Alles Lüge : Moskau macht Stimmung mit „Vergewaltigung“

Demo von Russlanddeutschen in Villingen-Schwenningen
Demo von Russlanddeutschen in Villingen-Schwenningen

Russland nutzt eine „Vergewaltigung “ zu anti-deutscher Propaganda.

von
28. Januar 2016, 20:47 Uhr

Über die Flüchtlingskrise in Deutschland schüttelt der Chef der russischen Migrationsbehörde nur verständnislos den Kopf. „Undenkbar“ sei das in Russland, meint Konstantin Romodanowski. Wenn Deutschland jetzt noch den Familiennachzug erlaube, „kommen pro Flüchtling nicht nur drei, sondern gleich 20 Menschen nach.“ Romodanowski ist kein Einzelfall. Seit Wochen äußern sich „besorgte Bürger“ in Russlands Staatsmedien über den Zustand des Westens. Auf deutschen Straßen werde nur noch Arabisch gesprochen, ist dort etwa zu hören.

Aber die angebliche Vergewaltigung einer russlanddeutschen 13-Jährigen in Berlin sorgt mit Abstand für den größten Wirbel, auch in Deutschland – spätestens, seit der russische Außenminister Sergej Lawrow den deutschen Behörden Versäumnisse vorgeworfen hat. Weder für eine Entführung noch für eine Vergewaltigung sieht die Staatsanwaltschaft bislang Anzeichen. Doch Lawrow mahnt bei einer internationalen Pressekonferenz, Ereignisse wie mit „unserem Mädchen“, der Russlanddeutschen aus Marzahn, dürften sich nicht wiederholen.

Gefragt wurde er zu dem Fall übrigens nicht direkt. Gerade deshalb birgt Lawrows ungewöhnliche Einlassung diplomatische Brisanz – sonst nämlich verbittet sich Russlands Chefdiplomat vehement eine Einmischung in innere Angelegenheiten.

Die Bundesregierung reagiert prompt. Es verbiete sich, „diesen Vorfall politisch zu instrumentalisieren“, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert. Und der Sprecher des Außenministeriums, Martin Schäfer, kommentiert die Berichte des russischen TV mit den Worten, langfristig gelte der Grundsatz „Lügen haben kurze Beine“.

Aus russischer Sicht ist der Fall klar. Die 13-Jährige sei in Berlin von Migranten entführt, stundenlang vergewaltigt worden – und die deutschen Behörden täten nicht genug, um den Fall zu klären, heißt es in den gelenkten Staatsmedien.

Beobachter in Russland vermuten, dass sich die Propagandamaschinerie die Flüchtlingskrise zu Nutzen machen soll, um Unruhe in Deutschland zu stiften. Gerade die große russischsprachige Minderheit soll sich dafür gut eignen. Bereits am Wochenende demonstrierten Tausende Russlanddeutsche gegen angebliche „Gewalt durch Migranten“. An der Glaubwürdigkeit der Vergewaltigungsberichte zweifelt indes auch das regierungskritische russische Magazin „The New Times“: „Woher haben erst kürzlich angekommene Flüchtlinge aus dem Nahen Osten ein Auto und einen Führerschein sowie eine Wohnung?“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen