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G20-Gipfel in Hamburg : Volle Straßen, leere Straßen – wenn im Burger-Restaurant die Käufer fehlen

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Die einen nutzten die autofreien Straßen, andere kamen stunden lang nicht voran.

svz.de von
erstellt am 06.Jul.2017 | 18:29 Uhr

Hamburg | Für die einen war es wie beim autofreien Sonntag. Für die anderen wie eine Rushhour hoch drei. Die weiträumigen und langwierigen Sperrungen von Straßen am G20-Anreisetag haben in Hamburg am Donnerstag für turbulente Verkehrsverhältnisse gesorgt. Auf vielen Hauptstrecken zwischen Flughafen und Innenstadt herrschte gähnende Leere, drum herum ging stundenlang kaum etwas. 

Kompletten Stillstand gab es ab Mittag in weiten Bereichen der Innenstadt. Weil im Stundentakt Staat- und Regierungschef bei ihren Hotels in der City eintrafen, waren wichtige Zufahrtsstraßen ohne Unterbrechung bis in den Abend hinein dicht. „Eine punktuelle Öffnung der Routen kann nicht zwingend gewährleistet werden“, meldete die Polizei am Nachmittag. Ursprünglich war angekündigt, die so genannten Protokollstrecken für die Konvois immer nur bei Bedarf und vorübergehend ganz zu sperren.

Vielerorts sorgten die Sperrungen für Staus.
Vielerorts sorgten die Sperrungen für Staus. Foto: Markus Lorenz
 

Nonstop abgeriegelt war unter anderem die Alsterkrugchaussee, eine vierspurige Einfallstraße durch Fuhlsbüttel und Groß Borstel vom Airport in Richtung Eppendorf/Innenstadt. Wo sonst die Blechlawinen rollen, machte sich fast schon idyllische Ruhe breit. Freie Bahn für Radler und Fußgänger auf dem leeren Asphalt.

Am Wegesrand standen immer wieder vereinzelte Schaulustige, so wie Peter Hollmann. Mit Tochter Lea (13) ist er an seinem freien Tag zur besonders gesicherten Kreuzung an der Sportallee gekommen, den Fotoapparat hat er dabei. Die Stelle ist gut gewählt, immer wieder passieren Gruppen aus Polizeimotorrädern und schwarzen Limousinen. „Drei Delegationen haben wir schon fotografiert“, berichtet Hollmann. Wer wohl drin saß in den edlen Karossen mit den verdunkelten Scheiben? „Keine Ahnung. Aber Trump war es nicht.“ Dessen „Beast“ hätten Vater und Tochter erkannt.

Die Absicherung der Kreuzung liegt bei bayerischen Polizisten, die ihre Aufgabe mit Bierruhe erledigen. Radler und Passanten werden entspannt durchgewinkt. Nur einmal kommt kurz Unruhe auf. Eine Kolonne der koreanischen Delegation will passieren, allerdings in Richtung Flughafen und damit gegen den Strom. Alles in Ordnung? Ja. Nach ein paar kurzen Funksprüchen räumen die Polizisten die Sperrgitter beiseite.

Hatte nicht viel zu tun und ärgert sich: Ebrahiem Rezaei konnte kaum Burger verkaufen.
Hatte nicht viel zu tun und ärgert sich: Ebrahiem Rezaei konnte kaum Burger verkaufen. Foto: Markus Lorenz

500 Meter weiter ist Ebrahiem Rezaei restlos bedient - weil er in seinem Schnellrestaurant kaum was zu bedienen hat. Die Burger-King-Filiale liegt ebenfalls an der abgeriegelten Alsterkrugchaussee. Am Mittag sind dort die allermeisten Stühle leer, die Mitarbeiterinnen am Tresen gucken Löcher in die Luft. Sonst sei es um die Zeit rappelvoll. „Die meisten Brötchen muss ich wegschmeißen. Ich bin so sauer, das ersetzt uns niemand“, schimpft Rezaei über Umsatzeinbußen von „bis zu 85 Prozent“. Auch am Freitag und Samstag soll die Straße dicht sein. Auf die wichtigsten Politiker der Welt ist der resolute Burger-Bräter entsprechend schlecht zu sprechen. Er findet: „Wieso müssen die alle mit dem Auto gefahren werden? Man kann die 35 Leute doch in einen Hubschrauber setzen, und gut ist.“

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