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Dömitz : Weihnachten ohne Mama und Papa

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Aus der Redaktion des Ludwigsluster Tageblatt

Im AWO-Kinder- und Jugendhaus Dömitz leben zurzeit sechs Kinder zwischen fünf und 14 Jahren - nicht alle können zum Fest nach Hause

svz.de von
erstellt am 03.Dez.2015 | 16:58 Uhr

Kilians* größter Wunsch zu Weihnachten ist jedes Jahr der gleiche. Er will zuhause bei Mama, Papa und den Halbgeschwistern sein. Doch wie schon im vergangenen Jahr wird der Neunjährige dieses Weihnachtsfest im Kinder- und Jugendhaus der AWO in Dömitz verbringen. Er ist der einzige der jungen Bewohner, der nicht nach Hause fahren kann. „Die Feiertage gehören der Familie. Deshalb versuchen wir alles Mögliche, damit die Kinder in dieser Zeit bei ihren Eltern sein können. Manchmal aber sind die familiären Verhältnisse so schwierig, dass es einfach nicht klappt“, sagt Torsten Martens, der Leiter des Kinder- und Jugendhauses. Kilian lebt im „Haus Wirbelwind“. Er ist vor zwei Jahren eingezogen, nachdem er bei der Polizei aus Angst vor häuslicher Gewalt Hilfe gesucht hatte.

Mit Kilian leben noch vier andere Jungs und ein Mädchen in eigenen Wohneinheiten mit großer Gemeinschaftsküche. „Wir werden ihnen kein zweites Zuhause sein können“, sagt Heimleiter Martens. „Aber wir wollen in einem gewissen Zeitraum alles dafür tun, damit sie sich geborgen und gut aufgehoben fühlen.“ Im Kinder- und Jugendhaus, so Martens, würde der Alltag der Kinder wieder eine Struktur bekommen. „Sie lernen Regeln und Normen kennen, die es ihnen erleichtern, später im Leben gut klar zukommen. Es wäre schön, wenn etwas hängen bleibt, an das sie sich als Erwachsene erinnern.“ Das klappe nicht bei allen Kindern, aber bei vielen. Martens erinnert sich an einen Jungen, der aus eigener Motivation heraus Hilfe im Kinder- und Jugendhaus suchte. „Er hat hier die Bedingungen gefunden, um seine Ziele umzusetzen. Nach seinem Abitur am Gymnasialen Zentrum studiert er heute in Köln Maschinenbau.“

Kilian wird voraussichtlich noch lange in der AWO-Einrichtung in Dömitz leben. Die Bescherung am Heilig Abend erlebt der Junge im Kinderhaus gemeinsam mit den diensthabenden Erziehern. Alleine wird er dieses Jahr aber nicht sein. Im zweiten Haus der Einrichtung leben seit kurzem mehr als zwanzig minderjährige unbegleitete Flüchtlinge. Martens: „So wie wir mit ihnen das Opferfest gefeiert haben, feiern die Syrer mit uns auch das Weihnachtsfest.“

Wer Kilian am 24. Dezember eine Freude machen will - der Neunjährige wünscht sich einen Metallbaukasten oder ein Experimentier-Teleskop. * Name von Red. geändert

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