Interview : Osten für Ausländer nicht zu empfehlen

<p>Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane</p>

Vorstandsvorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane

Übergriffe auf Flüchtlinge: Eine langjährige Beobachterin warnt insbesondere vor den neuen Bundesländern

svz.de von
02. November 2015, 21:00 Uhr

Der Osten Deutschlands ist aus Sicht der Vorstandsvorsitzenden der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane, für Migranten nicht zu empfehlen. „Hierher geht niemand mit offenem Herzen“, sagte die 61-Jährige im Interview mit Gudrun Janicke. Seit der Wende habe sich zu wenig getan.

Ist die heutige Situation wie vor 25 Jahren, als Jagd auf Ausländer gemacht wurde?
Anetta Kahane: Es ist noch schlimmer als damals: Es gibt mehr Übergriffe und mehr Brandanschläge, allerdings nicht so viele Todesfälle. Es entwickelt sich aber eine gesellschaftliche Debatte, wie man mit Gewalt und Flüchtlingen umgeht. Das war damals nicht der Fall.

Sind Angriffe auf Ausländer ein typisch ostdeutsches Problem?
Nein, aber es taucht vermehrt dort auf. Im Westen leben seit 50 Jahren Migranten und Gastarbeiter. Im Osten hat nach der Wende der Mob recht bekommen. Die Ausländer wurden am Ende weggeschickt. Staat und Gesellschaft hatten zugelassen, dass Nazis gewinnen. Heute würde freiwillig kein Migrant mit offenem Herzen in den Osten gehen. Er weiß, dass das ungesund sein kann.

Inwieweit ist Pegida an der Stimmung gegen Ausländer beteiligt?
Ich glaube Pegida ist eine Art Abwehrreaktion. Die Teilnehmer sagen, wir wollen es gemütlich haben, ohne andersartige Menschen. Sie wollen einfach ihre Privilegien behalten.

Wie kann Rechtsextremen der Boden entzogen werden?
Die Frage nicht ist nicht wie, sondern ob. Man muss es nur machen.

Alles rund um die aktuelle Flüchtlingsdebatte lesen Sie in unserem Dossier.

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