktober rund 9,5 Millionen Übernachtungen und zwei Millionen Ankünfte gezählt. Für ganz MV wurden bis zum selben Zeitraum 28 Millionen Übernachtungen registriert. Während des Ländertages verkündete Backhaus eine neue Kooperation der Insel Rügen mit der griechischen Insel Kreta. Diese ist auf Initiative des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung entstanden. Ziel sei es, voneinander zu lernen und Erzeugnisse auszutauschen. So ist zum Beispiel noch in diesem Jahr ein Kochfestival nach kretischem Vorbild auf der Insel Rügen geplant.

Zahlen am Rande

73 Tonnen Tierfutter wurden allein für die Tierhalle 25 bestellt. Darunter 13 Tonnen Mais-, 4 Tonnen Grassilage, 27 Tonnen Heu und 5,5 Tonnen Quetschhafer für die Pferde, Rinder und Ferkel.

Der 100 000. Besucher wurde gestern um 13.30 Uhr auf der Messe begrüßt. Als Aufmerksamkeit gab es einen Präsentkorb, prall gefüllt mit Produkten des IGW-Partnerlandes Ungarns. Die Messebeteiligung Ungarn an der Grünen Woche hat Tradition: 1972 nahm das Land zum ersten Mal an der Grünen Woche teil.

Insgesamt 1650 Aussteller aus 66 Ländern laden mit ihrem Genuss- und Produktangebot zu einer Erlebniswelt für das Publikum ein. Mit 118 000 Quadratmetern ist die zur Verfügung stehende Hallenfläche auf dem Berlin ExpoCenter City zu Füßen des Berliner Funkturms voll belegt. Die Messe erwartet rund 400 000 Fach- und Privatbesucher.

 

 

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