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Germanwings Flug 4U9525 : Für immer im Schatten der Katastrophe

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Seit dem Absturz der Germanwings-Maschine am 24. März ist in den französischen Bergdörfern Le Vernet und Seyne-les-Alpes nichts mehr wie wie früher

svz.de von
erstellt am 24.Jul.2015 | 21:00 Uhr

Vor vier Monaten ließ der Co-Pilot eines Germanwings-Fluges die Maschine absichtlich abstürzen und riss 149 Menschen mit sich in den Tod. Eigentlich stille Bergdörfer wie Le Vernet und Seyne-les-Alpes fanden sich plötzlich im Fokus der Weltöffentlichkeit – auch gestern bei einer ergreifenden Bestattungszeremonie.

„Also, um es vorsichtig auszudrücken: Der Bewohner aus Le Vernet an sich ist nicht unbedingt sehr international.“ Daniel Di Benedetto schmunzelt, als er die Mentalität der Menschen in diesem Bergdorf in den französischen Alpen zu umschreiben versucht. Keine 200 Menschen wohnen in den Steinhäusern, zwischen denen sich schmale Gassen schlängeln. Weil aber die atemberaubende Berglandschaft Wanderurlauber anzieht, gibt es einen Campingplatz, ein Gästehaus, ein Restaurant und auch ein Dorf-Bistro. Daniel Di Benedetto führt es seit sechs Jahren. „Im Sommer ist meine Terrasse voll“, sagt er. „Trotzdem war es bis vor kurzem hier immer ruhig. Da fuhr nur ab und zu mal ein Auto vorbei.“

Bis vor kurzem – nämlich bis zum 24. März dieses Jahres. An dem Tag zerschellte ein Airbus A320 der Lufthansa-Tochter German-wings auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den Alpen. Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der 27-jährige Co-Pilot Andreas Lubitz, der an Depressionen und Angststörungen litt, absichtlich den Sinkflug der Maschine eingeleitet. 149 Menschen riss er mit sich in den Tod. Sie hatten 21 verschiedene Nationalitäten. Und weil in der Folge ihre Angehörigen und Medienvertreter aus aller Welt kamen, standen Le Vernet und das zehn Kilometer entfernte Seyne-les-Alpes plötzlich im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit.

Die Alpendörfer sind selbst nur über kurvige Bergstraßen zu erreichen, liegen aber der Absturzstelle in einem unwegsamen Gebiet noch am nächsten. So sahen sich die Bewohner konfrontiert mit dem unaussprechlichen Leid der Familien, die an den Unglücksort kamen. Für sie standen medizinisches Personal, Seelsorger und Übersetzer bereit, während vom Flugfeld in Seyne-les-Alpes aus Hubschrauber mit Feuerwehrleuten, Gendarmen, Ermittlern und Experten der Flugsicherung starteten, um nach den beiden Black Boxes zu suchen, die Todesopfer und die Trümmer der Maschine zu bergen, die über eine Fläche von mehr als zwei Quadratkilometern verstreut lagen. Selten, so versicherten auch die Profis, haben sie etwas so Grausames gesehen. Und so ging es erst recht den Gemeindebewohnern.

„Wenn die Familien bei einem sitzen, die weinen und weinen – was soll man da tun? Was soll man sagen?“, fragt Daniel Di Benedetto. Weil dringend Unterkünfte gesucht wurden, beherbergte er wie die meisten Menschen in den umliegenden Siedlungen Angehörige bei sich. Weltberühmt wurden auf diese Weise auch die Solidarität und Hilfsbereitschaft der Dorfbewohner. „Jeder hätte in dieser Situation geholfen, das ist ganz normal“, versichert der 66-jährige Di Benedetto. Er nahm Deutsche, Japaner, Amerikaner bei sich auf. Die Verständigung lief meist über Handzeichen.

Am Rande von Le Vernet wurde ein Erinnerungsdenkmal für die getöteten Passagiere von Flug 4U9525 errichtet, vor dem Blumen und Kerzen stehen; daneben hängt eine Fahne mit den Flaggen der Herkunftsländer der Opfer. Heute machen hier oft Touristen Halt.

>> Den kompletten Bericht lesen Sie morgen in der Printausgabe oder im epaper.

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