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Tafeln : „Was wir haben, geben wir gerne“

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Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

150 000 Flüchtlinge nehmen Angebote der Tafeln in Anspruch. Versorgungslage in MV bisher unkritisch

svz.de von
erstellt am 08.Okt.2015 | 11:45 Uhr

Reicht das geringe Einkommen nicht aus, um das sprichwörtliche täglich Brot zu verdienen, bleiben Tafeln für viele die letzte Anlaufstelle. In Deutschland unterstützen daher mehr als 900 Tafeln mit 3000 Läden und Ausgabestellen etwa 1,5 Millionen Bedürftige. Zu ihnen zählen nun auch die vielen Flüchtlinge, von denen mehr und mehr das Angebot der Tafeln nutzen. Deutschlandweit sind es derzeit etwa 150 000.

Kritisch, wie in manch anderen Regionen, sei die (Versorgungs-)Lage dadurch in Mecklenburg-Vorpommern jedoch nicht, erklärt Günther Hoffmann, Vorsitzender des Landesverbandes der Tafeln in MV. Ungeachtet der großen regionalen Unterschiede „gibt es im Moment ausreichend Ware, nur die Vielfalt ist oft nicht gegeben.“ Engpässe gäbe es noch nicht. Mancherorts sei die Lage zwar angespannt, das sei jedoch schon vor den Flüchtlingen der Fall gewesen, so Hoffmann. Er appelliert an die Tafeln, sich untereinander zu helfen und Waren auszutauschen, um Lebensmittelknappheit entgegenzuwirken und ein breites Angebot zu schaffen.

„Da die Flüchtlinge aus einem ganz anderen Kulturkreis stammen, haben wir oft nicht alles vorrätig, was sie normalerweise essen“, sagt er. Doch: „Was wir haben, geben wir gerne. Egal ob an Flüchtlinge oder deutsche Bedürftige.“

So auch bei der Tafel Neubrandenburg. Chef Frank Münzberger kann sich derzeit nicht über fehlende Lebensmittel beschweren. „Unsere Spender halten stark zu uns“, sagt er mit stolzem Ton. Neben den 2  100 registrierten Bedürftigen geben er und sein Team wöchentlich auch an etwa 200 bis 400 Flüchtlinge Lebensmittel aus. „Wir haben es für sie extra unbürokratisch geregelt. Sie stellen sich einfach an und bekommen ihre Lebensmittel“, sagt er. Viele von ihnen kämen aus der nahegelegenen Unterkunft in der Oststadt.

Münzberger: „Wenn sie ein Produkt nicht annehmen wollen – weil sie es beispielsweise nicht kennen – tauschen sie draußen mit anderen Bedürftigen, oder geben es uns zurück.“

Auch in Rostock werden manche Produkte nicht angenommen, erklärt Tafel-Chef Jürgen Wegner. Es sei auch schwierig zu erklären, dass nicht immer alles vorrätig sei.

Die Tafel in Rostock unterstützt nur diejenigen Flüchtlinge, die das Antragsverfahren bereits durchlaufen haben, untergebracht sind und eine eigene Adresse besitzen.

„Neben den knapp 2400 registrierten deutschen Abholern unterstützen wir über 760 Flüchtlinge. 307 von ihnen sind Kinder“, erklärt er. Sie können einmal in der Woche für einen symbolischen Preis von 1,50 Euro Lebensmittel abholen. „Mit dem steigenden Bedarf kommen wir derzeit gut klar, auch wenn wir immer lieber mehr zu bieten hätten“, sagt Wegner. Auch die Kommunikation mit den Flüchtlingen funktioniere – wenn auch oft mit Händen und Füßen. Die Hauptsache bleibe, so viel wie möglich zu helfen.

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