Hamburg : „Ich bin nicht nervös“: Ehrenamtliche Helfer beim G20-Gipfel

Der Ausbilder von den Maltesern, Niclas Thiessen, erklärt in Hamburg der ehrenamtlichen Helferin Christina Heyer die richtige Handhabung eines Spinboards.
Der Ausbilder von den Maltesern, Niclas Thiessen, erklärt in Hamburg der ehrenamtlichen Helferin Christina Heyer die richtige Handhabung eines Spinboards.

Seit mehreren Monaten laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren - auch bei den Maltesern in Hamburg-Steilshoop.

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27. Juni 2017, 10:00 Uhr

Hamburg | „Eins, zwei, drei und hoch“ - die beiden Sanitäter heben die Trage an, auf der zu Übungszwecken ihre Kollegin liegt und eine Verletzte simuliert. „Achtet darauf, den Tragebock an allen vier Ecken auf gleicher Höhe einzustellen“, erinnert Ausbilder Niclas Thiessen beim Nachspielen einer Unfallsituation. Zwölf ehrenamtliche Helfer haben sich an diesem warmen Sommerabend in der Fahrzeughalle der Hamburger Malteser versammelt. Für viele Leute ist es das entspannte Ende eines Arbeitstages, für Thiessen und sein Team ein weiterer Termin, um sich auf den G20-Gipfel am 7. und 8. Juli in Hamburg vorzubereiten.

Für das politische Großevent mit rund 6500 Delegierten und über 3000 Medienvertretern wappnet sich die Stadt mit einem umfassenden Sicherheitskonzept - an dem auch Hilfsorganisationen wie die Malteser beteiligt sind. In den vergangenen Monaten fanden Koordinierungstreffen, Übungseinsätze und Fortbildungen statt, um die Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen untereinander aber auch mit den Einsatzkräften der Polizei und Feuerwehr vorzubereiten. Das heutige Treffen ist zwar nur ein reguläres Gruppentraining, das alle vier Wochen bei den Maltesern stattfindet. Doch mit dem nahenden Großevent im Hinterkopf sind die Helfer an diesem Abend besonders aufmerksam.

Eine von ihnen ist Maike Voß. Aufgeregt ist die 21-Jährige mit blondem Zopf und Sommersprossen nicht. Aber sie hofft, dass die Abläufe gut koordiniert werden, wenn sie während des Gipfels an den Messehallen postiert ist. Seit drei Jahren ist Maike bei den Maltesern. Es sei eine gute Vorbereitung auf ihr Medizinstudium, das nach der Ausbildung zur Biologisch-Technischen Assistentin ansteht.

Beim G20-Gipfel sind zahlreiche freiwillige Helfer im Einsatz. Die Malteser, das Deutsche Rote Kreuz, die Johanniter, der Arbeiter-Samariter-Bund und die Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft stehen nach eigenen Angaben mit insgesamt rund 400 - in der Mehrzahl ehrenamtlichen - Kräften im Bereich der Gefahrenabwehr, der Wasserrettung sowie für den Sanitätsdienst an den Veranstaltungsorten bereit. Das Technische Hilfswerk werde sogar mit rund 450 freiwilligen Helfern vor Ort sein, sagt ein Regierungssprecher.

Schon in den Wochen vor dem Gipfel opfern viele Ehrenamtliche einen großen Teil ihrer Freizeit. Niclas Thiessen arbeitet seit etwa einem Monat bis zu 20 Stunden wöchentlich für die Malteser - neben seinem Vollzeitberuf als Maschinenbauingenieur. In der Woche vor und während des Gipfels wird er sechs Zwölf-Stunden-Schichten übernehmen. „Die Gemeinschaft gibt mir viel zurück. Das motiviert“, sagt der 28-Jährige. Seit elf Jahren ist er bei den Maltesern. Seinen Einstieg fand Thiessen nach einem schweren Verkehrsunfall. „Danach wollte ich auch helfen.“

Dem G20-Gipfel blickt Thiessen mit Spannung entgegen: „Ich mache mir schon meine Gedanken, aber ich bin nicht nervös.“ Der G20-Gipfel sei anders, weil man die Hauptakteure, die Politiker, kaum zu Gesicht bekommt. Das sei nicht wie beim Schlagermove oder beim Deutschen Derby auf der Horner Rennbahn - weitere Großveranstaltungen, bei denen die Malteser in diesem Sommer im Einsatz sind.

Für heute ist das Training beendet. Die meisten Helferinnen und Helfer verlassen die Fahrzeughalle. Thiessen bleibt mit einer kleinen Gruppe zurück. Bis zum Gipfel muss die sanitäre Ausrüstung noch einmal komplett durchgecheckt werden.

Alle Infos rund um den Gipfel finden Sie unter shz.de/g20.

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