Copilot der Todesmaschine : Wer war Andreas L.?

Ein Bild macht in den sozialen Netzwerken die Runde: Es soll Copilot Andreas L. zeigen.
Ein Bild macht in den sozialen Netzwerken die Runde: Es soll Copilot Andreas L. zeigen.

„Traum vom Fliegen“ wird zum Horror – Copilot kam aus dem Städtchen Montabaur / Spurensuche

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26. März 2015, 21:14 Uhr

Seinen „Traum vom Fliegen“, den habe er sich erfüllen können und teuer mit seinem Leben bezahlt – so hieß es in der Traueranzeige für den Copiloten der Germanwings-Maschine. Dass der 27-Jährige den Absturz nach Erkenntnissen der Ermittler absichtlich herbeiführte und mit sich 149 andere Menschen in den Tod riss, konnte der Verein LSC Westerwald nicht wissen, als er die Anzeige für den Copiloten ins Internet setzte.

Wer war der Copilot, der die Germanwings-Katastrophe herbeiführte? Spurensuche im rheinland-pfälzischen Montabaur, wo sein Elternhaus steht: Akkurat gemähter Rasen in den Vorgärten, ordentliche Zäune, großzügige Einfamilienhäuser. Es ist ein sehr gepflegtes Wohngebiet, über das gestern das Unfassbare hereinbricht.

Dort steht das Haus der Eltern des 27-Jährigen. Schon kurz nach den Aussagen der Staatsanwaltschaft in Frankreich postieren sich hier Kamerateams aus vielen Ländern. Flankiert werden sie von zahlreichen Polizisten und Streifenwagen, die auf der Straße vor dem Haus der Familie quergestellt wurden.

  „Ich weigere mich zu glauben, dass er das absichtlich gemacht hat“, sagt ein 23 Jahre alter Nachbar. Er kennt den 27-Jährigen, der von der französischen Staatsanwaltschaft als Andreas L. identifiziert wurde, nach eigener Aussage nicht sonderlich gut. Er habe ihn aber häufiger mal joggen gesehen. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand so egoistisch ist“, sagt er.

Andreas L. wuchs nach Stadtangaben in der Westerwald-Kommune Montabaur auf, in einem ruhigen Wohngebiet im Süden der Stadt, inmitten von Einfamilienhäusern mit Gärten und nicht weit von einem Freizeitbad. Dort ist er auch noch teilweise zu Hause, auch in Düsseldorf soll er gewohnt haben.

Seit September 2013 arbeitete L. als Copilot bei Germanwings, vorher war er nach Lufthansa-Angaben während einer Wartezeit Flugbegleiter. „Er war 100 Prozent flugtauglich, ohne Einschränkungen und Auflagen“ sagt Lufthansa-Chef Carsten Spohr. Als Absolvent kam L. frisch von der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen zum Kölner Unternehmen.

Seine Mutter arbeitet als Organistin, sagte Pfarrer Johannes Seemann von der evangelischen Kirchengemeinde in Montabaur. Ihren Sohn, einen sportlichen jungen Mann, kennt er aber nicht persönlich.

Ein paar Kilometer von dem Haus entfernt liegt das Gelände des Flugvereins LSC Westerwald, dem der Copilot als Jugendlicher beitrat und bei dem er einst das Segelfliegen lernte. Im vergangenen Herbst habe der 27-Jährige hier Flüge zur Verlängerung seiner Segelfluglizenz gemacht, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Radke. „Da habe ich ihn als sehr netten, lustigen, höflichen Menschen kennengelernt.“

Die Internet-Seite des LSC Westerwald war nach den Meldungen aus Frankreich nicht mehr abrufbar. „Andreas starb als erster Offizier im Einsatz auf dem tragischen Flug“, hieß es in der Anzeige des Vereins weiter. Er habe als Segelflugschüler begonnen und es bis zum Piloten auf einem Airbus A 320 geschafft. „Er konnte sich seinen Traum erfüllen, den Traum, den er jetzt so teuer mit seinem Leben bezahlte.“

Auch in Düsseldorf, wo der Copilot zuletzt lebte, kannten ihn viele Nachbarn nur vom Sehen – wenn überhaupt. Seine Wohnung liegt in einem schicken Mehrfamilienhaus mit acht Wohnungen in wohlhabender Umgebung. Das Haus ist weiß gestrichen, zu jeder Wohnung gehört ein großer Balkon. Dahinter ein Stückchen Wald mit hohen Bäumen. „Ich habe ihn gesehen, wenn er in der Garage war“, erzählt ein Nachbar aus dem Nebenhaus. „Er hat meistens nicht zurückgegrüßt.“

Gestern durchsuchten Ermittler die Wohnung von Andreas L. in Düsseldorf. Auch im Elternhaus des Piloten wurden Polizisten vorstellig. Kriminalbeamte suchen nach Hinweisen auf ein Motiv oder Anzeichen für eine psychische Erkrankung. Die Luftaufsicht gab bekannt, dass bei den routinemäßigen Sicherheitsüberprüfungen des 27-Jährigen keine Auffälligkeiten festgestellt wurden.

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