Schwesig in Unterkunft : Unverminderter Zustrom von Flüchtlingen

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Behörden und Helfer in Mecklenburg-Vorpommern arbeiten am Limit, um die Menschen unterzubringen, zu versorgen und zu registrieren. Nicht alles läuft dabei rund, hat der Landesflüchtlingsrat beobachtet.

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17. September 2015, 21:00 Uhr

Der Zustrom von Flüchtlingen nach Mecklenburg-Vorpommern hält ungebremst an. „Allein nach Horst sind in den letzten 24 Stunden 274 Personen gekommen“, teilte das Innenministerium am Donnerstagmittag in Schwerin mit. Viele von ihnen werden auf die zwölf Notunterkünfte verteilt. Dort leben nach Ministeriumsangaben inzwischen mehr als 1500 Menschen, die Unterkünfte sind voll bis übervoll. Eine gewisse Entlastung soll die Nutzung des MeLa-Messegeländes in Mühlengeez bei Güstrow bringen, wo in Kürze 1250 Betten aufgestellt werden sollen.

Der Landesflüchtlingsrat beklagte Missstände in den Notunterkünften.

Vielerorts laufe es nicht rund, sagte die Vorsitzende Ulrike Seemann-Katz. Hier gebe es Engpässe bei der Essenversorgung, dort bei Mineralwasser-Vorräten, häufig bei Kleidung, Handtüchern, Duschgel und Hygieneartikeln. In einem Fall seien eine Frau und ihre Kinder zusammen mit 30 Männern in einem Raum untergebracht worden.„Es sind viele Einzelfälle, die uns von Helfern, Flüchtlingen und Angehörigen berichtet werden“, sagte Seemann-Katz. „Zu viele Einzelfälle.“ Die zuständigen Stellen seien mit der großen Zahl Flüchtlinge überfordert. Alle arbeiteten bis zum Anschlag.

Ein großes Problem in den Notunterkünften sei, dass die Flüchtlinge keine Ahnung hätten, warum sie dort sind und wie lange sie dortbleiben müssen. In den Notunterkünften sei die ärztliche Versorgung prekär. Dort könnten auch keine Asylanträge gestellt werden.

Ehrenamtliche Helfer sind nach Einschätzung von Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) bei der Hilfe für Flüchtlinge unentbehrlich. „Selbst wenn Politik - und davon sind wir auch noch entfernt - alles gut macht mit Geld und mit noch mehr personeller Unterstützung, wir brauchen trotzdem das Engagement der Bürgerinnen und Bürger. Das werden wir alleine nicht schaffen“, sagte Schwesig beim Besuch einer Notunterkunft in der Rostocker Hansemesse. Schwesig war nach einem TV-Bericht über ehrenamtliche Flüchtlingshelfer nach Rostock gekommen. In der Initiative „Rostock hilft“ arbeiten derzeit rund 250 Menschen.

Innenminister Lorenz Caffier (CDU) informierte am Donnerstag den Innenausschuss des Landtags über die aktuelle Situation. Der CDU-Abgeordnete Wolf-Dieter Ringguth sagte anschließend, die Lage sei angespannt. Die Behörden im Land hätten in den letzten Tagen aber gezeigt, dass sie improvisieren können. Ringguth forderte eine Beschleunigung der Asylverfahren. Nur so werde die Situation in den Griff zu bekommen sein. Der Grünen-Abgeordnete Johannes Saalfeld kritisierte nach der Ausschusssitzung, Flüchtlingsorganisationen hätten Schwierigkeiten, in Unterkünfte zu kommen. Dies sei aber notig, um von unabhängiger Seite etwaige Probleme und Missstände aufnehmen, katalogisieren und priorisieren zu können, sagte er.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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